Weltfinanzgipfel US-Präsident Bush dämpft Erwartungen

Die Staats- und Regierungschefs haben mit Beratungen zur Erneuerung des Weltfinanzsystems begonnen. US-Präsident George W. Bush warnte davor, eine rasche Lösung zu erwarten. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht hingegen die USA unter Zugzwang. Offenbar sind sich die Teilnehmer bereits einig, die Konjunktur zu stützen und neue Finanzmarktregeln aufzustellen.

Washington - "Das Problem ist nicht über Nacht entstanden und wird nicht über Nacht gelöst werden", sagte Bush. Er erneuerte jedoch seine Warnung vor zu starken Eingriffen in das Finanzsystem. Die freie Marktwirtschaft sei weltweit immer "ein Antrieb des Wohlstands, des Fortschritts und des sozialen Aufstiegs" gewesen.

Die Amerikaner hätten ein echtes Interesse an Regulierung, sagte hingegen Steinbrück. Die USA müssten Verlässlichkeit garantieren, wenn sie weiterhin Kapitalimporte im großen Stil gewährleisten wollten. Deshalb empfehle er, nicht so viel auf Hinweise von amerikanischer Seite zu geben, "man ziehe sich jetzt wieder zurück". Er sei zuversichtlich, dass der Gipfel am Samstag ein Mandat mit Arbeitsaufträgen erteilen werde. Das nächste Treffen sei für den 31. März geplant. Tagungsort wird nach brasilianischen Angaben Großbritannien, weil die Regierung in London dann den G-20-Vorsitz innehaben wird.

Nach Angaben der französischen Regierung sind sich die G-20-Staaten einig, dass Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur, neue Regeln für die internationalen Finanzmärkte und Reformen der internationalen Institutionen nötig sind. Die Entscheidungen sollen am Samstag in einer fünfseitigen Erklärung veröffentlicht werden. Eine "erste Bilanz" dieser Beschlüsse solle dann am 31. März gezogen werden.

Jürgen Stark, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, hat die Politiker vor Schnellschüssen gewarnt. Die Finanzkrise sei sehr komplex und müsse in dieser Komplexität aufgeklärt werden, sagte Stark am Samstag in Berlin. Er hoffe, dass dafür genügend Expertise in Washington vor Ort sei. Es dürfe keine Schnellschüsse geben, die in die falsche Richtung gingen. Ein wichtiger Faktor sei, dass es vor ähnlichen Krisen immer wieder eine expansive Geld- und Haushaltspolitik gegeben habe.

Die Gipfelteilnehmer hatten sich gestern zum Auftakt zu einem Arbeitsabendessen getroffen. Dieses sei ein "gutes, produktives Treffen" gewesen, sagte US-Regierungssprecherin Dana Perino. Am Samstag solle über konkrete Maßnahmen zum Schutz des Finanzsystems beraten werden. Erwartet wurde, dass die Staats- und Regierungschefs eine Reihe von Arbeitsaufträgen erteilen, die in ein Frühwarnsystem und in Mechanismen zur besseren Überwachung der Finanzmärkte münden könnten. Uneinig waren sie sich allerdings darüber, welche Rolle internationale Gremien im Detail bei neuen Kontrollen spielen sollen.

Bush gewählter Nachfolger Barack Obama blieb den Beratungen fern, schickte jedoch Gesandte zu Sondierungsgesprächen. Ex-Außenministerin Madeleine Albright und der frühere republikanische Kongressabgeordnete Jim Leach trafen sich in Obamas Auftrag mit den Präsidenten von Argentinien, Mexiko und Südkorea sowie mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch eine Begegnung mit der deutschen Delegation war geplant.

manager-magazin.de mit Material von afp und reuters

Experten-Forum: Was in Washington beschlossen werden sollte

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