Finanzkrise Hilfspaket für Island

Der Internationale Währungsfonds will Island helfen - vor allem mit einem Milliardenkredit. Doch auch die Gespräche mit Moskau will das Inselreich weiter führen. Island hatte Moskau um ein Darlehen gebeten.

Reykjavik - In einem beispiellosen Schritt will das wegen der Finanzkrise vor dem Staatsbankrott stehende Island den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Milliardenhilfen bitten. Das Kabinett habe beschlossen, bei dem Fonds zwei Milliarden Dollar zu beantragen und umgehend formelle Verhandlungen darüber aufzunehmen, sagte Ministerpräsident Geir Haarde am Freitag bei einer Pressekonferenz, die im Fernsehen übertragen wurde.

Der Fonds habe keine Bedingungen gestellt, die nicht von Island akzeptiert werden könnten. Die Prüfung des Antrags werde voraussichtlich etwa zehn Tage dauern. Island erwartet demnach eine erste Tranche von 800 Millionen Dollar unmittelbar nach Abschluss der Prüfung. Den Worten des Ministerpräsidenten zufolge geht die Insel davon aus, dass neben dem IWF nun auch weitere Länder Hilfen zur Verfügung stellen werden. Es sei wahrscheinlich, dass dies geschehe, wenn der Fonds die Federführung übernehme.

So wolle die Regierung ihre Gespräche mit Russland fortsetzen. Island müsse die Regierung in Moskau nun aber nicht mehr um denselben Umfang an Darlehen bitten wie bisher. Bislang war von vier Milliarden Dollar die Rede. In Kreisen hatte es zuvor geheißen, Island brauche insgesamt sechs Milliarden Dollar und wolle auch nordische Staaten um Hilfe bitten. Die 300.000 Einwohner zählende Insel wurde wie kein anderes europäisches Land in den Finanzstrudel gerissen.

Isländische Banken haben massiv in Übersee expandiert und die lange Jahre starke Landeswährung für internationale Devisengeschäfte genutzt. Nach Schätzungen des IWF könnte die isländische Wirtschaft im kommenden Jahr um bis zu zehn Prozent schrumpfen. Oberste Priorität für die Regierung sei es, die Landeswährung zu stabilisieren, sagte Paul Thomsen, Chef der IWF-Delegation in Island. Die Insel müsse sich für die nächste Zeit auf eine relativ knappe Geldpolitik einstellen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.