Krisenticker IWF soll Ukraine und Island helfen

Der Dow Jones schließt bei mehr als 900 Punkten im Plus. Die Ukraine und Island haben den Internationalen Währungsfonds um Finanzhilfe gebeten. Die Société Générale will im dritten Quartal eine Milliarde Euro Gewinn machen. Der Dax verzeichnet einen Tagesrekord. Verfolgen Sie die jüngste Entwicklung auf manager-magazin.de.

22.15 Uhr: Die staatlichen Rettungspläne für die kriselnde Finanzbranche haben den US-Börsen am Montag zu einem massiven Kursplus verholfen. An der Wall Street schossen alle drei wichtigen Indizes um mehr als elf Prozent in die Höhe, nachdem am Freitag eine der verlustreichsten Börsenwochen in New York zu Ende gegangen war. Der Dow Jones  der Standardwerte schließt bei 11,1 Prozent auf 9387 Punkte im Plus.

21.47 Uhr: Angesichts der Finanzkrise wollen die Ukraine und Island den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten. "Die Ukraine hat am Wochenende angedeutet, dass sie um ein IWF-Programm ersuchen wird", sagte ein IWF-Mitarbeiter. Der Mitarbeiter wollte ungenannt bleiben. Die Ukraine leidet wie andere Staaten auch unter einem Vertrauensverlust in ihr Bankensystem. Am Montag fror die Zentralbank des osteuropäischen Landes die Vermögenswerte der Geldinstitute auf der Basis der Montagskurse ein, um das Bankensystem zu stabilisieren.

Auch das von der Finanzkrise besonders stark getroffene Island hat den IWF um Hilfe gebeten. Wie ein IWF-Mitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte, erklärte, habe das Exekutivgremium des IWF am Wochenende über die Bitte aus Reykjavik beraten, ohne Summen festzulegen. Ein Mitglied der isländischen Zentralbank sagte zudem, Delegationen des Finanzministeriums und der Banken seien nach Russland aufgebrochen, um über Notkredite in Milliardenhöhe zu verhandeln.

20.24 Uhr: Die französische Bank Société Générale rechnet im dritten Quartal mit einem Überschuss von einer Milliarde Euro. Hierin enthalten seien mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenhängende Belastungen, teilten die Franzosen am Montag mit. Nicht berücksichtigt seien allerdings einmalige Effekte. Bei strukturierten Produkten gebe es keine spürbaren Verluste, die Kapitalmaßnahmen erforderlich machen würden.

19.59 Uhr: Die lahmende US-Wirtschaft benötigt nach Ansicht der Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi dringend ein zweites Konjunkturprogramm. Ungeachtet der ablehnenden Haltung von Präsident George W. Bush zu dem Zusatzpaket kündigte die Demokratin am Montag mehrere Sitzungen im Kongress an, bei denen der Umfang und die genaue Gestaltung eines neuen Programms beschlossen werden sollten. Die Demokraten hatten zuletzt über ein Paket im Umfang von 150 Milliarden Dollar beraten. Es sieht vor allem Infrastrukturmaßnahmen und Hilfszuwendungen an einkommensschwache Familien vor. Auch die Bundesstaaten sollen von dem zweiten Programm profitieren. Vor einigen Monaten hatte der Kongress ein Paket zur Ankurbelung der Wirtschaft im Umfang von 168 Milliarden Dollar auf den Weg gebracht, das mittlerweile als Gesetz in Kraft getreten ist.

19.22 Uhr: Der US-Automobilhersteller Chrysler hat Kontakte mit "Dritten" in Bezug auf zukünftige "Möglichkeiten" des Unternehmens bestätigt. "Ich kann bestätigen, dass wir auf dritte Parteien zugegangen sind, die an der Entwicklung von zukünftigen Möglichkeiten mit Chrysler interessiert sind", schrieb CEO Bob Nardelli am Montag in einer E-Mail an seine Mitarbeiter. Nardelli schrieb, sein Unternehmen stehe im Dialog mit dieser Gesellschaft. Der Manager nannte jedoch keine Namen. Das "Wall Street Journal" hatte zuvor am Freitag berichtet, die General Motors Corp (GM) habe über den Kauf des drittgrößten US-Herstellers gesprochen. Chrysler wird von der Beteiligungsgesellschaft Cerberus kontrolliert.

19.07 Uhr: In der EU werden wegen der Krise die Rufe nach einer zentralen europäischen Bankenaufsicht lauter. Die schlimmste Finanzkrise seit 80 Jahren wurde nach Ansicht von Kerstin af Jochnick, Vorsitzende des Ausschusses der Europäischen Bankenaufseher (CEBS), durch Mangel an Aufsichtsregeln verursacht. Die zentrale Aufsicht scheiterte bisher daran, dass die Mitgliedsstaaten ihre Kompetenzen in der Aufsicht nicht abgeben wollten, weil sie im Notfall mit dem Geld ihrer Steuerzahler für Banken einspringen müssen. Beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs soll am Mittwoch darüber diskutiert werden, wie die Aufsicht der grenzübergreifend tätigen Finanzinstitute verbessert werden soll.

Dow überspringt 9000 Punkte, Dax mit Rekordplus

18.41 Uhr: Die Euphorie an der Wall Street hält an. Der Dow Jones überspringt die 9000-Punkte-Marke, er liegt mit 6,9 Prozent im Plus.

17.50 Uhr: Die Daimler AG hat wegen dem derzeitigen Marktumfeld ihr Aktienrückkaufprogramm reduziert. Wie der Stuttgarter Automobilhersteller am Montag mitteilte, wird derzeit die Situation an den Finanz- und Automobilmärkten sehr genau geprüft. Das Programm könne aber kurzfristig wieder erhöht werden, wenn sich die Bedingungen ändern sollten.

17.43 Uhr: Der Dax schließt mit einem Plus von 11,4 Prozent bei 5062 Punkten.

17.35 Uhr: Das italienische Kabinett hat am Montag per Dekret ein Anti-Krisen-Paket zur Sicherung der Banken und der Spareinlagen des Landes verabschiedet. Welchen Umfang die Hilfen der Regierung haben werden, sei jedoch offen, sagte Wirtschaftsminister Giulio Tremonti nach der Kabinettssitzung in Rom vor Journalisten. "Wir werden so viel zur Verfügung stellen, wie nötig ist", erklärte er. Das Dekret sei "perfekt mit dem vereinbar, was auf europäischer Linie beschlossen wurde", hieß es.

17.00 Uhr: Der Dax knackt die Marke von 5000 Punkten.

16.59 Uhr: Deutsche Banken können ihre Bilanz für das abgelaufende dritte Quartal bereits nach gelockerten Rechnungslegungsvorschriften aufstellen. Das kündigten Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel am Montag in Berlin an. Europäische Institute erhielten die gleichen Bedingungen wie die Banken in den USA. Die US-Aufsichtsbehörde SEC hatte die Bilanzierungsregeln für bestimmte Papiere bereits vor ein paar Tagen gelockert.

Lehman: 300 Milliarden Dollar Schaden außerhalb der USA

Ein Sprecher der internationalen Bilanzwächter IASB bestätigte, die europäischen Regeln würden an die US-Regeln angeglichen. Am Mittwoch will die Europäische Kommission Details bekanntgeben. Auf Banken dürften durch die lockereren Regeln deutlich weniger Abschreibungen zukommen. Die Wertberichtigungen, die nach den neuen internationalen Vorschriften IFRS vorgenommen werden müssen, hatten in den vergangenen Monaten nach Ansicht von Experten die Krise teilweise noch befeuert.

16.55 Uhr: Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat nach Einschätzung der deutschen Finanzaufsicht außerhalb der USA Schäden von rund 300 Milliarden Dollar verursacht. "Wir lecken noch immer die durch Lehman geschlagenen Wunden", sagte der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, am Montag auf einer internationalen Bankenkonferenz in Washington.

Die ins Trudeln geratene US-Bank war Mitte September Pleite gegangen, nachdem die US-Regierung dem Institut nicht mit einem Stützungsplan unter die Arme gegriffen hatte. Die überraschende Pleite hatte erheblich zur Zuspitzung der seit über einem Jahr schwelenden Finanzkrise beigetragen.

16.22 Uhr: Österreich hat am Montag ein 100 Milliarden Euro schweres Sicherungspaket für die Banken geschnürt. Mit bis zu 85 Milliarden Euro an staatlichen Garantien solle sichergestellt werden, dass sich die Geldinstitute wieder gegenseitig Geld leihen, sagte Finanzminister Wilhelm Molterer nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Weitere 15 Milliarden Euro stünden zur Eigenkapitalstärkung einzelner Banken zur Verfügung. Dabei behalte sich der Staat vor, Anteile und Mitwirkungsrechte zu übernehmen.

15.55 Uhr: Der Dax hat am Nachmittag von der Wall Street weiteren Schub bekommen. Er weitet seine Gewinne auf zeitweise 8,8 Prozent auf 4946 Punkte aus. Sollte der Index dieses Plus bis Handelsschluss behaupten, wäre es der größte prozentuale Tagesgewinn in der 20-jährigen Geschichte des Index.

15.38 Uhr: Erleichterung auch an der Wall Street. Der Dow Jones  legt im frühen Handel um 5,1 Prozent auf 8879 Zähler zu. Der Dax  baut daraufhin seine Gewinne aus.

15.15 Uhr: Frankreichs Rettungsplan für die Banken soll 320 Milliarden Euro umfassen. Davon stehen 40 Milliarden Euro als Kapitalhilfe bereit, der größere Teil ist wie im deutschen Beispiel als Bürgschaft für Interbankenkredite gedacht. "Der Staat wird keine Bank in Konkurs gehen lassen", sagte Präsident Nicolas Sarkozy nach einer Kabinettssitzung am Montag in Paris.

15 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Rettungspaket für die deutschen Banken als "einen ersten Baustein für eine neue Finanzmarkt-Verfassung" bezeichnet. Das Gesetz solle bis Ende der Woche unter Dach und Fach sein. Das Paket sei bereits mit Bundespräsident Horst Köhler abgestimmt. Auf die Banken kommen im Gegenzug Auflagen zu: "Wir werden hart durchgreifen", sagte Merkel. Die Börsen bauten unterdessen ihre Gewinne aus.

14 Uhr: Das deutsche Rettungspaket zur Bewältigung der Finanzmarktkrise wird ein Volumen von 500 Milliarden Euro haben. Das beschloss das Bundeskabinett am Montag in Berlin, erfuhr die Nachrichtenagentur ddp aus Regierungskreisen.

Nobelpreis für Paul Krugman

Zur "aktuellen Gefahrenabwehr" ist demnach ein sogenannter Finanzmarktstabilisierungsfonds als Sondervermögen des Bundes geplant, der bis zu 400 Milliarden Euro an Garantien abgeben kann. Eine Refinanzierung der Banken ist ferner über staatliche Beteiligungen möglich wie über den Erwerb stimmrechtsloser Vorzugsaktien, Aktien oder Genussscheine. Hier ist eine Summe von 80 Milliarden Euro vorgesehen. Zur Absicherung des Fonds ist schließlich eine Garantiesumme von 20 Milliarden Euro geplant.

13.45 Uhr: Die französische Großbank Société Générale (Kurswerte anzeigen) hat Gerüchte über heftige Verluste bei strukturierten Produkten zurückgewiesen. Zudem schaltete die Bank am Montag in Paris die französische Börsenaufsicht AMF ein. Diese solle untersuchen, woher die Gerüchte kamen. Die Aktie war nach Aufkommen der Gerüchte um bis zu 17 Prozent gefallen, erholte sich jedoch kurze Zeit danach wieder etwas.

13.40 Uhr: Die Bundesregierung kalkuliert bei ihrer 400-Milliarden-Euro-Garantie für den Interbankenhandel laut einem Gesetzentwurf mit einem Verlustrisiko von 5 Prozent. Damit könnten auf den Haushalt tatsächliche Belastungen aus dem Fonds von 20 Milliarden Euro zukommen, geht aus dem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Gesetzentwurf für den Finanzmarktstabilisierungsfonds hervor. Für diesen Fall soll Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) weitere Kredite von bis zu 20 Milliarden Euro aufnehmen dürfen.

13.30 Uhr: Die Sparkassenverbände in Baden-Württemberg und Bayern sondieren ein Zusammengehen der süddeutschen Landesbanken LBBW und BayernLB. "Die Verbände sind bereits seit längerem im Gespräch", sagte ein Sprecher des baden-württembergischen Sparkassenverbands am Montag in Stuttgart, der knapp 36 Prozent an der LBBW hält. In den Gesprächen gehe es um die aus Sicht der Sparkassen wichtigen Eckpunkte einer Landesbankenfusion.

13 Uhr: Der amerikanische Wissenschaftler Paul Krugman erhält in diesem Jahr den Nobelpreis für Wirtschaft. Dies gab die königlich-schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. Krugman hatte jüngst im Interview mit manager-magazin.de deutliche Kritik an der Bush-Regierung geäußert.

12.40 Uhr: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Ungarn angesichts der weltweiten Finanzkrise seine Unterstützung zugesagt. Der ungarische Anleihenmarkt sei in den vergangenen Tagen unter starken Druck geraten, "obwohl das Land seine Wirtschafts- und Finanzpolitik in den letzten Jahren verbessert hat", hieß es in einer Stellungnahme des IWF-Präsidenten Dominique Strauss-Kahn, die am Montag in Budapest und Washington veröffentlicht wurde.

Ende vergangener Woche war es infolge der Finanzkrise zu spekulativen Angriffen auf ungarische Staatsanleihen und die Landeswährung Forint gekommen. Die ungarische Währung hatte gegenüber dem Euro um bis zu 6 Prozent an Wert verloren. Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany sagte am selben Tag, Ungarn habe sich in der gegenwärtigen Krise als erstes Land der Region an den IWF gewandt, "damit die, die uns angreifen, sehen, dass Ungarn starke Verbündete hat, dass es nicht allein steht". Der Forint hat sich am Montagvormittag wieder weitgehend erholt. Der Kurs zum Euro lag nur noch um rund 2Prozent unter dem Stand vor den Einbrüchen der vergangenen Woche.

12.15 Uhr: Im Kampf gegen die Finanzkrise werden die großen Notenbanken die Geldmärkte in Europa künftig unbegrenzt mit Dollar versorgen. Die Banken können sich bei ihren Notenbanken Zentralbankgeld ausleihen, müssen dafür aber Sicherheiten hinterlegen und Zinsen zahlen. Zur Umsetzung wird das Dollar-Tauschabkommen zwischen der Fed und der EZB ohne Limit ausgeweitet. Man wolle die Geldnachfrage "in jeglicher Höhe befriedigen" können. Bisher hatte die Fed den Notenbanken im Ausland Tauschgeschäfte bis zu 620 Milliarden Dollar zugesagt.

470 Milliarden Euro für deutsche Banken

11.30 Uhr: Das Paket der Bundesregierung zur Rettung der Banken soll ein Volumen von rund 470 Milliarden Euro haben. Das verlautete am Montag aus Regierungskreisen in Berlin.

Von dem Gesamtpaket sollen demnach rund 400 Milliarden als Bürgschaften für Kredite von Banken untereinander zur Verfügung gestellt werden. Weitere rund 70 Milliarden Euro sollen notleidenden Banken als Kapital zur Verfügung gestellt werden.

Der Plan soll um 13.00 Uhr in einer Kabinettssitzung verabschiedet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich um 15.00 Uhr dazu äußern.

Der Plan folgt damit dem britischen Vorbild. Dort hatte die Regierung rund 50 Milliarden Pfund (87 Milliarden Euro) als Kapital für angeschlagene Banken zur Verfügung gestellt. Am Montagmorgen hatte London bekannt gegeben, dass drei Banken ein Volumen von umgerechnet rund 47 Milliarden Euro in Anspruch nehmen.

10.45 Uhr: Die weltweite Finanzkrise könnte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) den Gipfel hinter sich gelassen haben. "Ich glaube, dass wir dank der jüngsten Beschlüsse den Höhepunkt der Krise vielleicht gesehen haben", sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Montag dem französischen Radiosender "Europe 1". "Das werden wir in den nächsten Tagen sehen."

10 Uhr: Der Gesetzentwurf der Bundesregierung für den deutschen Finanzsektor steht. Er sieht die Einrichtung eines Sondervermögens "Finanzmarktstabilisierungsfonds" vor. Dies geht aus dem Entwurf hervor, der am Montag der dpa in Berlin vorlag.

"Zunächst entstehen keine Haushaltsausgaben", heißt es in dem Entwurf. Die Kreditaufnahme zur Refinanzierung des Fonds führe zu einer höheren Verschuldung. Der Fonds kann von Unternehmen des Finanzsektors Risikopositionen - insbesondere Derivate - übernehmen, die vor dem Stichtag 13. Oktober von den Firmen erworben worden seien. Die Banken müssen nach dem Gesetzentwurf "Gewähr für eine solide und umsichtige Geschäftspolitik bieten". Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kann ihnen dabei Auflagen bei der Vergütung von Vorständen, Aufsichtsräten und den übrigen Angestellten der Institute machen. Dies gilt auch für die "geschäftspolitische Ausrichtung" und "Verwendung der aufgenommenen Mittel". Weiter kann es Vorgaben für die "Dividendenpolitik" geben. Dem Finanzminister wird eine Kreditermächtigung in Höhe von 70 Milliarden Euro erteilt. Damit sollen die Finanzspritzen für die Unternehmen und die mögliche Risikoübernahmen finanziert werden. Unter anderem werden für das Rettungspaket das Kreditwesengesetz und das Versicherungsaufsichtsgesetz sowie die Insolvenzordnung geändert.

9.30 Uhr: Die Spitzen der Großen Koalition haben sich auf die Grundzüge des milliardenschweren Rettungspakets für den deutschen Finanzsektor verständigt. Das Rettungspaket soll am Mittag (13.00 Uhr) vom Bundeskabinett gebilligt werden. Danach wird Merkel im Kanzleramt die Fraktionsvorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien informieren (13.45 Uhr).

Um 15.00 Uhr will die Bundeskanzlerin eine Erklärung vor den Medien abgeben, um 15.30 Uhr ist eine Pressekonferenz von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück angesetzt, auf der die Details der Stützungsmaßnahmen bekannt gegeben werden sollen. Bundestag und Bundesrat sollen das Paket im Eilverfahren noch in dieser Woche beraten.

Dax startet 5 Prozent im Plus

9.00 Uhr: Der Dax  startet mit einem Plus von mehr als 5 Prozent in den Handel. Der Fünf-Punkte-Plan der G7, die europäischen Pläne zur Stützung des Bankensektors sowie der Bankenrettungsplan der Bundesregierung, dessen Details heute Mittag vorgestellt werden, lassen Anleger hoffen.

8.50 Uhr: Deutliche Erholung in Fernost: Der MSCI-Index für die Börsen des Asien-Pazifik-Raums ohne Japan ist am Montag um knapp fünf Prozent gestiegen. In Japan wurde heute wegen eines Feiertages nicht gehandelt. Der Hongkonger Hang Seng legte unterdessen 4,3 Prozent zu.

8.30 Uhr: Die Bundesregierung will heute ein etwa 400 Milliarden Euro schweres Paket zur Rettung des Bankensektors auf den Weg bringen. Der Staat soll Garantien für Kredite übernehmen, die sich die Banken untereinander gewähren. Ferner sollen die Banken direkte Finanzspritzen zur Erhöhung ihres Eigenkapitals erhalten. Das Paket soll heute um voraussichtlich 13 Uhr vorgestellt werden.

Die Regierung werde den Banken auch helfen, mit ihren schlechten Produkten - etwa "faulen" Krediten umzugehen, bestätigte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) am Sonntagabend in der ARD. Das größte Finanzrettungspaket der deutschen Nachkriegsgeschichte soll noch in dieser Woche im Eilverfahren zum Gesetz werden und bis Ende 2009 befristet sein.

8 Uhr: Angesichts des gewaltigen Finanzbedarfs muss die große Koalition das Ziel aufgeben, bis 2011 einen ausgeglichen Haushalt ohne neue Schulden vorzulegen. "Unser Etatziel eines ausgeglichenen Haushalts verlieren wir nicht aus den Augen - auch wenn es jetzt länger dauern dürfte", sagte Finanzminister Steinbrück (SPD) der "Bild"-Zeitung.

7.50 Uhr: Der US-Future notiert knapp 500 Punkte über seinem Stand zum Xetra-Schluss am Freitag. Auch in den USA wird für heute Nachmittag (Handelsbeginn 15.30 Uhr) mit kräftigen Gewinnen zum Handelsstart gerechnet. Der Dow Jones  hat in der vergangenen Woche eine seiner schwärzesten Wochen mit einem Minus von 18,15 Prozent beendet. Allerdings hatte der Index bereits am Freitag im späten Handel Erholungstendenzen gezeigt.

7.30 Uhr: Der Bundesverband der Banken (BdB) begrüßt das Rettungspaket der Bundesregierung. Er halte diesen Beitrag für absolut zielführend, sagte BdB-Vorstand Manfred Weber am Montag. Es komme nun darauf an, "dass der Geldmarkt wieder in Schwung kommt, dass die Kreditgewährung wieder läuft und von daher ein wirtschaftlicher Einbruch verhindert wird". Zugleich räumte Weber ein, dass im Fall staatlicher Eigenkapitalhilfen die Banken zur Gegenleistung verpflichtet seien.

7.15 Uhr: Die Ölpreise sind am Montag im asiatischen Handel um über zwei Dollar gestiegen. Die am Wochenende geplanten Rettungspakete für den Bankensektor der USA und der Eurozone hätten den Ölmarkt gestützt, sagten Händler. Am Freitag hatte der US-Ölpreis mit 77,63 Dollar den tiefsten Stand seit dem 10. September 2007 erreicht.

7 Uhr: Der Rettungsplan der G7-Staaten und angekündigte Milliardenspritzen für das angeschlagene Finanzsystem in zahlreichen Ländern haben die Märkte in Fernost am Montag offenbar zunächst beruhigen können. Die meisten Börsen in Asien legten leicht zu. In Japan wird allerdings wegen eines Feiertages nicht gehandelt.

Was der Fünfpunkteplan der G7 vorsieht

6.30 Uhr: Wir begrüßen alle unsere Leser zum heutigen Krisenticker, der nach der Nervenprobe der vergangenen Woche heute zunächst ein wenig Trost spenden kann. Der Aktionsplan der G-7-Staaten sowie das für heute angekündigte Stützungspaket der Bundesregierung für deutsche Banken könnten die Gemüter vor allem an der Börse zunächst ein wenig beruhigen.

6 Uhr: Kurzer Nachtrag für diejenigen, die sich am Wochenende eine Auszeit gegönnt haben. In Washington und in Paris haben die G7-Finanzminister sowie die europäischen Spitzenpolitiker wie erwartet umfangreiche Hilfspakete für den Bankensektor vereinbart.

Der Fünfpunkteplan der G7 sieht vor: Der Zusammenbruch großer, "systemrelevanter" Banken soll "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" verhindert werden. Zweitens wollen die G-7-Staaten Garantien für den Zahlungsverkehr der Kreditinstitute übernehmen, um den Geld- und Interbankenmarkt wiederzubeleben.

Als dritte Maßnahme ist staatliches Kapital für die Banken vorgesehen, um die Eigenkapitalbasis der Banken wieder zu stärken und um sicherzustellen, dass genug Geld für Firmenkredite zur Verfügung steht. Für diese direkte Finanzspritze soll der Staat Anteile an den betroffenen Instituten inklusive der dazugehörigen Dividenden erhalten - der Staat kann die Anteile wieder verkaufenen, wenn sich die Bank stabilisiert hat. Vierter Punkt: Die G7 planen eine Garantie für Sparanlagen, wie sie die Bundesrepublik bereits in der vergangenen Woche zugesichert hat.

Als fünfte Maßnahme ist eine Lockerung der Bilanzierungsregeln geplant - Banken sollen derzeit nicht handelbare Vermögenswerte nicht immer zum aktuellen Marktwert bewerten müssen, sondern Spielraum bekommen, die Papiere nur in dem Maße abzuwerten, wie tatsächliche Verluste zu erwarten sind. Auch diese Maßnahme soll dabei helfen, Zeit zu gewinnen und weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe zu verhindern.

G7-Plan: Fünf Schritte gegen die Krise

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