Sonntag, 15. Dezember 2019

Krisenticker Großbritannien steuert auf Rezession zu

Rezessionsangst zieht den Dow ins Minus. Die Opel-Mutter GM will die Fertigung in Europa offenbar noch länger stoppen als geplant. Die Bonitätsnoten der Banken könnten trotz der Rettungspakete sinken. Und für die so genannten Heuschrecken sieht die Zukunft nicht rosig aus. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

Risse im System: Der Aufschwung in Großbritannien dürfte in eine Rezession münden, erwartet die Bank of England
22.58 Uhr: Die Bank von England sieht auf die britische Wirtschaft die erste Rezession seit 16 Jahrenzukommen. Die Bankenkrise habe die Inflationsgefahr erhöht, sagte Notenbank-Chef Mervyn King am Dienstag bei einer Veranstaltung in Leeds. Zudem werde sie sich negativ auf das Verbrauchervertrauen und das Geschäftsklimaauswirken. Das in der vergangenen Woche rekapitalisierte Bankensystem und ein niedriger Ölpreis könnten dem aber entgegenwirken. Der Weg zurück zur Marktstabilität sei aber noch weit, sagte King weiter. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Bank von England im November - nach der konzertierten Aktion weltweiter Zentralbanken - erneut den Leitzins senken werde.

22.04 Uhr: Sorgen über ein Durchschlagen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft und anhaltende Rezessionsängste haben die US-Börsen am Dienstag zum Handelsschluss kräftig ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 2,5 Prozent auf 9033 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 3,1 Prozent auf 954 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 4,1 Prozent auf 1696 Zähler.

21.56 Uhr: Der Dow-Jones-Index ist kurz vor Handelsschluss wieder recht tief in den roten Bereich gerutscht und liegt aktuell bei 9056 Punkten. Das ist ein Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vortag.

20.46 Uhr: Der Kurs des Euro ist am Dienstagabend im Handelsverlauf unter 1,31 US-Dollar gesunken. Zeitweise fiel die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,3077 Dollar auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2007. Zuletzt wurde der Euro bei 1,3122 Dollar gehandelt. "Die erneuten Kursverluste an den Aktienmärkten haben den Euro belastet", sagte Stephan Rieke, Devisenexperte bei der BHF-Bank. Der Dollar profitiere zudem von der Entscheidung der USA, ein Konjunkturpaket aufzulegen.

19.57 Uhr: Die Kreditkrise belastet weiterhin auch die Ergebnisse der großen US-Regionalbanken. Bei U.S. Bancorp, Regions Financial und M&T Bank gingen die Gewinne im dritten Quartal deutlich zurück. National City schrieb ihren fünften Quartalsverlust in Folge. Fifth Third Bancorp und KeyCorp verbuchten ebenfalls das zweite Mal rote Zahlen. National City will deshalb in den kommenden drei Jahren 4000 Stellen streichen. Alle Regionalbanken erhöhten ihre Rückstellungen für Kreditverluste deutlich. Ihre großen Rivalen wie Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase und Wells Fargo hatten bereits in der vergangenen Woche ihre von der Finanzkrise belasteten Zahlen vorgelegt.

Kaum gefragt: Autohersteller wie Opel stellen die Fertigung vorübergehend ein
19.09 Uhr: Die Krise bei Opel verschärft sich in den kommenden Wochen offenbar weiter. Die amerikanische Muttergesellschaft General Motors (GM) erwäge, in den letzten beiden Novemberwochen in allen europäischen Werken die Fertigung ruhen zu lassen, sagte der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Eine weitere Zwangspause solle es dann vom 15. Dezember bis ins Jahr 2009 geben.

18 Uhr: Der Ölpreis gerät erneut kräftig unter Druck. Ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um bis zu 5,7 Prozent auf 70 Dollar. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 68,24 Dollar ebenfalls mehr als fünf Prozent weniger als am Vorabend. Händler machten dafür die wachsende Angst vor einem Nachfrageeinbruch angesichts einer weltweiten Konjunkturabschwächung verantwortlich. Seit Mitte Juli hat sich der Ölpreis damit halbiert.

Zukunft weiter unsicher: Die Banken können nicht auf bessere Bonitätsnoten der Ratingagenturen zählen
17.18 Uhr: Die Rettungspakete für die Finanzbranche in Europa haben nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Bonitätsnoten der Banken. Herabstufungen seien weiter möglich, warnte S&P-Kreditanalyst Nick Hill am Dienstag. Dies könne etwa passieren, wenn sich die Ergebnisse oder die Qualität der Wertpapiere in den Büchern nochmals verschlechtern.

Insgesamt begrüßen die Bonitätswächter die Stützungsmaßnahmen der Regierungen in Europa, die unter anderem Garantien und direkte Kapitalhilfen für die Banken vorsehen. "Die Kombination dieser Maßnahmen sollte zu einer schrittweisen Verbesserung der Refinanzierungsbedingungen führen", erklärte S&P. Das Vertrauen an den Märkten werde aber wohl nur nach und nach zurückkehren.

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