Tui beschließt Verkauf Hapag-Lloyd geht an Hamburger Gruppe

Die Tui verkauft die Mehrheit an Hapag-Lloyd an die Hamburger Bietergruppe um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne. Der Reisekonzern bleibt mit einem Drittel an der Reederei beteiligt. Mit dem Erlös will die Tui die restlichen Anteile an Tui-Travel erwerben. Zudem ist eine Sonderdividende geplant.

Hannover/Hamburg - Der Reisekonzern Tui  verkauft die Mehrheit an seiner Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd an die Hamburger Investorengruppe um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne. Das Konsortium beteiligt sich über ein Gemeinschaftsunternehmen zu zwei Dritteln an der Hamburger Traditionsreederei, wie Tui am Sonntag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung in Hannover bekanntgab. Der Touristikkonzern selbst bleibt mit einem Drittel an Hapag-Lloyd beteiligt.

Den Unternehmenswert von Hapag-Lloyd gab die Tui einschließlich Schulden mit 4,45 Milliarden Euro an. Der Reisekonzern werde für 33 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, das künftig alle Anteile an Hapag-Lloyd hält, 700 Millionen Euro zahlen.

Aus dem Verkaufserlös von 1,4 Milliarden Euro sollen die Tui-Aktionäre eine Sonderdividende erhalten. Weitere Mittel daraus sollen in das Tourismusgeschäft investiert werden. So sei daran gedacht, die restlichen 49 Prozent an der Tui-Tourismustochter Travel Plc zu übernehmen. Außerdem will Tui mit dem Erlös seine Schulden tilgen.

Offen ist, wie der norwegische Tui-Großaktionär John Fredriksen auf den Hapag-Lloyd-Verkauf reagiert. Fredriksen will über seine Konsequenzen erst in den kommenden Tagen entscheiden. "Wir werden die Entscheidung prüfen und uns in den kommenden Tagen dazu äußern, wie wir weiter vorgehen", sagte ein Fredriksen-Sprecher.

Fredriksen, der nach jüngsten Angaben gut 15 Prozent an der Tui AG hält, hatte die Abspaltung der Container-Reederei vom Tui-Konzern Anfang des Jahres noch selbst betrieben, sich später aber dagegen gewandt, da derzeit kein angemessener Verkaufspreis zu erzielen sei. Zudem hatte er bereits vor Monaten verlangt, dass die Aktionäre selbst in einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Verkauf der Reederei abstimmen müssen, da es sich um eine Änderung des Geschäftsmodells der Tui handle.

Die Gruppe um Kühne war als "Hamburger Lösung" ins Leben gerufen worden, um einen Verkauf der Traditionsreederei ins Ausland zu verhindern. Nach dem Rückzug der Singapurer Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus dem Bieterverfahren war der Weg für einen Zuschlag für die Hamburger frei geworden. An dem Konsortium "Albert Ballin" sind neben Kühne und der Hansestadt die Versicherungen Iduna und Hanse Merkur sowie die Privatbank M. M. Warburg und die HSH Nordbank beteiligt.

"Lösung im Sinne der Arbeitnehmer von Hapag-Lloyd"

"Lösung im Sinne der Arbeitnehmer von Hapag-Lloyd"

"Mit dem Erwerb haben wir unser Ziel erreicht, die Hapag-Lloyd als eigenständige Reederei mit Sitz in Hamburg zu erhalten", kommentierte M. M. Warburg-Chef Christian Olearius den Deal. "Hapag-Lloyd kann nun unabhängig von Konzerninteressen agieren. Wir werden die Reederei weiter entwickeln und ihren Marktanteil ausbauen."

Nach Ansicht von Wolfgang Peiner, früherer Hamburger Finanzsenator und neben Olearius einer der Initiatoren des Erwerberkonsortiums, ist es gelungen, im Bieterkonsortium eine glückliche Verbindung privatwirtschaftlicher und öffentlicher Interessen herzustellen. "Die Reederei ist ein attraktives Investment und die Hansestadt Hamburg erlangt Sicherheit in standortpolitischen Fragen", meint Peiner. "Zugleich ist der Verkauf eine Lösung im Sinne der Arbeitnehmer von Hapag-Lloyd."

NOL hatte sich vor wenigen Tagen zurückgezogen. Eine eindeutige Begründung für den Rückzug hatte die Reederei nicht angegeben. "Wir haben ein Angebot abgegeben, das nach unserer Einschätzung Hapag-Lloyd voll bewertet hat und die herausfordernden Marktbedingungen in der Containerschifffahrt berücksichtigt", sagte NOL-Chef Ron Widdows. NOL werde nun alle Energie darauf konzentrieren, gut durch den Branchenabschwung zu kommen.

Branchenexperten waren stets davon ausgegangen, dass NOL einen höheren Preis bieten kann als die Hamburger Investoren, da die Reederei große Synergien erzielen könnte. Tui wollte sich nur dann von Hapag trennen, wenn das Unternehmen einen "angemessenen" Preis erhält.

Tui hatte den Ausstieg von NOL nicht kommentiert. Ein Sprecher des Konzerns erklärte, der Bieterprozess für Hapag-Lloyd werde fortgesetzt. Eine Absage des Verkaufs sei aber weiterhin eine Option.

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa, reuters

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