CSU-Parteitag Seehofer gewählt, Stoiber ausgepfiffen

Die CSU hat einen neuen Chef: Der bisherige Bundesagrarminister Horst Seehofer ist auf dem CSU-Sonderparteitag zum neuen Vorsitzenden der Partei gewählt worden. Seehofer durfte sich über kräftigen Applaus freuen. Bayerns Ex-Regierungschef Edmund Stoiber war dagegen zuvor mit Pfiffen und Buhrufen empfangen worden.

München - Die CSU hat Weichen für die Zukunft getellt: Horst Seehofer ist neuer Vorsitzender der CSU. Der 59-jährige Ingolstädter erhielt am Samstag auf dem Parteitag der Christsozialen in München 90,34 Prozent der Stimmen. Seehofer folgt damit auf Erwin Huber, der wegen des Wahldebakels der CSU bei der Landtagswahl am 28. September nach nur 13-monatiger Amtszeit zurückgetreten war.

Zugestimmt hatten die 1000 Delegierten zuvor bereits dem Koalitionsvertrag mit der FDP. Die CSU ist seit der verlorenen Lanstagswahl vor vier Wochen auf einen Regierungspartner angewiesen - erstmals seit 46 Jahren. Dennoch applaudierten sie dem scheidenden bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein mehrere Minuten lang. Buhrufe und Pfiffe erntete dagegen Ex-Regierungschef Edmund Stoiber. Er stand bei der Begrüßung durch die scheidende CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer auf, setzte sich nach dem kühlen Empfang aber schnell wieder hin.

Zwar gab es auch einzelnen Applaus aus den Reihen der rund tausend Delegierten, doch die Ablehnung des langjährigen Parteichefs und bayerischen Ministerpräsidenten überwog. Viele CSU-Mitglieder machen die Politik Stoibers für den Absturz bei der Landtagswahl auf 43,4 Prozent mitverantwortlich.

Der scheidende CSU-Chef Erwin Huber und sein designierter Nachfolger Seehofer kündigten eine klare Abgrenzung und eine selbstbewusste Linie gegenüber der Schwesterpartei CDU an. Huber sagte, trotz des Wahldebakels werde die CSU in der Unionsfraktion nicht bescheidener auftreten. "Diesen Gefallen werden wir der CDU nicht tun."

Seehofer kündigte gegenüber der großen Schwester CDU ebenfalls einen "klaren und harten Kurs" an: "Mein Arbeitsplatz ist künftig München, aber meine Kampfkraft wird sich auch auf Berlin erstrecken", sagte der bisherige Bundesagrarminister am Samstag beim Sonderparteitag in München. Seehofer sieht sich selbst vor seinem "schwierigsten politischen Jahr". Im Frühsommer 2009 findet die Europawahl statt, im Herbst die Bundestagswahl.

manager-magazin.de mit Material von afp, ddp, dpa und reuters