Beherrschungsvertrag Porsche will Volkswagen kontrollieren

Der Sportwagenhersteller Porsche hat seinen Anteil am größeren Volkswagen-Konzern aufgestockt. Im kommenden Jahr soll nun ein Beherrschungsvertrag mit Europas größten Autounternehmen geschlossen werden. Porsche hat mit seiner Information auf eine ungewöhnliche Situation auf dem Wertpapiermarkt reagiert.

Stuttgart - Die Porsche Holding  hat Ende vergangener Woche 42,6 Prozent der Volkswagen-Stammaktien  besessen, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. Zudem verfüge Porsche über 31,5 Prozent cash gesettelte Optionen auf Volkswagen-Stammaktien zur Kurssicherung. In der Summe ergebe dies 74,1 Prozent, hieß es weiter.

Ziel sei es, im kommenden Jahr auf 75 Prozent aufzustocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag freizumachen. Es bleibe dabei, dass Porsche noch im November oder Dezember die 50-Prozent-Hürde bei Volkswagen nehmen wolle.

Porsche habe sich zur Offenlegung entschlossen, weil deutlich mehr Short-Positionen im Markt seien als erwartet. Die Information der Besitzverhältnisse solle Finanzinstituten, die auf einen fallenden VW-Kurs gewettet haben oder noch wetten, Gelegenheit geben, ihre Positionen in Ruhe und ohne größeres Risiko aufzulösen.

Porsche- Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche attackierte in dem Streit um das Volkswagen-Gesetz erstmals öffentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schreibt, kritisierte er in einer Rede vor Porsche-Mitarbeitern, Merkels Auftritt auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg habe "nicht zur Versachlichung der Diskussion" beigetragen.

Die Kanzlerin hatte sich dort vor einem Monat erneut für das Volkswagen-Gesetz und die umstrittene 20-Prozent-Sperrminorität stark gemacht. Die europäischen Wettbewerbshüter stoßen sich an der Regelung, wonach Niedersachsen auch im neuen Volkswagen-Gesetz mit gut 20 Prozent Volkswagen-Stimmrechtsanteil sein Vetorecht in der Hauptversammlung behält. Im Aktienrecht üblich sind 25 Prozent. Volkswagen-Großaktionär Porsche dringt darauf, das Schutzgesetz abzuschaffen und die Sperrminorität auf 25 Prozent zu erhöhen.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "DER SPIEGEL" will Europas Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy dem deutschen Bundeskanzleramt schon kurzfristig einen Bescheid zustellen, wonach das Volkswagen-Gesetz auch in seiner neuen Fassung gegen europäisches Recht verstößt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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