Finanzmärkte vor dem Kollaps "Stunde der Wahrheit" in Paris

Der Fünf-Punkte-Plan der G-7 gegen die Finanzkrise wird von vielen Staaten unterstützt, vielfach aber als zu vage kritisiert. Konkrete Lösungen sollen am Abend auf dem Eurozonen-Gipfel in Paris verkündet werden. Dort will die Bundesregierung auch die deutschen Maßnahmen vorstellen - rechtzeitig vor Markteröffnung morgen früh.

Hamburg - Die führenden Wirtschaftsmächte der Welt haben am Wochenende Einigkeit in der globalen Finanzkrise demonstriert, während konkrete Maßnahmen der Eurozonen-Staaten zur Rettung des Finanzsektors weiter mit Spannung erwartet wurden. Der am Samstag verkündete Aktionsplan der sieben führenden Industrienationen (G-7) wurde vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den G-20-Staaten unterstützt. Bei Experten stößt der Plan aufgrund seiner vagen Inhalte allerdings auf Skepsis.

Die "Stunde der Wahrheit" sollte dem britischen Premierminister Gordon Brown zufolge jedoch am Sonntagabend beim Eurozonen-Gipfel in Paris schlagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb im Vorfeld um Verständnis für die staatliche Rettung angeschlagener Banken.

Der IWF, der 185 Mitgliedstaaten umfasst, stellte sich hinter den G-7-Aktionsplan, der unter anderem die Rettung bedeutender Banken vor der Pleite und die Bereitstellung staatlicher Mittel für den Finanzsektor vorsieht. Der Lenkungsausschuss des IWF teilte mit, die Institution werde Kredite für Staaten bereitstellen, die durch die Finanzkrise in Not geraten seien.

Kurz darauf stimmten auch die G-20, in der die G-7 und Schwellenländer kooperieren, dem Aktionsplan zu. Die Staaten seien bereit, "alle wirtschaftlichen und finanziellen Mittel einsetzen, um die Stabilität und Funktionstüchtigkeit der Finanzmärkte sicherzustellen".

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn begrüßte die internationale Kooperation zwischen Industrie- und Schwellenländern. "Die erste Koordinierung von entwickelten Ländern und dem Rest der Welt ist jetzt unterwegs", sagte Strauss-Kahn in Washington. Zuvor hatte er jedoch in krassen Worten gewarnt, die Finanzsysteme der Welt stünden vor einer "Kernschmelze". Die Beratungen in Washington, darunter auch die regulären Jahrestagungen von IWF und Weltbank, fanden vor dem Hintergrund einer schweren Krise an den weltweiten Börsen statt, die im Laufe der vergangenen Woche massive Kurseinbrüche verzeichnet hatten.

Nachdem Experten den Aktionsplan der G-7 als zu vage kritisiert hatten, kündigte Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde in Washington an, die Staats- und Regierungschefs der Eurozone würden "konkrete" Maßnahmen verkünden. Einzelheiten nannte sie nicht. Sie gehe aber davon aus, dass auch über umfassende Bürgschaften für Interbankenkredite beraten werde. Derartige Maßnahmen werden Presseberichten zufolge auch von der Bundesregierung vorbereitet und sollten demnach von Merkel auf dem Gipfel am Sonntagabend, also noch vor Öffnung der Märkte am Montag, verkündet werden. Insgesamt soll das Paket bis zu 400 Milliarden Euro umfassen.

Merkel wirbt um Verständnis

Merkel wirbt um Verständnis

Merkel warb schon im Vorfeld des Gipfels in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" bei der Bevölkerung für Verständnis für staatliche Stützungsmaßnahmen. "Nur ein Handeln des Staates kann jetzt das notwendige Vertrauen zurückbringen", sagte Merkel. Dabei sei wichtig, dass nicht jedes Land einzeln handele, sondern dass das Vorgehen international koordiniert werde. "Wir tun das nicht im Interesse der Banken, sondern im Interesse der Menschen", beteuerte die Kanzlerin.

Der britische Premier Brown, dessen Land nicht zur Eurozone gehört, der aber zu dem Treffen in Paris ebenfalls eingeladen war, riet seinen EU-Kollegen, sich bei ihren Beschlüssen an Großbritannien zu orientieren. Sein Land, das am Mittwoch eine Teilverstaatlichung angeschlagener Banken verkündet hatte, könne "den Weg zeigen", schrieb Brown in einem Beitrag für den "Sunday Mirror". "Ich werde nach Paris fahren, um die anderen europäischen Länder zu überzeugen, den gleichen umfassenden Ansatz zu wählen, den wir in Großbritannien angewendet haben."

manager-magazin.de mit Material von afp

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