Autoindustrie "Größte Krise seit 1973"

Daimler erwägt die Produktion zu drosseln, General Motors trennt sich endgültig von der Spritschluckermarke Hummer und hat ein Drittel mehr Autos auf Halde als sonst. Experten sehen die Autoindustrie in der größten Schwächephase seit der Ölkrise 1973. Erst nach 2010 dürfte aus wieder aufwärts gehen, erwartet VW.

Hamburg - Die Autoindustrie stellt sich angesichts der Absatzkrise in wichtigen Märkten und den Turbulenzen in der Finanzbranche auf schwierige Zeiten ein. Aus Sicht von VW wird die Flaute bis ins Jahr 2010 anhalten. Der Stuttgarter Autobauer Daimler  schloss eine weitere Drosselung der Produktion nicht aus. Der schwer angeschlagene US-Autoriese General Motors (GM)  kämpft mit einem Absatzeinbruch auch in Europa, plant derzeit aber keine Werksschließungen in Deutschland.

Der Autoindustrie machen derzeit Absatzrückgänge vor allem in den USA und Westeuropa zu schaffen. Zudem hat sich das Wachstum in Boom-Märkten wie China verlangsamt. Verschiedene Autobauer hatten bereits ihre Absatzprognosen gesenkt und ihre Produktion zurückgefahren. Die US-Autobauer GM, Chrysler und Ford  kämpfen ums Überleben.

Die Opel-Mutter GM, die Milliardenverluste schreibt und dringend frisches Geld benötigt, stellte ihre Geländewagenmarke Hummer offiziell zum Verkauf. An Interessenten seien entsprechende Unterlagen versandt worden, bestätigte eine Hummer-Sprecherin dem "Wall Street Journal". Der Konzern verhandelt laut Berichten zudem mit dem Konkurrenten Chrysler über einen Zusammenschluss.

GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte der Branchenzeitung "Automobilwoche", der Autobauer habe derzeit bis zu 30 Prozent mehr Autos auf Halde als sonst. Um die Überkapazitäten abzubauen, kündigte Forster weitere kurzfristige Produktionskorrekturen an.

Die Beschäftigten der deutschen GM-Tochter Opel müssen sich aber nach Worten von GM-Vize Fritz Henderson keine Sorgen über mögliche Werksschließungen machen. Henderson sagte dem Magazin "auto motor und sport", gerade die deutschen Werke seien zwar teuer, aber ausgesprochen effizient und lieferten hohe Qualität. GM habe keine anderen Pläne, als diese Werke noch produktiver zu machen. Gleichwohl sei dies keine Garantie für alle Zeiten.

Experte: Zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet

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Mercedes-Benz-Vertriebschef Klaus Maier sagte "auto motor und sport", die aktuellen Sprünge der Märkte müssten mit einer flexiblen Produktion kompensiert werden. "Unser Ziel ist es, die Bestände auf möglichst niedrigem Niveau zu halten."

Wegen der schwächelnden Autokonjunktur hatte der Konzern bereits Anfang August angekündigt, in mehreren deutschen Werken sowie im US-Werk Tuscaloosa Schichten oder immer wieder einzelne Produktionstage zu streichen.

Der Konzernvertriebschef von Volkswagen , Detlef Wittig, sagte "auto motor und sport", der Zeitraum bis ins Jahr 2010 werde "herausfordernd" sein. VW rechne aber weiterhin damit, dass der Absatz im laufenden Jahr über dem Vorjahr liegen werde, wenn auch nur in einem moderaten einstelligen Prozentbereich.

2009 wolle der VW-Konzern den Absatz des Jahres 2008 halten. Wittig sagte zudem, VW plane keine großen Produktionskürzungen. "Wir profitieren glücklicherweise noch von langen Lieferzeiten und werden diese nun verkürzen können."

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte dem Bremer "Weser-Kurier", die Krise werde ihre Spuren bei den Arbeitsplätzen in der deutschen Autoindustrie hinterlassen. "Bei Herstellern und Zulieferern werden viele ihren Arbeitsplatz verlieren." Die Autokrise werde vom Kleinwagenhersteller bis zu Porsche oder Ferrari alle erfassen, denn "wir geraten in die größte Krise seit der ersten Ölkrise 1973".

manager-magazin.de mit Material von dpa

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