Weltfinanzgipfel G20 einigen sich auf dichtes Kontrollnetz

Die Staats- und Regierungschefs haben sich offenbar auf den Grundsatz effektiver Finanzkontrollen verständigt. Künftig sollen dazu Hedgefonds erheblich stärker reguliert werden als bisher, neue Bilanzierungsrichtlinien für komplizierte Finanzprodukte aufgestellt und Regeln für Ratingagenturen vorgegeben werden. Der Aktionsplan wird insgesamt etwa 50 Punkte umfassen.

Washington - Die Staats- und Regierungschef der 20 wirtschaftlich bedeutendsten Industrie und Schwellenländer (G20) sind zu einer umfassenden Neuregulierung der Finanzmärkte entschlossen. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Nachmittag auf dem Weltfinanzgipfel in Washington gesagt. "Unser Ziel ist es, dass alle Marktteilnehmer, alle Produkte und alle Märkte wirklich überwacht werden", sagte Merkel. "Ich glaube, es gibt hier einen großen gemeinsamen Willen sicherzustellen, dass sich so eine Krise nicht wiederholt."

Die Unterhändler der Staats- und Regierungschefs haben sich auf dem Weltfinanzgipfel anscheinend bereits endgültig auf das Abschlussdokument verständigt. Danach werden sich die G-20-Staaten auf gut 50 Kontrollansätze einigen. Dazu zählen offenbar zusätzliche Regeln für Hedgefonds zu regulieren; nach Angaben der Deutschen Presseagentur wurden die entsprechenden Passagen im Abschlussdokument noch einmal verschärft.

Darüber hinaus sollen Bilanzierungsrichtlinien für solche hochkomplizierten Finanzprodukte entwickelt werden, die teilweise zur Verschärfung der Finanzkrise beigetragen haben. Auch ein besseres Risikomanagement und Regeln für Ratingagenturen werden im Abschlussdokument stehen. Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit Banken, die Risikoprodukte anbieten, diese durch Eigenkapital absichern müssen.

Die Vorhaben sollen bis Ende März im Rahmen eines Aktionsplans umgesetzt werden, sagte Merkel in Washington. Der Plan selbst soll bis Ende März 2009 im Detail ausgearbeitet werden. Merkel bezeichnete den Gipfel als einen Neubeginn in einer sehr schwierigen Situation. Der Aktionsplan zeige, "dass die Staatengemeinschaft handlungsfähig ist", sagte Merkel weiter.

Jürgen Stark, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, hatte die Politiker zuvor vor Schnellschüssen gewarnt. Die Finanzkrise sei sehr komplex und müsse in dieser Komplexität aufgeklärt werden, sagte Stark am Samstag in Berlin. Er hoffe, dass dafür genügend Expertise in Washington vor Ort sei. Es dürfe keine Schnellschüsse geben, die in die falsche Richtung gingen. Ein wichtiger Faktor sei, dass es vor ähnlichen Krisen immer wieder eine expansive Geld- und Haushaltspolitik gegeben habe.

Der Bundesverband Deutscher Banken hat sich bereits während der Tagung in Washington gegen eine stärkere Regulierung des Finanzmarktes ausgesprochen. Dieser sei bereits die am stärksten regulierte Branche der Wirtschaft überhaupt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Manfred Weber, am Samstag im Deutschlandradio Kultur.

Die Gipfelteilnehmer hatten sich gestern zum Auftakt zu einem Arbeitsabendessen getroffen. Dieses sei ein "gutes, produktives Treffen" gewesen, sagte US-Regierungssprecherin Dana Perino. Am Samstag solle über konkrete Maßnahmen zum Schutz des Finanzsystems beraten werden. Erwartet wurde, dass die Staats- und Regierungschefs eine Reihe von Arbeitsaufträgen erteilen, die in ein Frühwarnsystem und in Mechanismen zur besseren Überwachung der Finanzmärkte münden könnten. Uneinig waren sie sich allerdings darüber, welche Rolle internationale Gremien im Detail bei neuen Kontrollen spielen sollen.

Bush gewählter Nachfolger Barack Obama blieb den Beratungen fern, schickte jedoch Gesandte zu Sondierungsgesprächen. Ex-Außenministerin Madeleine Albright und der frühere republikanische Kongressabgeordnete Jim Leach trafen sich in Obamas Auftrag mit den Präsidenten von Argentinien, Mexiko und Südkorea sowie mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch eine Begegnung mit der deutschen Delegation war geplant.

manager-magazin.de mit Material von afp und reuters

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