Autohersteller Industrie lässt Absatzprognose fahren

Die Automobilwirtschaft rechnet nicht mehr damit, dass sie den Plan von 3,2 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr erfüllen kann. Der Verband VDA fordert schnelle Unterstützung von der Politik. Audi-Chef Rupert Stadler dagegen hält staatliche Hilfsgelder für unnötig.

Frankfurt/Main - Angesichts der Nachfrageflaute steht die Absatzprognose der Autoindustrie von 3,2 Millionen Neuzulassungen auf der Kippe. Die Autoverkäufe seien in Westeuropa bis Ende September um 9 Prozent zurückgegangen, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, der Zeitschrift "Auto Motor und Sport". Der Rückgang auf dem US-Markt sei noch stärker.

Autoproduktion bei VW: Viele Autobauer rechnen mit einem wachsenden Absatzeinbruch und kürzen bereits die Produktion.

Autoproduktion bei VW: Viele Autobauer rechnen mit einem wachsenden Absatzeinbruch und kürzen bereits die Produktion.

Foto: AP

Betroffen seien nicht nur einzelne Hersteller, sondern der Gesamtmarkt. "Deshalb prüfen wir derzeit, inwieweit sich dies auf die Gesamtprognose 2008 niederschlägt", sagte Wissmann. Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Dagegen berichtete die "Welt am Sonntag", der VDA werde am Dienstag eine niedrigere Zahl als die 3,2 Millionen nennen. Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), der die Importeure in Deutschland vertritt, werde künftig von weniger als 3,2 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr ausgehen, schrieb das Blatt und berief sich auf einen VDIK-Sprecher.

Eine Prognose für das kommende Jahr ist laut VDA-Präsident Wissmann derzeit unmöglich: "Die Marktentwicklung für das Jahr 2009 ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer vorherzusagen." Gerade der Inlandsmarkt hänge im Wesentlichen davon ab, "wie sich seitens der Bundesregierung geplante Impulse auswirken und wie schnell verlässliche Rahmenbedingungen für die zukünftigen Mobilitätskosten geschaffen werden", sagte Wissmann.

Droht 2009 ein "Katastrophenjahr"?

So mancher Experte aber auch ausländische Hersteller blicken dagegen bereits mit größter Sorge auf das kommende Jahr. Renault  geht davon aus, dass der europäische Automarkt in 2009 um 8 Prozent sinken wird. Fiat  erwartet, dass der italienische Autobauer im schlimmsten Fall bis zu 20 Prozent weniger Fahrzeuge verkaufen wird.

"Wenn sich das jetzt angedeutete Umfeld bewahrheitet, könnte 2009 zu einem Katastrophenjahr für die Autoindustrie werden", sagte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler unlängst im Gespräch mit manager-magazin.de. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe die Branche allenfalls 'mal einen Rückgang von "knapp 5 Prozent" in einem Jahr verkraften müssen. Einen Rückschlag in diesem Ausmaß könnten die europäischen Autobauer im kommenden Jahr vermutlich noch verdauen. Sollten die Verkäufe aber um 10 Prozent fallen, schließt der Experte nicht aus, dass BMW , Renault  und Peugeot  im kommenden Jahr in die Verlustzone fallen werden.

Und auch beim Autobauer Daimler  werden die Gewinne in 2009 "weiter stark abschmelzen", ist der Experte überzeugt. Pieper hält dabei einen operativen Gewinn von rund drei Milliarden Euro durchaus für realistisch. Das wäre gerade einmal die Hälfte des voraussichtlichen Gewinns in diesem Jahr. Im schlimmsten Fall wie von Fiat prognostiziert - also bei einem Verkaufsrückgang von bis zu 20 Prozent - werde auch der Stuttgarter Premiumhersteller in die Verlustzone rutschen.

Audi-Vorstand gegen Staatssubventionen

"Stellenabbau-Prognosen sind übertrieben"

Die Bundesregierung forderte VDA-Präsident Wissmann auf, so schnell wie möglich die CO2-basierte Kfz-Steuer einzuführen, um die Verunsicherung der Verbraucher zu beenden. Bei der angekündigten Aussetzung der Kfz-Steuer komme es darauf an, dass "die umweltfreundlichen Neufahrzeuge aller Hersteller in jedem Segment von der Neuregelung betroffen sind".

Für völlig übertrieben hält Wissmann Prognosen, wonach in der Autoindustrie bis zu 50.000 Stellen gefährdet sind. "Manche selbsternannte Experten sagen viel, wenn der Tag lang ist. Alle Unternehmen der deutschen Automobilbranche bemühen sich, die enorm gesunkenen Verkaufszahlen zunächst mit besonders sozialverträglichen Maßnahmen wie Abbau von Überstunden oder verlängertem Urlaub abzufedern", sagte er. Die Unternehmen seien auf ihre qualifizierten Fachkräfte angewiesen. "Da stellt kein Unternehmen ohne wirkliche Not aus."

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hatte in der vergangenen Woche der "Bild"-Zeitung gesagt, als Folge der globalen Finanzkrise sehe er bis zu 50.000 der 350.000 Jobs in der deutschen Automobil-Zulieferbranche in Gefahr. Neben Wissmann wies dies auch der Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, zurück. "Ich sage: Vorsicht vor derartigen Prognosen", sagte Straubhaar der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Audi hält an seinen Zielen fest

Audi-Vorstandschef Rupert Stadler hat sich gegen staatliche Hilfsgelder zur Unterstützung der deutschen Autoindustrie ausgesprochen. "Grundsätzlich brauchen wir keine Subventionen, auch keine Kredite, weil wir unsere Investitionen aus eigener Kraft finanzieren können", sagte Stadler der Branchenzeitschrift "Automobilwoche".

Allerdings dürfe man auch keine Wettbewerbsverzerrungen zulassen, die sich durch die staatlichen Finanzhilfen an die US-Autoindustrie ergeben hätten. Stadler forderte deswegen Investitionsanreize und eine Unterstützung für Forschung und die Entwicklung neuer Technologien.

Langfristig hält Audi nach Stadlers Angaben trotz der Finanzkrise an dem Ziel fest, bis 2015 die erfolgreichste Premiummarke zu sein. Aber auch Audi könne sich dem Sog der Krise nicht entziehen. "Ich gehöre nicht zu den Berufspessimisten", sagte Stadler, "aber dass wir uns auf unruhige Zeiten vorbereiten müssen, ist keine Frage".

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.