Finanzkrise HSH Nordbank braucht frisches Geld

Dass die HSH Nordbank staatliche Bürgschaften in Milliardenhöhe braucht, war bereits bekannt. Jetzt wird klar: Die Landesbank benötigt auch frisches Eigenkapital. Noch ist offen, woher das kommen soll. Fest steht dagegen: Die Bank wird dieses Jahr mit einem Verlust abschließen.

Kiel - Die HSH Nordbank braucht aus dem staatlichen Rettungspaket laut Vorstandschef Hans Berger nach derzeitigem Stand Bürgschaften von rund zehn Milliarden Euro. Dies sagte Berger am Donnerstag vor dem Finanzausschuss des Landtages in Kiel. Insgesamt sieht der Antrag, der am gleichen Tag eingereicht werden sollte, einen Anspruchsrahmen von bis zu 30 Milliarden Euro vor. Berger machte vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise deutlich, dass die gemeinsame Landesbank von Schleswig-Holstein und Hamburg zusätzliches Kapital benötigt: "Wir brauchen neues Kapital, um uns zukunftsbezogen aufzustellen".

Infrage kommen für eine solche Aufstockung des Eigenkapitals die bisherigen Eigentümer, der sogenannte Finanzmarktstabilisierungsfonds oder ein weiterer Eigentümer, der nach Worten des schleswig- holsteinischen Finanzministers Rainer Wiegard (CDU) aber "nicht in Sicht" ist. Die Entscheidung müsse sorgfältig geprüft werden, betonte er unter Hinweis auf die Bedingungen des Fonds für den Fall, dass er Kapital zur Verfügung stellt.

Als Beispiele nannte Wiegard eine Verzinsung von 8,5 Prozent, den Verzicht auf Dividendenzahlung an die Eigentümer und die Frage, was eine Inanspruchnahme des Fonds insgesamt bis zu dessen Abwicklung im Jahr 2012 kosten würde. An der Bank beteiligt sind Schleswig-Holstein (29,10 Prozent), Hamburg (30,41 Prozent), die Sparkassen (14,82 Prozent) und private Investoren (25,67 Prozent), darunter seit dem Sommer 2006 auch die amerikanische Beteiligungsgesellschaft J. C. Flowers.

Die Kernkapitalquote der HSH Nordbank betrug Berger zufolge zum 30. September unter Einrechnung der Marktrisiken 7,1 Prozent. Wenn die Bedingungen gleichblieben, würde eine Erhöhung der Quote auf 8 Prozent laut Berger eine Milliarde Euro erfordern und eine Anhebung auf 9 Prozent zwei Milliarden. Der Bankchef betonte aber, dass eine Änderung der Berechnungsparameter diskutiert wird.

"Wir werden ein negatives Ergebnis zum Jahresende haben"

"Wir werden ein negatives Ergebnis zum Jahresende haben", sagte Berger zur Gesamtlage der Bank. Dafür eine Zahl zu nennen, wäre angesichts andauernder Risiken unseriös. Zum 30. September belief sich der Verlust auf 360 Millionen Euro. Seitdem hätten sich die Verhältnisse eher verschlechtert, sagte Berger. Er sah für die Zukunft auch ein positives Signal: Aus ihrem Kerngeschäft - dazu gehören vor allem Schiffs- und Immobilienfinanzierungen sowie das Firmenkundengeschäft - erwarte die Bank im nächsten Jahr einen Ertrag von über zwei Milliarden Euro. Zum 30. September des laufenden Jahres hatte sie 1,5 Milliarden Euro erreicht.

Der weltgrößte Schiffsfinanzierer war zuletzt betroffen von einem dramatischen Charterraten-Verfall, wie Berger am Beispiel der Massengut-Schiffe erläuterte. Nachfrage und Ladung seien vorhanden, letztere werde wegen der Bankenkrise aber nicht finanziert. Wenn der Geldkreislauf wieder in Gang komme, werde es diese Handelsfinanzierung wieder geben - wenn auch nicht auf dem Rekordniveau der vergangenen Jahre.

Nach Auffassung von Finanzminister Wiegard würden Fusionen von Landesbanken nicht aus der Krise helfen. Allerdings werde die Landschaft der Landesbanken nach der Finanzmarktkrise anders aussehen, weil der Markt anders aussehen werde.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki schlussfolgerte nach der Ausschusssitzung: "Das Land Schleswig-Holstein muss in den nächsten Wochen die für sich und die Bank wichtige Frage beantworten, ob und in welchem Umfang es dem Institut weiteres Geld zur Verfügung stellen kann und will". Es müsse geklärt werden, "ob ein weiteres Engagement des Landes zu rechtfertigen ist". Die Informationen, die Berger im Ausschuss gab, hätten dafür nicht ausgereicht.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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