Postbank/Deutsche Bank Kartellamt macht Weg frei

Die Deutsche Bank hat grünes Licht für ihren Einstieg bei der Postbank. Die Wettbewerbshüter gaben den Deal nach einer nur einmonatigen Prüfung frei. Zugleich macht sich die Deutsche Post als Verkäuferin der Anteile Sorgen, nun selbst anfälliger für feindliche Übernahmen zu sein.

Düsseldorf - Die Deutsche Bank  hat die letzte große Hürde vor dem Einstieg bei der Deutschen Postbank  aus dem Weg geräumt. Das Bundeskartellamt billigte die Übernahme eines Anteils von zunächst 29,75 Prozent an der Postbank durch den deutschen Branchenprimus ohne Auflagen, wie eine Sprecherin der Wettbewerbshüter am Montag in Bonn sagte. Die Pläne der Bank bedrohten den Wettbewerb nicht. Das Frankfurter Geldhaus begrüßte den Beschluss.

Mit der Freigabe durch das Kartellamt können der Postbank-Mutterkonzern Deutsche Post  und die Deutsche Bank nun die Weichen stellen, um die Transaktion wie geplant im ersten Quartal 2009 abschließen zu können. Das Kartellamt hätte bei wettbewerbsrechtlichen Bedenken eine vertiefte, dreimonatige Prüfung einleiten können. Doch die Kartellwächter winkten die Pläne nach nur einmonatiger Untersuchung durch.

"Wir werden nun zügig die nächsten Schritte umsetzen", kündigte ein Sprecher der Deutschen Bank an. "Wir liegen voll im Plan." Die Deutsche Bank zahlt für 29,75 Prozent an der Postbank 2,8 Milliarden Euro. Das Frankfurter Geldhaus hat eine Option, später den restlichen Post-Anteil und damit die Mehrheit an dem Institut zu erwerben. Mit ihrem bislang größten Zukauf in Deutschland will die Deutsche Bank ihre Rolle als Nummer eins im Heimatmarkt zementieren.

Nach der Abspaltung der Postbank sei die Gefahr einer feindlichen Übernahme der Deutschen Post gestiegen, räumte Konzernchef Frank Appel gegenüber der "Financial Times Deutschland" ("FTD", Montagausgabe) ein. Er wolle in Zukunft verstärkt auf die Aktionärsstruktur des Logistikers achten.

"Ein Free Float von 100 Prozent ist weder für den Konzern noch für die Mitarbeiter gut", sagte Appel. Damit wolle er sich im kommenden Jahr verstärkt beschäftigen. Der Post-Chef favorisiert deshalb große Investoren, die ihre Anteile langfristig halten wollen und das Unternehmen stabilisieren. Der Staat hält derzeit über die Bank KfW noch mehr als 30,5 Prozent der Post-Aktien. Mittel- bis langfristig will sich der Bund aber von diesen Anteilen trennen.

Aktuell fühlt sich Appel dem Bericht zufolge aber vor Übernahmen geschützt, weil "potenzielle Käufer nur wenig vom Briefgeschäft verstehen", heißt es in dem Artikel weiter. Der Manager sieht in dem Bereich wegen der steigenden Konkurrenz durch Wettbewerber und das Internet zwar kein Wachstumsfeld. Eine Trennung von der Sparte zum Beispiel in Form eines Börsengangs sei aber kein Thema, betonte Appel gegenüber der Zeitung. Nach "FTD"-Informationen war eine Abspaltung als Option kürzlich durchgespielt worden. Das Briefgeschäft ist nach dem Verkauf der Postbank Hauptertragsbringer.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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