Dax Das Grauen auf einen Blick

Die aktuelle Dax-Bilanz ist verheerend. 12 der 30 Indexwerte haben binnen 12 Monaten ihren Wert mehr als halbiert, 27 notieren zweistellig im Minus. Die Aussicht auf eine globale Rezession hat die Angst vor einem Bankencrash abgelöst. Dennoch wagen sich immer wieder einige Schnäppchenjäger zaghaft vor.

Hamburg - Ok, Volkswagen  zählt nicht. Die einzige Aktie im Dax , die auf Sicht der vergangenen 12 Monate zugelegt hat - wobei "zugelegt" für ein Plus von 112 Prozent noch eine höfliche Untertreibung ist. Doch die Kurskapriolen der VW-Aktie haben jüngst selbst die Deutsche Börse zum Eingreifen gezwungen - und die Zahl der Anleger, die ausschließlich VW im Depot haben, dürfte extrem überschaubar sein.

Bleiben noch zwei relative Gewinner. Mit dem Dax-Neuling K+S  sowie mit dem Dialysespezialisten Fresenius Medical Care  können Anleger noch sehr zufrieden sein - ein nur einstelliges Minus auf 12-Monats-Sicht ist in diesen Tagen so etwas wie eine gefühlte Kursrally.

Alle anderen 27 Dax-Titel haben bislang wesentlich tiefere Spuren der Verwüstung im Depot hinterlassen. Wobei sich Aktionäre der Deutschen Telekom  in diesem Jahr ausnahmsweise mal fast als Gewinner fühlen können: Mit einem Minus von nur 17 Prozent zählt man noch zu den Top 4 im Index. Was für Zeiten.

Die verbleibenden 26 Dax-Titel verbuchten bislang Verluste von 20 Prozent und mehr. Wobei die Mehrzahl klar in die Kategorie "und mehr" fällt: 12 Dax-Werte haben sich bis zum heutigen Tag sogar mehr als halbiert, wenn man bis zum 6. November 2007 zurückrechnet (siehe Dax-Dutzend: Halbiert binnen Jahresfrist).

Erinnern Sie sich noch an diese sorglosen Novembertage des Jahres 2007? Damals umschwebte der Dax völlig unbeschwert die Marke von 8000 Punkten herum, um dann zum Jahresende - völlig losgelöst von irdischen Risiken - noch ein paar Punkte draufzulegen. Die Subprime-Krise war zwar seit Monaten Thema, Banken schrieben hier und da mal ein paar Milliarden ab, doch man wähnte sich bereits jenseits des größten Schlamassels.

Welch ein Irrtum. Seit Anfang November 2007 hat der Dax  ebenso wie der US-Leitindex Dow Jones  rund ein Drittel an Wert eingebüßt. Und dabei haben Anleger in den vergangenen drei Wochen bereits eine kräftige Erholung gesehen: Staatliche Rettungspakete, Kreditgarantien und die Aussicht auf den Machtwechsel im Weißen Haus haben die Indizes von ihren Tiefs Mitte Oktober wieder in die Höhe getrieben. Ohne diese Eingriffe in höchster Not sähe es wahrscheinlich wesentlich schlimmer aus.

Noch 800 Zähler über Jahrestief

Noch 800 Punkte über Jahrestief

Der Dax notiert aktuell noch 800 Punkte über seinem Jahrestief von 4014 Zählern, der Dow ist nach einem erneuten Kursrutsch am Donnerstag um 4,9 Prozent nur noch rund 900 Punkte von seinem Tief bei 7773 Punkten entfernt. Auf diese Tiefen trudelten die Indizes erst vor wenigen Wochen inmitten einer weltweiten Verkaufspanik, als Investoren jeden Tag aufs Neue den Kollaps des internationalen Finanzsystems fürchteten.

Diese Sorgen sind inzwischen in den Hintergrund geraten. Anleger fürchten derzeit weniger, dass Banken reihenweise pleite gehen. Hauptsorge ist nun, dass die Weltwirtschaft auf Grund der Finanzkrise in eine zähe und tiefe Rezession rutscht. Nicht nur Finanztitel, sondern auch Industriekonzerne warnen vor deutlich sinkenden Umsätzen und Gewinnen und verlieren an den Börsen im Rekordtempo an Wert.

Vereinzelte Investoren bereits auf Schnäppchenjagd

Kleiner Hoffnungsschimmer: Auf Einbrüche dieser Größenordnung folgt in der Regel eine besonders kräftige Erholung. Ob diese bereits 2009, 2010 oder erst einige Jahre später einsetzt, kann niemand vorhersagen. Der Dax, der zwischen 2000 und Frühjahr 2003 mehr als 70 Prozent an Wert verloren hatte, brauchte im Anschluss rund 4 Jahre, um neue Höhen zu erreichen.

Für Anleger, die einen langen Anlagehorizont und noch ausreichend Bargeld haben, bieten sich nach Ansicht einiger Vermögensberater bereits Möglichkeiten für einen behutsamen, schrittweisen Einstieg - viele Aktien notieren derzeit auf dem tiefsten Stand seit rund 5 Jahren. Anlegern, die bereits viele Aktien halten und (hoffentlich) ebenfalls einen langen Anlagehorizont haben, sei Geduld empfohlen. Man muss ja nicht jedes Jahr in sein Depot schauen.

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