Absatzflaute Domino in der Autobranche

Stehende Bänder bei Opel, Zwangsurlaub bei Daimler - deutsche Autofahrer kaufen derzeit nur widerwillig Neuwagen. Doch die Absatzprobleme schwächen nicht nur große Autokonzerne. Mit Zulieferern, Anlagenbauern und Händlern erfasst die Krise nun den deutschen Mittelstand. manager-magazin.de gibt einen Überblick.

Hamburg - Die Autolobby hat sich durchgesetzt. Am Mittwoch beschloss die Bundesregierung im Rahmen eines Investitionsprogramms, auch die deutsche Schlüsselindustrie zu fördern. Mit einer Steuerbefreiung für praktisch alle Neuwagen sollen die Pkw-Verkäufe angekurbelt werden.

Wie hilfreich die Maßnahme tatsächlich ist, ob sie wie behauptet auch einen Beitrag zum Umweltschutz darstellt, und ob sich wirklich so viele Menschen wegen ein paar Hundert Euro Ersparnis zu einem Kauf im Wert von mehreren Zehntausend Euro verleiten lassen - all das muss bezweifelt werden. Aber Merkel, Glos und Co. wollten partout etwas tun.

Verständlich, denn die Autobranche steckt in der Krise, hierzulande wie anderswo. Mit dem Unterschied, dass in Deutschland jeder siebte Arbeitsplatz am Fahrzeugbau hängt.

Die Prognosen sind düster. Bereits jetzt ist das Wehklagen über einbrechende Verkaufszahlen groß. Dabei sagen Experten, dass die richtig schmerzhaften Ausfälle erst 2009 bevorstehen. In diesem Jahr zehren die Bilanzen noch von den vergleichsweise guten Ergebnissen vom Frühjahr. Die Prognose von 3,2 Millionen Autos sei schon jetzt nicht mehr zu halten, sagt der Autoökonom Ferdinand Dudenhöffer - im nächsten Jahr würden weniger als drei Millionen Stück verkauft.

Betroffen sind nicht nur die Autohersteller, die reihenweise ihre Fließbänder anhalten und Mitarbeiter zwangsweise in den Urlaub schicken. Inzwischen hat die Krise die Zulieferer erreicht, die Händler und Anlagenbauer.

Verdreifachte Erlöse in 15 Jahren

Verdreifachte Erlöse in 15 Jahren

Damit zieht sie immer größere Kreise. Allein bei Autozulieferern sind in Deutschland rund 350.000 Menschen beschäftigt, der Umsatz der Branche lag im vergangenen Jahr bei gut 75 Milliarden Euro - wovon 28,5 Milliarden auf Bosch entfielen.

Jenseits solcher großen Player spielen viele Mittelständler eine wichtige Rolle für das Zuliefergeschäft. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) machen sie das Gros des Branchenaufkommens aus. Firmen wie der Leuchtenhersteller Hella, die Felgenschmiede Fuchs oder der Motorblockspezialist Honsel - sie müssen jetzt mit dem schwindsüchtigen Automarkt zurechtkommen. Ganz zu schweigen vom Autohändler um die Ecke. Die Krise hat den deutschen Mittelstand fest im Griff.

Das ist fatal. Die deutschen Autozulieferer zählten in den vergangenen 15 Jahren zu den größten Wachstums- und Beschäftigungsgaranten. Wie das IW vorrechnet, wuchs in diesem Bereich seit 1992 die Zahl der Arbeitsplätze gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend um 25 Prozent; die Erlöse haben sich in diesem Zeitraum gar verdreifacht.

Zuletzt erhöhte sich der Druck auf die Branche. Nicht so sehr durch den zunehmenden Preiskampf - dafür sind die Deutschen gut gerüstet. Dass aber gleichzeitig die Rohstoffpreise anzogen, bereitete Schwierigkeiten. Die Zuwächse waren beträchtlich im ersten Halbjahr 2008: Bei Stahl fast 60 Prozent, Strom 30 Prozent, Aluminium und Kupfer je gut 20 Prozent. Nun addieren sich Absatzkrise und Finanzkrise hinzu. Das Wachstum wird jäh ausgebremst.

In einer Bildergalerie haben wir zusammengefasst, wie die Zuarbeiter und Partner der Autobauer auf die Krise reagieren. Noch spricht keines dieser Unternehmen davon, Stammpersonal zu entlassen. Doch die Durststrecke hat eben erst begonnen.

Übersicht: Wie Zulieferer, Anlagenbauer und Händler auf die Krise reagieren

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