Autogipfel Opel beantragt Staatsbürgschaft

Der Autobauer Opel versucht, sich gegen eine Schieflage seines US-Mutterkonzerns General Motors abzusichern: Das Management wendet sich mit der Bitte um staatliche Bürgschaften an Bund und Länder. Deren Vertreter bereiten einen Autogipfel in der kommenden Woche vor, um die Branche für die Krise zu wappnen.

Rüsselsheim - Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten ruft Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat zu Hilfe. Eine Bürgschaft über mehrere hundert Millionen Euro von Bund und Ländern soll die Tochter des schwer angeschlagenen US-Autoriesen General Motors (GM)  stützen, wie Opel am Freitag in Rüsselsheim mitteilte. Das Land Hessen erklärte sich bereit, Opel und seinen Zulieferern mit Bürgschaften von bis zu 500 Millionen Euro zu helfen.

Opel-Chef Hans Demant betonte jedoch, das Unternehmen sorge mit der Bitte um Bürgschaften nur für den "theoretischen Fall" vor, dass wegen der Krise bei GM "die Finanzströme aus den USA nicht mehr weiterlaufen". Der Mutterkonzern hatte kürzlich nach Milliardenverlusten und Absatzeinbrüchen vor einer möglichen Insolvenz gewarnt.

"Wir haben derzeit kein Liquiditätsproblem. Wir sind zahlungsfähig und wir bleiben zahlungsfähig", sagte Demant. Opel habe bei der Bundesregierung eine Bürgschaft beantragt, aber keine Liquiditätshilfen: "Wir haben keine Liquidität beantragt." Zur Höhe der Bürgschaft machte Demant keine Angaben.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA geht es bei der Opel-Bürgschaft um mindestens 200 Millionen Euro. In Branchenkreisen heißt es zudem, der Autobauer habe in seinen Verhandlungen mit der Bundesregierung und den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein- Westfalen und Thüringen mitgeteilt, im nächsten Jahr etwa eine Milliarde Euro frisches Kapital zu benötigen. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aus Länder-Kreisen hat Opel offene Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro an den Mutterkonzern.

Opel produziert in Deutschland an seinem Stammsitz in Rüsselsheim sowie in Bochum, Eisenach und Kaiserslautern. Insgesamt hat der Autobauer in Deutschland knapp 25.700 Mitarbeiter (Stand Ende 2007).

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"Es geht um Eventualitäten"

Demant erklärte: "Falls es zu Problemen bei GM in den USA käme, hängen wir an den Finanzströmen und dann könnte es passieren, dass wir irgendwann im nächsten Jahr Probleme bekämen. Nur in diesem unwahrscheinlichen Fall müssten wir Kredite aufnehmen." Dann bräuchte Opel "Cash, um das Geschäft weiterzubetreiben". Demant betonte: "Es geht nur um Eventualitäten."

Opel macht etwa drei Viertel des GM-Europageschäfts aus. Im dritten Quartal 2008 stürzte das Europageschäft mit einem operativen Verlust von rund einer Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) ins Minus. GM machte insgesamt unterm Strich rund 2,5 Milliarden Dollar Verlust.

Die Bundesregierung will zusammen mit den Ländern mögliche Hilfen prüfen. Nach DPA-Informationen lud sie die vier betroffenen Länder Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen für Dienstag zu Gesprächen nach Berlin ein.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte der DPA: "Wir sind bereits in Kontakt mit Opel. Das Problem kann nur gemeinsam mit den betroffenen Standortländern angegangen werden." Opel müsse nun "konkrete belastbare Zahlen auf den Tisch legen, damit wir die Situation analysieren können".

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Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte in Wiesbaden, der Landtag solle auf seiner letzten Sitzung am kommenden Mittwoch eine Garantie-Ermächtigung über 500 Millionen Euro beschließen. Absicht sei, dass sich Hessen auch nach Auflösung des Landtages an einem Schutzschirm des Bundes und der Länder mit Opel-Werken beteiligen könne. Allein in Hessen gebe es 1600 Zulieferer mit insgesamt 50.000 Mitarbeitern.

Auch das Land Rheinland-Pfalz will eine Opel-Bürgschaft mittragen. Es gebe dazu seit Tagen Gespräche, was auch das Land Thüringen bestätigte. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte der "Bild am Sonntag": "Wir lassen Opel nicht untergehen. Nordrhein-Westfalen wird gemeinsam mit dem Bund und den anderen Ländern Bürgschaften gewähren."

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) wollte sich nicht zu dem Schritt von Opel äußern. Auch Porsche und Audi wollten das Thema nicht kommentieren. Dagegen sagte eine Daimler-Sprecherin: "Wir werden keine Staatshilfe beantragen." Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte sich bereits in der "Bild"-Zeitung (Freitag) zu Forderungen nach staatlichen Finanzhilfen für die Autoindustrie zurückhaltend geäußert. Ein BMW-Sprecher machte klar, mögliche Anträge auf Eigenkapitalhilfe für einzelne Hersteller würden kritisch beäugt: "Man muss natürlich schauen, inwieweit das zu Wettbewerbsverzerrungen führen würde. Da sind wir schon auf der Hut."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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