Großbritannien Barclays verzichtet auf Staatshilfe

Die britische Regierung hat die Empfänger ihrer Kapitalspritze bekanntgegeben. Der Staat beteiligt sich an der Royal Bank of Scotland, Lloyds TSB und der Hypothekenbank HBOS. Barclays kündigt ebenfalls eine Kapitalerhöhung an, will aber ohne Staatshilfe auskommen.

London - Im Zuge ihres Banken-Rettungsplans stellt die britische Regierung drei Instituten Kapital von insgesamt rund 37 Milliarden Pfund (rund 47 Milliarden Euro) zur Verfügung. Das teilte die Regierung in London am Montagmorgen mit. Bei den betroffenen angeschlagenen Banken handelt es sich um die Royal Bank of Scotland , HBOS  und Lloyds TSB . Barclays  verkündete zeitgleich eine Kapitalerhöhung, an der sich der Staat aber nicht beteiligen solle.

Der britische Premierminister Gordon Brown hatte am vergangenen Mittwoch ein Rettungspaket im Umfang von 50 Milliarden Pfund (87 Milliarden Euro) angekündigt, mit dem die Regierung den gefährdeten Banken Kapital zur Verfügung stellen will. Im Gegenzug bekommt der Staat Vorzugsaktien, die keine Stimmrechte haben, aber eine Verzinsung von rund 10 Prozent im Jahr garantiert bekommen, während die gewöhnlichen Aktionäre ihre Dividende erst nachrangig bekommen. Die deutsche Bundesregierung will im Laufe des Tages einen eigenen Rettungsplan beschließen, der ebenfalls staatliche Kapitalspritzen für angeschlagene Banken vorsieht.

Die Royal Bank of Scotland (RBS) braucht insgesamt 20 Milliarden Pfund an frischem Kapital und will sich dabei auch an dem von der Regierung bereitgestellten Geld bedienen. Die Regierung zeichne Vorzugsaktien im Wert von über fünf Milliarden Pfund, teilte die Bank am Montag in London mit. Zudem sichere das Finanzministerium die geplante Ausgabe von Stammaktien über 15 Milliarden Pfund ab, falls sich keine anderen Investoren fänden. Die Regierung würde der Bank dann die Anteile für 65,5 Pence je Stück abnehmen. Im Extremfall käme sie auf einen 57-Prozent-Anteil. Dieses Szenario bezeichnete die Bank allerdings als "extrem unwahrscheinlich".

Die RBS gab zudem bekannt, dass Bank-Chef Fred Goodwin zurücktritt. Als Nachfolger wurde Stephen Hester bestimmt, Chef des Immobilienunternehmens British Land. Auch der Aufsichtsratschef Tom McKillop gibt sein Amt auf.

Die kurz vor der Fusion stehenden Banken HBOS und Lloyds TSB brauchen den Angaben vom Montag zufolge frisches Kapital in Höhe von 17 Milliarden Pfund. Die Regierung beteilige sich an den notwendigen Maßnahmen, um an das Geld zu kommen, teilten HBOS und Lloyds am Montag in London mit. Sollte sich keiner der bisherigen HBOS- und Lloyds-Aktionäre an den geplanten Kapitalerhöhungen beteiligen, würde der Staat 43,5 Prozent an der neuen Gruppe halten. 36,5 Prozent würden den den bisherigen Lloyds-Anteilseignern gehören und die restlichen 20 Prozent den HBOS-Aktionären.

Auch Barclays will neue Aktien ausgaben, sich dabei aber vorerst nicht an von der Regierung bereit gestelltem Kapital bedienen. Bis Ende März 2009 sollen Vorzugs- und Stammaktien für insgesamt 6,5 Milliarden Pfund bei Investoren platziert werden, teilte die Bank am Montag in London mit. Zudem werde die Schlussdividende für 2008 gestrichen. Diese hätte im April 2009 ausgeschüttet werden müssen. Damit spare die Bank rund zwei Milliarden Pfund. Barclays wolle in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wieder mit der Ausschüttung einer Gewinnbeteiligung an die Anteilseigner beginnen.

Die von der spanischen Großbank Santander  übernommene Abbey National  nimmt ebenfalls nicht an dem Rekapitalisierungsprogramm teil. Die Muttergesellschaft werde eine Milliarde Pfund an Kapital nachschießen, teilte das Institut am Montag mit. Ohne die Kapitalspritze erwartet das Unternehmen eine kombinierte Eigenkapitalquote (Tier 1) von 8 Prozent für die britischen Töchter (Abbey und Alliance Leicester) Ende 2008. Die zusätzlichen Mittel würden die Eigenkapitalquoten um 1,25 Prozentpunkte verbessern, hieß es. Santander übernimmt außerdem das Filialgeschäft der bereits im September verstaatlichten Hypothekenbank Bradford & Bingley.

manager-magazin.de mit Material von afp, reuters, dj und dpa-afx

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