Anteilsverkauf Schickedanz verliert Mehrheit an Arcandor

Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz hat nach dem Verkauf eines Aktienpakets an Sal. Oppenheim nun offiziell die Mehrheit an dem Handels- und Touristikkonzern verloren. Unterdessen müssen sich viele Mitarbeiter der Töchter Karstadt und Primondo auf Sparmaßnahmen des Konzerns einstellen.

Essen - Madeleine Schickedanz hält nicht mehr die Mehrheit an dem Handels- und Touristikkonzern Arcandor. Am 28. September habe ihr Anteil die 50-Prozent-Schwelle durchbrochen und sei auf 34,55 Prozent gesunken, gab der Konzern am Freitag in einer Stimmrechtsmitteilung bekannt.

Der Stimmrechtspool um die Quelle-Erbin hatte an diesem Tag ein Aktienpaket von knapp 16 Prozent an die Privatbank Sal.Oppenheim verkauft. Einen Tag später wurde eine Kapitalerhöhung durchgeführt, wodurch sich die Anteile weiter verwässern werden.

Sal.Oppenheim hat zudem angekündigt, weitere Arcandor-Aktien von Schickedanz übernehmen zu wollen. Am Ende will sich die Bank so 29,5 Prozent der Arcandor-Anteile sichern. Der Schickedanz-Anteil dürfte am Ende auf unter 30 Prozent sinken.

Sparpaket für Karstadt und Primondo

Die Beschäftigten des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor müssen unterdessen den Gürtel enger schnallen. Bei den beiden Töchtern Karstadt und Primondo sowie der Arcandor-Holding sollen über die kommenden drei Jahre Personalkosten "im nicht näher bezifferten Umfang" eingespart werden, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Darauf hätten sich im Kern Management, Betriebsräte und die Gewerkschaft ver.di geeinigt.

In Kürze sollen die Verhandlungen zu den Einzelheiten des Sparpakets beginnen. Im Gegenzug sollen bestehende Arbeitsplätze "weitestgehend" erhalten werden. Ausgenommen von den Sparmaßnahmen ist die Reisetochter Thomas Cook.

Der Konzern hatte sich erst vergangene Woche nach langem Ringen mit den Banken neue Kreditzusagen gesichert und durch den Einstieg der Privatbank Sal. Oppenheim frisches Kapital verschafft. Im Zuge der sich hinziehenden Verhandlungen und der Zuspitzung der Finanzkrise war die Aktie des im MDAX notierten Konzerns stark eingebrochen.

Mit den geplanten Maßnahmen wolle Arcandor seine operativen Bereiche unabhängiger von der Finanzierung durch die Banken machen, erklärte ein Sprecher. Der Konzern spricht von einem "Zukunftspakt". Nach dem Auslaufen des Programms sollen die Beschäftigten dann eine Erfolgsbeteiligung erhalten.

Karstadt beschäftigt in Deutschland 30.000 Mitarbeiter und Pimondo 15.000. Wie viele der Beschäftigten am Ende betroffen sein werden, steht laut Arcandor noch nicht fest. Offen ist auch noch wie die Personalkosten gesenkt werden sollen, etwa durch die Streichung übertariflicher Leistungen oder durch den Verzicht auf Lohnerhöhungen.

Im Warenhaus und im Versand hat der frühere KarstadtQuelle-Konzern Mitarbeitern bereits in der Vergangenheit Lohnzugeständnisse abgerungen. Im Zuge der Sanierung wurden auch viele Arbeitsplätze abgebaut. Erst Mitte August dieses Jahres hatte Konzernchef Thomas Middelhoff angekündigt, dass bei Karstadt abseits des Service-Personals erneut Stellen gekappt werden könnten. Denn bei den Warenhäuser kommt das Geschäft angesichts der Konsumflaute nicht in Schwung. Der Bereich schrieb zuletzt rote Zahlen. Der Versandhandel hatte es im vergangenen Quartal nach langer Zeit mit Verlusten knapp in die schwarzen Zahlen geschafft und soll in dem Ende September auslaufenden Geschäftsjahr wieder profitabel sein.

Einziger richtiger Gewinnbringer im Konzern ist Thomas Cook, der auch von den geplanten Sparmaßnahmen verschont bleibt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap

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