Wachovia Citigroup gibt auf

Für Wells Fargo mit Großaktionär Warren Buffett ist der Weg an die Spitze der US-Banken frei. Die Citigroup beendet den Übernahmekampf um Wachovia, fordert aber 60 Milliarden Dollar Schadensersatz. Vor einer Woche sah es noch so aus, als würde der Wachovia-Notverkauf mit Staatshilfe Citi an die Branchenspitze zurückführen.

New York - Die Verhandlungen zwischen der US-Bank Citigroup  und ihrer Konkurrentin Wells Fargo  über eine Übernahme des angeschlagenen Instituts Wachovia  sind gescheitert. Es gebe dramatische Unterschiede in der Geschäftsabwicklung und der Risikoeinschätzung beider Geldhäuser, teilte die Citigroup am Donnerstagabend in New York mit. Damit sei es unmöglich gewesen, eine beidseitig akzeptable Vereinbarung zu erreichen.

Die Citigroup wolle nun stattdessen ihre Schadensersatzklage gegen Wachovia in Höhe von 60 Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro) weiter verfolgen. Die Übernahme von Wachovia durch Wells Fargo will Citigroup aber nicht mehr blockieren.

Wachovia zeigte sich erfreut über Scheitern der Gespräche und bekräftigte die Absicht zum Zusammenschluss mit Wells Fargo. "Wir begrüßen, dass Citigroup seine Versuche aufgegeben hat, sich in die geplante Fusion zwischen Wachovia und Wells Fargo einzumischen", hieß es in einer Mitteilung des Instituts. Man freue sich darauf, die angestrebte Fusion mit Wells Fargo zu vollenden.

Auch Wells Fargo kündigte an, die Fusionsgespräche mit Wachovia würden fortgesetzt. Eine Übereinkunft solle bis zum Ende des vierten Quartals 2008 gefunden werden. Die US-Notenbank Federal Reserve, die bislang die Citigroup unterstützte, kündigte an, nun umgehend das Übernahmeangebot von Wells Fargo zu prüfen.

In dem spektakulären Übernahmekampf ist die Citigroup Anfang der Woche gegen Wells Fargo und Wachovia vor Gericht gezogen. Wells Fargo hatte Verhandlungen mit Wachovia aufgenommen, obwohl sich die Citigroup ein Exklusivrecht gesichert hatte. Diese Vorgabe wurde allerdings von einem US-Gericht außer Kraft gesetzt.

Mit Warren Buffett zur Nummer eins

Mit Warren Buffett zur Nummer eins

Die Citigroup hatte Anfang vergangener Woche unterstützt von den Behörden den Kauf großer Teile der kriselnden Wachovia für 2,2 Milliarden Dollar verkündet, nachdem Wachovias Suche nach einem Käufer ergebnislos geblieben war. Die Citi wollte in dem von Notenbankchef Ben Bernanke ausdrücklich begrüßten Deal zwar einen Teil der Wachovia-Schulden, aber nicht die Vermögensverwaltung und den zu Wachovia gehörenden Börsenbroker übernehmen.

Vier Tage später gab Wells Fargo überraschend mit Wachovia die Komplettübernahme per Aktientausch im weit höheren Wert von rund 15 Milliarden Dollar bekannt. Die Citigroup wirft Wachovia Vertragsbruch vor. Zuletzt hatten die Rivalen einen juristischen Burgfrieden vereinbart und über eine Aufspaltung von Wachovia verhandelt.

Die Fed als zuständige Aufsicht dringt angesichts der Schieflage von Wachovia seit Tagen auf eine rasche Lösung. Die Bank verspekulierte sich in der Kreditkrise massiv und steht vor weiteren hohen Milliardenverlusten. Durch eine Übernahme würde die trotz der Finanzmarktkrise profitable Großbank Wells Fargo zur Spitze im US-Privatkundengeschäft zählen - eine Position, die vor der Krise die Citigroup innehatte.

Wells Fargo und Wachovia sind nun aber Beobachtern zufolge in der Zwickmühle: Sollte die Citigroup-Klage Erfolg haben, wäre die Zahlung eine enorme Belastung für den neuen Konzern. Spekuliert wird daher über eine außergerichtliche Einigung auf eine niedrigere Summe. Die Citigroup betonte zugleich, sie sei auch weiter zu der von Wachovia abgelehnten Übernahme unter den ursprünglichen Konditionen bereit.

Wachovia besitzt rund 3300 Filialen mit Schwerpunkt an der Ostküste und in der Mitte der USA. Die Konzernzentrale liegt in Charlotte (North Carolina), einem der Finanzzentren des Landes neben New York. Wells Fargo mit Sitz in San Francisco und etwa ebenso vielen Zweigstellen ist dagegen besonders an der Westküste stark. An Wells Fargo ist der Multimilliardär Warren Buffett als Großaktionär beteiligt.

Gemeinsam hätten Wells Fargo und Wachovia gut 1,4 Billionen Dollar Einlagen, 48 Millionen Kunden und 280.000 Beschäftigte. Sie würden damit in einer Liga mit den riesigen Universalbanken Bank of America  und J. P. Morgan Chase spielen, die sich beide in der Krise um weitere Großbanken verstärkten.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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