Samstag, 17. August 2019

Zinssenkung Die Ohnmacht der Zentralbanken

Sechs führende Zentralbanken haben gleichzeitig die Leitzinsen gesenkt. Die gemeinsame Aktion zeigt, wie ernst die Gefahr einer globalen Rezession und wie unwichtig plötzlich die Angst vor Inflation ist. Doch kann sie helfen, eine Kreditklemme abzuwenden?

Hamburg - Die Börse hat ihr Urteil schnell gefällt. Um 13 Uhr kam die Nachricht, die als Befreiungsschlag gedacht war: Die Notenbanken der Euro-Zone, der USA, der Schweiz, Großbritanniens, Schwedens und Kanadas senken synchron ihre wichtigsten Ausleihzinsen um 0,5 Prozentpunkte. Die Bank von Japan, deren Leitzins ohnehin nur 0,5 Prozent beträgt, unterstützt die Aktion.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Die Erleichterung hielt zwei Stunden
"Die Zentralbanken haben damit ein klares Signal gesendet, dass sie alles tun werden, um eine weitere Verschärfung der Finanzkrise zu verhindern", erklärt der Bundesbankpräsident Axel Weber, bislang einer der strengsten Verfechter einer Politik hoher Zinsen im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB).

Eine Welle der Erleichterung macht sich an den Börsen breit. Doch schon um 15 Uhr standen die Aktienkurse wieder da, wo sie vor der Entscheidung der Zentralbanken waren: Alle wichtigen europäischen Indizes lagen rund 5 Prozent im Minus. Auch danach blieb Angst vor einer globalen Rezession die vorherrschende Stimmung.

Sind die Börsianer undankbar? Immerhin ist es für die Frankfurter EZB die erste Zinssenkung seit fünf Jahren - und für die "Falken" um Weber das Eingeständnis, dass sie mit ihrer ständigen Betonung der Inflationsrisiken in den vergangenen Monaten daneben lagen. Die EZB begründet ihre Entscheidung, die "Intensivierung" der Finanzkrise habe "die Abwärtsrisiken für das Wachstum erhöht und damit die Aufwärtsrisiken für die Preise weiter reduziert". Ohnehin sei die von den Energie- und Rohstoffmärkten ausgehende Gefahr steigender Inflationsraten gebannt.

Vor gerade drei Monaten hatte die EZB das noch genau andersherum gesehen und mit dieser Begründung den Leitzins erhöht. Der Ökonom Heiner Flassbeck, Direktor für Globalisierungsfragen bei der Genfer Uno-Behörde UNCTAD, hatte schon damals im Gespräch mit manager-magazin.de vorausgesagt, die EZB werde "spätestens im Herbst ihren Kurs korrigieren müssen", weil der Wirtschaftsabschwung eine größere Gefahr darstelle als die Inflation - und wegen dieses Kurswechsels werde sie "auf Jahre an Glaubwürdigkeit einbüßen".

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