Absatzkrise Renault kürzt Produktion um ein Viertel

Der Autokonzern Renault reagiert mit drastischen Einschnitten auf den Abschwung. Die Franzosen wollen bis Jahresende 25 Prozent weniger Fahrzeuge herstellen. Einige Werke sind bereits vorübergehend geschlossen. Auch Volkswagen meldet erste Absatzeinbußen, hält sich aber besser als der Markt.

Paris - Der französische Autohersteller Renault  wird seine Produktion zum Jahresende stark drosseln. Im vierten Quartal sollten 25 Prozent weniger Autos gebaut werden als im Vorjahreszeitraum, teilte der neue Renault-Generaldirektor Patrick Pélata am Montag in Paris mit. Davon betroffen seien alle Renault-Werke weltweit.

Der Absatz in Europa werde im kommenden Jahr voraussichtlich um 20 Prozent zurückgehen, begründete Pélata die Maßnahme. Außerdem könnte das Wachstum in den Schwellenländern zum Stillstand kommen. Bereits am Freitag hatte Renault die vorübergehende Schließung von fünf seiner Werke in Frankreich, Spanien und Rumänien angekündigt.

"Wir wollen unsere Lagerbestände und die unserer Konzessionäre abbauen", sagte Pélata der Zeitung "Le Parisien" (Montagausgabe). "Frankreich und Deutschland haben bis zum Ende des Sommers der Krise getrotzt (...). Aber jetzt sind wir mittendrin", sagte Pélata. Derzeit stehe es nicht zur Debatte, dass Renault einen US-Autohersteller übernehme.

Renault war für einen Zusammenschluss mit dem US-Autobauer Chrysler im Gespräch gewesen. "Im Augenblick schnallen wir den Gürtel enger. Aber in Krisenzeiten können sich auch gute Gelegenheiten ergeben", sagte Pélata. Es sei aber schwierig, im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld Vorhersagen zu machen. "Vor drei Wochen hätte ich noch nicht gesagt, dass die Märkte in Russland und Brasilien schrumpfen werden", sagte Pelata.

Volkswagen bleibt auf Rekordkurs

Renault hatte jüngst eine Drosselung der Produktion angesichts der schwachen Nachfrage angekündigt. Ähnliches planen deutsche Hersteller. Schon 2008 wird für Europa mit einem schrumpfenden Markt gerechnet. Per Ende Oktober lag der Autoabsatz in Europa dem Herstellerverband ACEA zufolge um 5,4 Prozent unter dem des Vergleichszeitraums 2007.

Dabei hatte sich die Talfahrt zuletzt beschleunigt: Im Oktober war der Absatz um 14,5 Prozent auf 1,13 Millionen Autos eingebrochen. 2007 waren dem Verband zufolge in den 27 EU-Ländern sowie Norwegen, Island und der Schweiz 16 Millionen Autos verkauft worden, 1,1 Prozent mehr als 2006. In Deutschland, dem größten Automobilmarkt Europas, gab es 2007 aber einen Rückgang um rund 9 Prozent auf 3,15 Millionen Fahrzeuge.

Auch Europas größter Autobauer Volkswagen  hat sich im Oktober der weltweit schwächelnden Nachfrage nach Neuwagen nicht mehr entziehen können, doch weiterhin besser geschlagen als die Konkurrenz. Mit 502.600 Pkw wurden 5,1 Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt als im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern am Montag in Wolfsburg mitteilte. Von Januar bis Oktober legten die Verkäufe konzernweit um 2,8 Prozent auf 5,29 Millionen Fahrzeuge zu.

"Im Oktober hat sich die Situation der gesamten Branche weltweit noch einmal erheblich verschlechtert", erklärte Konzernvertriebschef Detlef Wittig. Auch in den Schwellenländern wie China, Brasilien, Indien und Russland habe sich das Wachstum abgeschwächt. Trotz der sich verschärfenden Absatzkrise will der Autobauer mit den Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley und Lamborghini bis zum Jahresende den Rekordabsatz des Vorjahres von 6,2 Millionen Wagen übertreffen, betonte Wittig.

manager-magazin.de mit Material von afp, reuters, ddp und dpa-afx

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