Rettungspaket Steinbrück beschwört Banker

Deutschlands Geschäftsbanken glauben weiterhin, ohne die Milliarden des Bundes auszukommen. Bisher wollen vor allem die Landesbanker das Rettungspaket nutzen. Jetzt hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die übrigen Bankmanager aufgefordert, die Staatshilfe endlich anzunehmen. Doch die Kritik an der Staatsintervention nimmt zu.

Berlin - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die Bankmanager davor gewarnt, aus falschem Prestige-Denken die staatlichen Hilfen nicht in Anspruch zu nehmen. "Ich hielte es für unverantwortlich, wenn ein Bankvorstand den Schutzschirm des Staates nicht in Anspruch nehmen und so vorsätzlich einen Zusammenbruch seines Instituts in Kauf nehmen würde", sagte Steinbrück der "Bild am Sonntag".

Auch die Angst vor möglichen Gehaltskürzungen dürfe kein Grund sein: "Das würde bedeuten, dass ein Banker sein Institut lieber untergehen ließe als dass er für die Laufzeit des Schirmes bis Ende 2009 für 'nur' noch 500.000 Euro pro Jahr arbeitet. Das sollte er dann mal der Öffentlichkeit erklären", sagte der Minister.

So ein Fall sei für ihn "absolut unvorstellbar", sagte Steinbrück dem Blatt. "Dann würde ich langsam verzweifeln an der Verantwortungsbereitschaft dieser Berufsklasse." Der Minister warnte jedoch vor Pauschalkritik. "Ich halte überhaupt nichts von Kollektivschelte. Unser Land hat allgemeines Interesse an einem funktionierenden Banksektor - vom Sparer über Firmen bis hin zu den Kommunen brauchen alle ein gutes Banksystem", sagte Steinbrück. Der staatliche Rettungsschirm rette vor allem auch Arbeitsplätze im Mittelstand, die ohne funktionierende Banken gefährdet wären.

Angesichts der schwachen Beteiligung am deutschen Bankenrettungsfonds und weiter abstürzender Börsenkurse wächst der Druck auf die Regierung, das Paket zu überdenken. "Der Staat muss den Banken sagen: Entweder besorgt ihr euch frisches Kapital am Markt, oder wir steigen bei euch ein", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, dem "Tagesspiegel".

manager-magazin.de mit Material von afp und ddp