Autobranche BMW stoppt Produktion in Leipzig

Im Leipziger Werk des Autobauers BMW stehen seit Montag die Bänder still. BMW unterbricht am sächsischen Standort die Produktion der 3er Limousine und des 1ers wegen des schwächelnden Absatzes für vier Tage. Ähnlich geht es vielen Herstellern - nur einer wächst gegen den Trend.

Leipzig - Im Leipziger BMW-Werk stehen seit Montagmorgen wegen des Einbruchs der Autoabsätze die Bänder still. Bis Donnerstag werde kein Fahrzeug in dem Werk gebaut, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag in Leipzig auf Anfrage. Betroffen seien sowohl die 3er- als auch die 1er-Baureihe. Der Produktionsstopp war bereits vor Wochen angekündigt worden.

Durch den viertägigen Produktionsstopp würden rund 2800 Fahrzeuge weniger gebaut als ursprünglich geplant, sagte der Sprecher weiter. Insgesamt wolle BMW  die Produktion um rund 20.000 bis 25.000 Fahrzeuge drosseln, weshalb auch in anderen Werken die Arbeit stillstehen werde. Die angeordneten arbeitsfreien Tage für die Beschäftigten würden mit deren Arbeitszeitkonten verrechnet.

Spekulationen über eine bevorstehende Übernahme von Volvo wies BMW am Sonntag strikt zurück. "Das stimmt nicht", sagte ein Sprecher. Die britische Zeitung "Sunday Times" hatte berichtet, Ford  wolle Volvo an BMW verkaufen. Über eine Verschmelzung von BMW und Volvo war in den vergangenen Jahren immer wieder spekuliert worden.

BMW hatte im September einen deutlichen Absatzeinbruch verzeichnet. Der Verkauf der Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce war gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,6 Prozent auf 121.621 Fahrzeuge zurückgegangen. Allein bei der Hauptmarke BMW sank der Absatz um 16,4 Prozent auf 98.874 Autos.

Zuvor hatte bereits der Autobauer Opel die Produktion zurückgefahren, beim Opel- Mutterkonzern General Motors (GM)  drohen in diesem und im nächsten Jahr weitere zeitweilige Produktionsstopps. Davon werden fast alle Werke in Europa betroffen sein, wie die Fachzeitschrift "Automotive News Europe" (Montag) berichtete. Chris Preuss, Kommunikationschef bei GM Europe, sagte der Zeitschrift: "Wir werden unsere Kapazitäten weiterhin in Abhängigkeit von der zurückgehenden Nachfrage der Märkte managen. Das bedeutet so viele weitere Produktionspausen wie nötig." Nach seinen Angaben gibt es einen signifikanten Nachfragerückgang in fast allen Teilen Europas. "Bis zum Ende des Jahres müssen wir unsere Produktion absenken, um die Lagerbestände an die Marktnachfrage anzupassen", sagte Preuss.

Nur ein kleiner Sportwagenhersteller hält dem Sturm stand ...

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Ebenso fahren die VW-Töchter Seat und Skoda ihre Produktion zurück. Am Wochenende hatte auch Daimler  wegen Absatzproblemen eine fünfwöchige Zwangspause ab dem 11. Dezember angekündigt. Schon Anfang August hatte Daimler angekündigt, wegen der schwächelnden Autokonjunktur Schichten oder immer wieder einzelne Produktionstage in mehreren deutschen Werken sowie im US-Werk Tuscaloosa zu streichen.

Der angeschlagene US-Autohersteller Chrysler will bis Ende des Jahres rund 5000 Arbeitsplätze streichen. Betroffen seien Angestellte und Leiharbeiter, neben freiwilligen Abfindungsangeboten solle es auch Entlassungen geben, teilte Chrysler am Freitag mit. Von dem Stellenabbau sei etwa jeder vierte Chrysler-Angestellte betroffen, berichteten das "Wall Street Journal" und die "Financial Times". Die "Detroit News" bezifferte die Gesamtzahl der Angestellten und Leiharbeiter bei Chrysler auf 17.300. Laut Medienberichten geht es bei dem Abbau fast ausschließlich um Jobs in den USA.

Trotz Finanzkrise und Absatzsorgen in der Autobranche macht der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche  keine Abstriche bei der Erweiterung seines Werkes in Leipzig. "Wir liegen exakt im Plan", sagte der Personalvorstand der Porsche AG, Thomas Edig, am Montag bei der Eröffnung einer neuen Lehrwerkstatt. Derzeit liefen die Produktionsvorbereitungen für den neuen Panamera. Das Modell soll im Frühjahr 2009 in Leipzig in Serie gehen. Bisher wird hier der sportliche Geländewagen Cayenne montiert. Porsche investiert in die Werkserweiterung rund 150 Millionen Euro.

100 Mitarbeiter wurden bisher neu eingestellt, damit stieg die Gesamtzahl auf 500. Längerfristig sollen bis zu 1000 Beschäftigte im Leipziger Werk arbeiten. "Der Panamera muss sich gut entwickeln", sagte Edig. Im November startet die Vorserie. Im Frühjahr 2009 geht der viersitzige Gran Turismo Panamera in Leipzig in Serie. Geplant sind 20.000 Fahrzeuge im Jahr.

"Der Cayenne läuft sehr gut. Wir sind global sehr zufrieden", sagte Edig. Leichte Rückgänge auf dem US-Markt seien auf den russischen und chinesischen Märkten ausgeglichen worden. Seit Produktionsbeginn im August 2002 wurden in Leipzig 200 000 Cayenne montiert. Im Geschäftsjahr 2007/2008 (31. Juli) stieg der Cayenne-Absatz nach vorläufigen Angaben um 34 Prozent auf den bisherigen Rekord von 45.478 Autos.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und dpa-afx

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