Konjunktur-Abschwung 3500 Bosch-Beschäftigte in Kurzarbeit

Auch der größte deutsche Automobilzulieferer Bosch muss sparen. Wegen der Absatzflaute schickt der Konzern 3500 Mitarbeiter für sechs Monate in Kurzarbeit. Ein Konzernsprecher schließt weitere Einschnitte nicht aus.

Stuttgart - Durch die Einsparungen in der Autobranche geraten auch die vorgelagerten Industrien zusehends unter Druck - allen voran die Zulieferer. Einer der größten unter ihnen, die Firma Bosch, kündigt nun erste Einschnitte an: Man werde 3500 Beschäftigte in Kurzarbeit schicken, gab das Unternehmen bekannt.

Betroffen sei zunächst nur der Standort Bamberg, sagte ein Sprecher in Stuttgart. Die Mitarbeiter fertigten dort vor allem Diesel-Komponenten. Die übrigen 4500 Beschäftigten am Standort seien von der Kurzarbeit nicht betroffen und produzierten weiter Benzin-Systeme und Zündkerzen.

Weitere Einschnitte seien nicht ausgeschlossen. "Wir verhandeln an weiteren Standorten mit dem Betriebsrat über Maßnahmen", sagte der Sprecher. Der tageweise Ausfall der Produktion reiche zum Teil nicht aus, um die Produktionskürzungen bei den Autoherstellern aufzufangen. Auch dort könne Kurzarbeit verordnet werden.

Die Autobranche ist durch den Konjunkturabschwung besonders stark bedroht. Die Kreditkrise und die noch immer recht verwirrenden CO2-Auflagen beim Neuwagenkauf haben die Kunden verschreckt. Die Nachfrage ist in den letzten Monaten zusehends eingebrochen, und die Prognosen für die nächsten Jahre sehen sogar noch düsterer aus. Experten sehen jeden zehnten Job in der Branche bedroht. Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer fürchtet insgesamt um 50.000 Stellen.

Die Autoverkäufe sind in Deutschland im Oktober offenbar erneut stark eingebrochen. Die Neuzulassungen lägen rund 9 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres, berichtet Dow Jones Newswires unter Berufung auf unterrichtete Kreise. Bereits im September und August waren arbeitstagebereinigt mehr als zehn Prozent weniger Neuwagen verkauft worden als im Vorjahreszeitraum. Am Dienstag will der Verband der Automobilindustrie (VDA) die Zahl der Neuzulassungen veröffentlichen.

Bereits für dieses Jahr haben mehrere Autobauer angekündigt, ihre Fließbänder über Weihnachten länger als geplant abzustellen. Auch Porsche verlängert aufgrund von Nachfrageeinbrüchen die Weihnachtsferien seiner Belegschaft.

Industrieproduktion in Europa bricht drastisch ein

Generell hat die Industrie in der Euro-Zone im Oktober stark unter dem Konjunktureinbruch gelitten. Die Geschäfte laufen so schlecht wie seit mindestens elf Jahren nicht, die Aufträge brachen kräftig ein. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Markit-Einkaufsmanager-Index hervor. Die Studie findet unter Ökonomen viel Beachtung.

In Deutschland drosselten die Firmen ihre Produktion so stark wie nie zuvor in der zwölfeinhalbjährigen Geschichte der Umfrage. Eine Erholung ist nach Einschätzung von Experten nicht absehbar. Das Barometer für die Euro-Zone fiel um knapp vier auf 41,1 Punkte und markierte damit den tiefsten Stand seit Umfragebeginn im Juni 1997.

Der Markit/BME-Einkaufsmanagerindex für Deutschland lag mit 42,9 Zählern ebenfalls in einem beunruhigenden Bereich. Alles unter der Schwelle von 50 Zählern, ab der ein Wachstum angezeigt wird, gilt als negativ. "Die Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Lage als grottenschlecht", sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. "Bei diesen Umfragewerten ist an eine konjunkturelle Erholung vorläufig nicht zu denken."

Droht Deutschland der Jobkahlschlag?

Experten befürchten nun einen deutlichen Rückgang der Industrieproduktion. Auf das Jahr hochgerechnet sei ein Minus von bis zu sechs Prozent denkbar, sagte der Chefvolkswirt der britischen Marktforscher von Markit, Chris Williamson. Ein solche Talfahrt habe es seit 1993 nicht mehr gegeben.

Konkret bedeutet das: Da die Fertigwarenlager wegen schwacher Umsätze in Rekordtempo steigen, dürfte es in den kommenden Monaten wahrscheinlich zu weiteren Rückgängen bei Produktion und Beschäftigung kommen. Schon im Oktober baute die Industrie unterm Strich so kräftig Personal ab wie seit Anfang 2002 nicht mehr. Auch in Deutschland reduzierten Betriebe ihre Belegschaft erstmals seit gut drei Jahren. Entlassen wurden zunächst vor allem Zeitarbeiter.

Angesicht des rapiden Konjunkturrückgangs will das Bundeskabinett am Mittwoch ein Programm zur Wirtschaftsförderung absegnen. Zuvor lädt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Spitzen von Wirtschaft und Gewerkschaften zum Krisengipfel ins Kanzleramt. Das Konjunkturprogramm umfasst insgesamt 16 Punkte. Laut Wirtschaftsminister Glos soll das Paket bis zu einer Million Arbeitsplätze schaffen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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