Bankenhilfe Ackermann blockt ab, Blessing überlegt

Ein 500-Milliarden-Hilfspaket steht bereit, doch die Banken zieren sich zuzugreifen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann weist die Unterstützung mit deutlichen Worten zurück und erkennt auch keinen Grund sich für die Bankenkrise zu entschuldigen. Martin Blessing von der Commerzbank übt sich dagegen in Demut.

Hamburg - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat in deutlichen Worten unterstrichen, dass die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Staatshilfe für sein Institut nicht in Frage komme. "Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden", sagte der Manager laut einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL vor Führungskräften seines Instituts.

Laut Ackermann besteht die Gefahr, dass die Banken in vielen Ländern der Welt nun zu Institutionen würden, die auch nationale oder staatliche Interessen vertreten. Als Beispiel verwies er auf die Niederlande, wo der Staat seinen Worten zufolge verhindert habe, dass Teile von ABN Amro an die Deutsche Bank  verkauft wurden– obwohl die Verträge mit dem Verkäufer Fortis eigentlich unterschriftsreif waren. Die Deutsche Bank müsse um jeden Preis unabhängig bleiben, das sei für sie "eine ganz große Chance".

Zugleich appellierte der Deutsche-Bank-Chef an gefährdete Banken, das Hilfsangebot der Bundesregierung anzunehmen. "Es darf jedenfalls nicht dazu kommen, dass aus falschem Prestige-Denken hilfsbedürftige Banken die von der Regierung angebotene Hilfe nicht in Anspruch nehmen", sagte er in einem Interview mit der Zeitung "Bild am Sonntag" Wer nicht über ausreichend Kapital verfüge, solle es sich auf dem freien Markt oder beim Staat besorgen.

Die Commerzbank  will nach den Worten ihres Vorstandschefs Martin Blessing dagegen zumindest prüfen, ob sie die staatliche Garantien des Hilfspakts der Bundesregierung in Anspruch nimmt. "Wir werden uns in Ruhe anschauen, wie das Paket genau aussieht und ob es für uns in Frage kommt. Ich glaube, es ist die Pflicht eines jeden Bankers, eine Teilnahme an dem Paket zu prüfen", sagte Blessing der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). Denn von der Kapitalstärke hänge es ab, ob auch weiter Kredite vergeben werden könnten, was in einem Abschwung ganz wichtig sei.

Blessing bezeichnete das staatliche Hilfspaket als Konunktur-Stützungsprogramm der Bundesregierung. "Es geht jetzt darum, dass der Blutkreislauf der Wirtschaft nicht gestoppt werden darf. Hausbauer sollen weiter Kredite bekommen können, Firmen sollen weiter Geld für neue Maschinen bekommen können. Deshalb ist das Rettungspaket so wichtig. Es ist unterm Strich ein Konjunktur-Stützungsprogramm", sagte er.

Klaus-Peter Müller, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, sieht "unbestreitbare Vorteile" einer Teilverstaatlichung der Banken, wie sie in den USA und Großbritannien vorgenommen wurde. Dort könnten aus der Annahme des Hilfsprogramms "keine diskriminierenden Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Lage der Banken gezogen werden", sagte er in einem Gespräch mit dem Spiegel. Für die deutsche Lösung spreche die größere Flexibilität.

Ackermann will das Büßerhemd nicht tragen

Ackermann will das Büßerhemd nicht tragen

Als Konsequenzen aus der Krise fordert Müller eine europäische Bankenaufsicht und eine Reform der Bonussysteme. Boni sollten nicht mehr für vermutete Erträge in der Zukunft gezahlt werden. Müller: "Wenn jemand für ein zehn Jahre lang laufendes Geschäft alle Erträge in das erste Jahr legen kann, wird nicht berücksichtigt, was in den darauffolgenden Jahren passiert. So etwas darf es nicht mehr geben."

Der Bankenpräsident, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, macht die amerikanische Regierung für die Verschärfung der Krise verantwortlich, weil sie die Investmentbank Lehman in den Konkurs gehen ließen. Aber er sieht auch "gravierende Fehler" bei deutschen Banken. Viele Kreditinstitute hätten sich zu lange auf die Ratingagenturen verlassen.

Commerzbank-Chef Blessing räumte ebenfalls schwere Versäumnisse der Bankenbranche ein. "Die gesamte Bankenbranche trägt große Verantwortung an der Krise - auch ich als Chef der zweitgrößten Bank in Deutschland. Es ist schlimm, dass sich die Menschen in unserem Land Sorgen um ihr Geld machen. Da haben wir uns als Branche wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert", sagte Blessing.

Ackermann sieht indes keinen Grund für eine Entschuldigung, wie sie Bundespräsident Horst Köhler wegen der Finanzkrise von den Banken gefordert hat. Die deutsche Bank habe sich in der Krise relativ gut geschlagen, sagte Ackermann der "Bild am Sonntag". Deshalb sehe er keine Veranlassung, künftig im Büßerhemd durchs Land zu ziehen.

Ackermann verteidigte auch die von seinem Institut mittelfristig angepeilte Rendite von 25 Prozent. Diese Marke sei nicht Ausdruck von Gier, sondern lediglich ein Beleg dafür, dass die Deutsche Bank möglichst erfolgreich sein und zu den besten Banken der Welt gehören wolle. Angesichts der Finanzkrise und des Wirtschaftsabschwungs räumte Ackermann jedoch ein: "In den nächsten Jahren erwarte ich daher geringere Renditen." Zuvor hatte Ackermann erklärt, wegen der Krise auf seinen Gehaltsbonus von mehreren Millionen Euro für dieses Jahr zu verzichten.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und afp

Der deutsche Plan: Bankenrettung in neun Schritten

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