Krisenticker Großbritannien steuert auf Rezession zu

Rezessionsangst zieht den Dow ins Minus. Die Opel-Mutter GM will die Fertigung in Europa offenbar noch länger stoppen als geplant. Die Bonitätsnoten der Banken könnten trotz der Rettungspakete sinken. Und für die so genannten Heuschrecken sieht die Zukunft nicht rosig aus. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.58 Uhr: Die Bank von England sieht auf die britische Wirtschaft die erste Rezession seit 16 Jahrenzukommen. Die Bankenkrise habe die Inflationsgefahr erhöht, sagte Notenbank-Chef Mervyn King am Dienstag bei einer Veranstaltung in Leeds. Zudem werde sie sich negativ auf das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklimaauswirken. Das in der vergangenen Woche rekapitalisierte Bankensystem und ein niedriger Ölpreis könnten dem aber entgegenwirken. Der Weg zurück zur Marktstabilität sei aber noch weit, sagte King weiter. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Bank von England im November - nach der konzertierten Aktion weltweiter Zentralbanken - erneut den Leitzins senken werde.

22.04 Uhr: Sorgen über ein Durchschlagen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft und anhaltende Rezessionsängste haben die US-Börsen am Dienstag zum Handelsschluss kräftig ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 2,5 Prozent auf 9033 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 3,1 Prozent auf 954 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 4,1 Prozent auf 1696 Zähler.

21.56 Uhr: Der Dow-Jones-Index ist kurz vor Handelsschluss wieder recht tief in den roten Bereich gerutscht und liegt aktuell bei 9056 Punkten. Das ist ein Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vortag.

20.46 Uhr: Der Kurs des Euro ist am Dienstagabend im Handelsverlauf unter 1,31 US-Dollar gesunken. Zeitweise fiel die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,3077 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2007. Zuletzt wurde der Euro bei 1,3122 Dollar gehandelt. "Die erneuten Kursverluste an den Aktienmärkten haben den Euro belastet", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. Der Dollar profitiere zudem von der Entscheidung der USA, ein Konjunkturpaket aufzulegen.

19.57 Uhr: Die Kreditkrise belastet weiterhin auch die Ergebnisse der großen US-Regionalbanken. Bei U.S. Bancorp, Regions Financial und M&T Bank gingen die Gewinne im dritten Quartal deutlich zurück. National City schrieb ihren fünften Quartalsverlust in Folge. Fifth Third Bancorp und KeyCorp verbuchten ebenfalls das zweite Mal rote Zahlen. National City will deshalb in den kommenden drei Jahren 4000 Stellen streichen. Alle Regionalbanken erhöhten ihre Rückstellungen für Kreditverluste deutlich. Ihre großen Rivalen wie Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase und Wells Fargo hatten bereits in der vergangenen Woche ihre von der Finanzkrise belasteten Zahlen vorgelegt.

19.09 Uhr: Die Krise bei Opel verschärft sich in den kommenden Wochen offenbar weiter. Die amerikanische Muttergesellschaft General Motors (GM) erwäge, in den letzten beiden Novemberwochen in allen europäischen Werken die Fertigung ruhen zu lassen, sagte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Eine weitere Zwangspause solle es dann vom 15. Dezember bis ins Jahr 2009 geben.

18 Uhr: Der Ölpreis gerät erneut kräftig unter Druck. Ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um bis zu 5,7 Prozent auf 70 Dollar. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 68,24 Dollar ebenfalls mehr als fünf Prozent weniger als am Vorabend. Händler machten dafür die wachsende Angst vor einem Nachfrageeinbruch angesichts einer weltweiten Konjunkturabschwächung verantwortlich. Seit Mitte Juli hat sich der Ölpreis damit halbiert.

17.18 Uhr: Die Rettungspakete für die Finanzbranche in Europa haben nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Bonitätsnoten der Banken. Herabstufungen seien weiter möglich, warnte S&P-Kreditanalyst Nick Hill am Dienstag. Dies könne etwa passieren, wenn sich die Ergebnisse oder die Qualität der Wertpapiere in den Büchern nochmals verschlechtern.

Insgesamt begrüßen die Bonitätswächter die Stützungsmaßnahmen der Regierungen in Europa, die unter anderem Garantien und direkte Kapitalhilfen für die Banken vorsehen. "Die Kombination dieser Maßnahmen sollte zu einer schrittweisen Verbesserung der Refinanzierungsbedingungen führen", erklärte S&P. Das Vertrauen an den Märkten werde aber wohl nur nach und nach zurückkehren.

Heuschrecken vor Durststrecke

16.33 Uhr: Bundesbank-Präsident Axel Weber wird als beratendes Mitglied im Lenkungsausschuss über die Vergabe staatlicher Hilfen aus dem Rettungspaket mitentscheiden. Vertreten wird er in dieser Funktion von Bundesbank-Vorstand Hans Reckers, wie die Notenbank am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

15.30 Uhr: Der amerikanische Dow Jones  öffnet im Minus. Zum Beispiel, weil Unternehmen wie DuPont ihre Gewinnerwartungen für 2008 gesenkt haben. Dennoch scheint die Nervosität der Anleger im Vergleich zu den vergangenen zwei Wochen abgenommen zu haben.

15.00 Uhr: Die EU-Kommission hat am Dienstag das neun Milliarden Euro schwere Sanierungspaket für die angeschlagene Mittelstandsbank IKB genehmigt. Die Liquiditätsspritzen der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie der mit Unterstützung privater Banken aufgespannte Risikoschirm seien mit dem EU-Beihilferecht vereinbar, entschied die EU-Kommission in Straßburg. Die Rentabilität der IKB könne durch den von den deutschen Behörden vorgelegten Umstrukturierungsplan langfristig wiederhergestellt werden, erklärte die Kommission.

14.30 Uhr: Der Dax  baut seine Verluste aus und notiert rund 1,5 Prozent im Minus.

14.02 Uhr: Die von der Kreditkrise gebeutelten Finanzinvestoren müssen sich nach Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs noch auf eine lange Durststrecke einstellen. "Frühestens 2010 oder gar erst 2011 wird es erste Anzeichen einer Belebung geben", sagte Martin Hintze, der bei Goldman das Beteiligungsgeschäft im deutschsprachigen Raum verantwortet, der Nachrichtenagentur Reuters.

13.50 Uhr: Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat zur Stützung der europäischen Wirtschaft eine Teilverstaatlichung strategisch wichtiger Industrien vorgeschlagen. " Wir sollten über eigene Staatsfonds nachdenken, um strategische Unternehmensanteile, die abgewertet sind, aufzukaufen", sagte Sarkozy am Dienstag vor dem EU-Parlament.

13.41 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) dreht leicht ins Minus.

12.27 Uhr: Die Finanzmarktkrise hat bei der Hotellerie in Deutschland schon erste Spuren hinterlassen. Der Vorsitzende der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland, Alexander Aisenbrey, sagte am Dienstag in Stuttgart, bei vielen Stadt- und Kongresshotels seien inzwischen 10 bis 15 Prozent fest gebuchter Veranstaltungen "mit klarem Hinweis auf die Finanzkrise" storniert worden.

11.50 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) notiert gegen Mittag weiterhin mit rund einem Prozent im Plus bei 4880 Punkten.

11.25 Uhr: Japans Stahlkonzerne erwägen eine Kürzung ihrer Stahlproduktion. "Die Auftragsentwicklung im August zeigt, dass die Finanzkrise die Nachfrage in Japan belastet. Für die Stahlunternehmen sind daher Produktionskürzungen unvermeidlich", sagte der Chef des japanischen Stahlverbands, Shoji Muneoka, am Dienstag in Tokio. Muneoka, der auch Chef von Nippon Steel  ist, leitet damit eine Wende ein.

Hannover Rück kippt Gewinnziel

11.00 Uhr: Der Euro hat am Dienstagvormittag im europäischen Geschäft deutlich verloren und einen neuen Tiefstand seit 19 Monaten erreicht. Gegen 10.35 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,3214 Dollar.

10.09 Uhr: Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück (Kurswerte anzeigen) hat wegen der Finanzkrise sein Gewinnziel für das laufende Jahr gekippt. Die Eigenkapitalrendite von mehr als 15 Prozent sei nicht mehr erreichbar, teilte das im MDax  notierte Unternehmen überraschend am Dienstag in Hannover mit. In den ersten neun Monaten stehe unter dem Strich ein Verlust von 140 Millionen Euro. Als Ursachen führte das Unternehmen eine unerwartet hohe Großschadenbelastung und ein infolge von Abschreibungen stark gesunkenes Kapitalanlageergebnis an.

09.40 Uhr: Die Dresdner Bank verfügt auch zum 30. September über eine "wettbewerbsfähige Kernkapitalquote". Das sagte ein Sprecher der Bank der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Mit Blick auf das festgezurrte Rettungspaket der Regierung sagte er: "Unabhängig davon schauen wir uns das Gesetz an."

09.35 Uhr: Weitere Problemfälle im Finanzsystem sind nach Einschätzung des EZB-Direktoriumsmitglieds Jürgen Stark nicht auszuschließen. Die Lage an den Märkten sei nach wie vor äußerst unsicher, sagte Stark am Dienstag dem Radiosender "Deutschlandfunk".

Zugleich hätten aber die Hilfsprogramme der nationalen Regierungen dazu beigetragen, dass mit neuen "Überraschungen" besser umgegangen werden könne. Zudem habe sich die Lage auf den Geldmärkten zuletzt etwas entspannt. Von einem Durchbruch wollte Stark aber noch nicht sprechen.

09.14 Uhr: Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist weiter gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) aus den Fördergebieten des Kartells habe am Montag 64,63 US-Dollar gekostet, teilte die Opec am Dienstag in Wien mit. Das waren 1,71 Dollar mehr als am Freitag.

BNP Paribas nimmt Staatshilfe an

09.00 Uhr: Der Dax (Kurswerte anzeigen) startet mit einem Plus von rund einem Prozent in den Handel.

08.43 Uhr: Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag von der positiven Vorgabe der Wall Street profitiert und klar im Plus geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zu Handelsschluss ein Plus von 300,66 Punkten oder 3,34 Prozent auf 9306,25 Punkte.

08.08 Uhr: Die französische Großbank BNP Paribas wird 2,55 Milliarden Euro aus dem Rettungsfonds der französischen Regierung in Anspruch nehmen. Das teilte die Bank am Dienstag in Paris mit. Am Vorabend hatte die Regierung erklärt, sie werde den französischen Finanzhäusern mit bis zu 10,5 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Neben BNP sollen auch Credit Agricole und Societe Generale sowie die Sparkassen ihr Eigenkapital stärken.

07.29 Uhr: In Asien geht es am Dienstag kräftig nach oben: In Tokio notierte der Nikkei-Index kurz vor Handelsschluss 2,3 Prozent höher.

07.05 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat die Investmentbanker aufgefordert, dem Beispiel von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu folgen und auf ihre Bonuszahlungen zu verzichten. "Ein Zeichen der Reue und Umkehr würde vielleicht etwas von dem verloren gegangenen Vertrauen in die Banken und ihre Manager wieder zurückbringen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Es wäre doch ein gutes Signal, wenn viele andere Investmentbanker sich Herrn Ackermann anschließen und ihre Boni für einen wohltätigen Zweck spenden würden. Solche Gesten wären ein Anfang bei der Bewältigung des zerbrochenen Vertrauens."

05.00 Uhr: Die Finanzkrise zwingt den Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co.  zu einem Schwenk in der Strategie. Der Konzern werde vorerst auf weitere Zukäufe verzichten, weil sich Finanzierungskonditionen nachhaltig verschärften, sagt Klöckner-Chef Thomas Ludwig dem "Handelsblatt". Priorität habe nun die Entschuldung. "Die Zeit des billigen Geldes ist vorbei", sagte Ludwig. "Die Banken müssen wieder mehr Kredite auf die eigene Bilanz nehmen und dies wird die Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen einschränken."

Dienstag, 04.55 Uhr: Der US-Kreditkartenkonzern American Express (Kurswerte anzeigen) hat im dritten Quartal wegen der Finanzkrise erneut einen Gewinneinbruch erlitten. Der Überschuss fiel um fast ein Viertel auf 815 Millionen Dollar. American Express (Amex) habe seine Vorsorge für faule Kredite stark aufstocken müssen, sagte Konzernchef Kenneth Chenault am Montag nach US-Börsenschluss in New York. Enorme Kreditkartenschulden gelten in den USA als das nächste große Risiko für die Finanzmärkte nach den Hausdarlehen als dem Auslöser der weltweiten Kreditkrise.

Die DZ Bank senkt angesichts der jüngsten Zuspitzung der Finanzkrise ihre Geschäftsziele für das laufende Jahr deutlich. "Die Folgen der Insolvenz von Lehman Brothers haben uns wie auch die gesamte Branche getroffen, genauso die Vorgänge in Island", sagte Vorstandschef Wolfgang Kirsch dem "Handelsblatt".

Krisenticker: Dow Jones gewinnt 413 Punkte

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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