Millionenboni Mehdorn und Tiefensee streiten öffentlich

Der Streit um den Börsengang-Bonus hat sich zu einem offenen Machtkampf zwischen Hartmut Mehdorn und Wolfgang Tiefensee gesteigert. Der Bahn-Chef wirft dem Verkehrsminister vor, zu schnell an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Tiefensee sagt daraufhin einen Pressetermin kurzfristig ab.

Berlin - Im Streit um Millionenboni für Manager der Deutschen Bahn hat der Konzernvorstand nun seinerseits heftige Kritik an Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) geübt. Der Minister habe das Thema in den vergangenen Wochen gegenüber dem Vorstand "zu keinem Zeitpunkt" angesprochen, obwohl es einige Gespräche auch unter vier Augen gegeben habe, teilte die Bahn in Berlin mit.

Bahn-Chef Mehdorn griff den Verkehrsminister scharf an und zeigte sich "enttäuscht und verwundert" über dessen Kritik an den vereinbarten Sonderzahlungen. Vergütungsangelegenheiten gehörten nicht in die Öffentlichkeit, erklärte der Vorstand. Tiefensee sagte einen öffentlichen Auftritt am Montagvormittag ab. Stattdessen werde er sich am Mittwoch nach einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses äußern.

Tiefensee hatte Mehdorn und den Vorstand zu einem Verzicht auf die millionenschweren Zahlungen aufgefordert, da sie die Akzeptanz des Börsengang in der Öffentlichkeit torpedierten. In der Bundesregierung hatte Tiefensee am Wochenende allerdings keine Unterstützung erhalten. Zuvor hatte der Minister seinen Staatssekretär Matthias von Randow entlassen, der im Aufsichtsrat im Juni die Zahlungen genehmigt hatte. Er soll Tiefensee darüber erst Mitte September informiert haben.

An dieser Darstellung wurden Zweifel geäußert, die Opposition hat mittlerweile den Rücktritt des Verkehrsministers gefordert, die Union ging auf Distanz. Aufsichtsratschef Werner Müller hatte die Bonusregelung ebenfalls verteidigt. Unterstützung für Tiefensee kam lediglich von SPD-Vize-Fraktionschef Klaas Hübner, der dessen Vorgehen richtig nannte.

Die öffentliche Kritik an Tiefensee ist ungewöhnlich, da das Verkehrsministerium den Alleineigentümer Bund im Aufsichtsrat federführend vertritt. Dieser hat auch über die Führungspositionen in der Bahn und deren Amtszeit zu entscheiden. In der Vergangenheit wurde aber die letztliche Entscheidung über Bahn-Vorstandschefs immer im Kanzleramt gefällt. Auch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte zuletzt Tiefensees Verzichtsappell an den Vorstand nicht mitgetragen.

manager-magazin.de mit Material von afp und reuters

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