Donnerstag, 17. Oktober 2019

Vertrauensranking Von Beschwichtigern und Bankstern

Die Finanzkrise zwingt eine Bank nach der anderen in die Knie. Doch kaum eine bekommt dafür so schlechte Presse wie Hypo Real Estate. Kein Unglück, sondern Versagen, urteilt die Öffentlichkeit über das schlechte Risikomanagement. Nur der Abgang der Topmanager brachte laut dem Vertrauensranking CTI positive Reaktionen.

Leipzig - Die Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen befindet sich in der größten Krise ihrer Unternehmensgeschichte. Der Immobilienfinanzierer hat sich nicht nur mit US-Hypotheken verspekuliert, sondern auch noch massive kurzfristige Verbindlichkeiten, die sich in der Finanzkrise nur mit milliardenschwerer Staatshilfe refinanzieren lassen. Bisher mussten Bund und Privatbanken Bürgschaften über 50 Milliarden Euro abgeben, Finanzminister Peer Steinbrück brachte gar die "geordnete Abwicklung" des Instituts ins Spiel.

Der Beinahebankrott der HRE ist – wie fast alles in Zeiten der Finanzkrise – auch ein Bankrott des Vertrauens in das Unternehmen und seine Manager, allen voran das in den inzwischen zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Georg Funke. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Corporate Trust Index (CTI), mit dem die Medienanalysten von PMG Presse-Monitor gemeinsam mit der Universität Leipzig die Berichterstattung zu den Vertrauensfaktoren der Dax-Konzerne in 13 deutschen Meinungsführermedien untersuchen (siehe Methode).

Vorsprung auf Zeit: Die Automanager Norbert Reithofer (BMW) und Dieter Zetsche (Daimler) stehen an der Spitze im Vertrauensranking CTI. Als die Daten erhoben wurden, war von einem Produktionsstopp in der Autoindustrie noch keine Rede. Der neue Hypo-Real-Estate-Chef Axel Wieandt tritt ein schweres Erbe an. Immer noch tief im Keller hält sich die Deutsche Telekom, obwohl die Finanzkrise die Spitzelaffäre aus den Schlagzeilen verdrängte.
[M] DPA; DDP; mm.de
Vorsprung auf Zeit: Die Automanager Norbert Reithofer (BMW) und Dieter Zetsche (Daimler) stehen an der Spitze im Vertrauensranking CTI. Als die Daten erhoben wurden, war von einem Produktionsstopp in der Autoindustrie noch keine Rede. Der neue Hypo-Real-Estate-Chef Axel Wieandt tritt ein schweres Erbe an. Immer noch tief im Keller hält sich die Deutsche Telekom, obwohl die Finanzkrise die Spitzelaffäre aus den Schlagzeilen verdrängte.

Mit Bekanntwerden der drohenden Insolvenz stieg die Berichterstattung zur Hypo Real Estate ab dem 29. September sprunghaft an. Das Volumen der Berichterstattung hat sich im Vergleich zu den Vormonaten verzehnfacht. Und die Tendenz der Berichterstattung in den Medien entwickelte sich, ähnlich wie der Aktienkurs, negativ.

Auch im direkten Vergleich mit den anderen Dax-Unternehmen steht der Konzern mit einem CTI-Wert von minus 158 am Ende des aktuellen Vertrauensrankings. Dieser Wert stellt die Summe der positiv und negativ bewerteten Vertrauensfaktoren in der Berichterstattung über die HRE vom 22. September bis 23. Oktober dar und ist in der Vergangenheit nur von Siemens Börsen-Chart zeigen, Volkswagen Börsen-Chart zeigen und der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen unterschritten worden. Deren Skandale und die damit verbundene Negativberichterstattung über Vertrauensfaktoren bezogen sich jedoch überwiegend auf moralische Verfehlungen von Vorständen und Managern.

Diese für das Vertrauenskapital eines Konzerns wichtige ethische Vertrauensdimension stand bei der aktuellen Kritik an der Hypo Real Estate zunächst weniger im Fokus der Berichterstattung. Vielmehr sind es die fachspezifischen Vertrauensfaktoren Problemlösungs- und Fachkompetenzen, über die negativ berichtet wurde, und die Indikatoren eines massiven Vertrauensverlustes in einen der größten Immobilienfinanzierer Europas sind.

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