Krisenticker Gewinn der Bank of America bricht ein

Die Finanzkrise greift auf die Konzerne über: Der BDI fürchtet eine Kreditklemme, SAP schockt mit einer Umsatzwarnung. Die Minister der Eurogruppe wollen "systemrelevante" Geldinstitute retten. Einen Gewinneinbruch meldet die Bank of America. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.51 Uhr: Die Kreditkrise hat die Geschäfte der Bank of America  deutlicher in Mitleidenschaft gezogen als erwartet. Die größte US-Bank teilte am Montag zwei Wochen früher als erwartet mit, dass ihr Gewinn im dritten Quartal auf 1,18 Milliarden Dollar von 3,7 Milliarden im Vorjahreszeitraum geschrumpft ist. Das entspricht einem Rückgang von mehr als 68 Prozent. Mit einem Gewinn je Aktie von 15 Cent bleibt Bank of America weit hinter den Erwartungen der Experten zurück, die um Sonderposten bereinigt mit 60 Cent je Aktie gerechnet hatten. Die Bank kürzte ihre Dividende und kündigte an, sich zehn Milliarden Dollar zusätzliches Kapital beschaffen zu wollen. Bank-of-America-Aktien gaben nachbörslich nach.

22.41 Uhr: Die Finanzminister der Eurogruppe haben sich auf Leitlinien für die Rettung angeschlagener Banken verständigt. "Wir sind uns einig, dass alles getan werden muss und wird, dass systemrelevante Finanzinstitute nicht Konkurs anmelden müssen", sagte der luxemburgische Ministerpräsident und Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, am Montagabend nach fünfstündigen Beratungen in Luxemburg. Der Staat müsse zur Rettung einer Bank rechtzeitig eingreifen, wobei die Intervention zeitlich begrenzt sein müsse. Für die Rettung der Banken müssten die Mitgliedstaaten auf nationaler Ebene sorgen.

Hauptanliegen sei nicht, die Anteilseigner einer Bank zu unterstützen, sondern das Interesse der Steuerzahler zu wahren. Wenn der Staat bei einer Bank einsteige, müsse er auch Einfluss bekommen auf die Zusammensetzung und die Vergütung des Managements.

21.42 Uhr: Die internationale Finanzmarktkrise wird nach Einschätzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) die Kreditbedingungen für Unternehmen erschweren. "Es wird für die Unternehmen schwieriger und teurer werden, Kredite zu bekommen", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf der "Financial Times Deutschland". Dass sich die Finanzkrise in den kommenden Monaten auch auf die Realwirtschaft auswirken werde, "wird sicher so sein", sagte Schnappauf.

21.39 Uhr: Angesichts der dramatischen Finanzkrise prüft die Union schärfere Regeln für die Haftung und die Vergütung von Spitzenmanagern. "Es ist originäre Aufgabe des Gesetzgebers, durch zivil- und strafrechtliche Haftungstatbestände die gebotenen Grenzen zu markieren", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, in einem Zeitungsinterview. Die jüngsten Ereignisse bei deutschen Banken hätten die Volkswirtschaft und den gesellschaftlichen Wohlstand gefährdet. Deshalb werde in der Union über die Höhe der Managerhaftung diskutiert. Im Gespräch ist eine Marke von bis zu zwei Jahresgehältern.

21.22 Uhr: Der Kurs des Euro  hat am Montagabend angesichts der sich verschärfenden Kreditkrise in Europa noch weiter nachgegeben. Er sank bis 21.20 Uhr auf 1,3345 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juni 2007. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3634 (Freitag: 1,3834) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7335 (0,7229) Euro.

20.46 Uhr: Bundespräsident Horst Köhler hat zur Besonnenheit in der Bankenkrise aufgerufen. Niemand dürfe jetzt in Panik geraten. "Die Krise ist menschengemacht, also können Menschen sie auch wieder lösen", sagte Köhler am Montag bei einem Besuch in Herne im Ruhrgebiet. "Es braucht überhaupt keine Stimmung aufzukommen, wir könnten das Thema nicht lösen", betonte der ehemalige Sparkassenpräsident und Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds mit Blick auf die Anstrengungen der Bundesregierung.

20.00 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am morgigen Dienstag im Bundestag eine Regierungserklärung zur Bankenkrise abgeben. Dies teilte FDP-Partei- und Fraktionschef Guido Westerwelle am Montagabend nach einer Unterrichtung der Vorsitzenden aller Bundestagsfraktionen im Kanzleramt mit. Merkel und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatten die Fraktionschefs über den aktuellen Stand der Krise um den Finanzkonzern Hypo Real Estate  verständigt.

19 Uhr: Ermittlungen gegen die KfW

19.29 Uhr: Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main untersucht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" intensiv die Pannen bei der Staatsbank KfW. Gut 30 Bürger hätten gegen die staatliche Bank Anzeige erstattet, berichtet das Blatt in seiner Dienstagausgabe. Die Kfw hatte kurz vor der Pleite des US-Finanzinstituts Lehman Brothers  noch 319 Millionen Euro an dasselbige überwiesen. Die Staatsanwaltschaft werte Revisions- und Wirtschaftsprüfberichte aus.

Darüber hinaus sei ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Untreue gegen den gesamten KfW-Vorstand einschließlich des neuen Bankchefs Ulrich Schröder und seiner Vorgängerin Ingrid Mätthaus-Meier eingeleitet worden.

19.07 Uhr: Im Tauziehen um die viertgrößte US-Bank Wachovia  fordert der US-Finanzkonzern Citigroup  bei einem Scheitern der bereits angekündigten Übernahme Schadensersatz und Strafzahlungen von 60 Milliarden Dollar. Eine entsprechende Klage sei schon eingereicht, teilte die Citigroup am Montag in New York mit. Die durch die Kreditkrise angeschlagene Wachovia hatte den Kauf durch Citigroup am vergangenen Freitag überraschend abgesagt. Die Bank verkündete stattdessen mit der US-Großbank Wells Fargo einen Kauf zu einem weit höheren Preis. Wells Fargo will Wachovia über einen Aktientausch im Wert von rund 15 Milliarden Dollar übernehmen.

17.55 Uhr: Die Kurse an den wichtigsten Börsen Lateinamerikas sind am Montag angesichts der Panik von Anlegern in den Keller gestürzt. Nachdem der Bovespa-Index im brasilianischen São Paulo um 15,06 Prozent kollabierte, wurde der Handel um 11.44 Uhr Ortszeit zum zweiten Mal für eine weitere Stunde ausgesetzt. Auch die Börsen in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires und in Mexiko- Stadt fielen zeitweise um rund zehn Prozent. In allen drei Ländern stieg der Kurs des US-Dollar rapide. Händler sprachen am größten Aktienmarkt Lateinamerikas in São Paulo von Panikverkäufen.

17.25 Uhr: Der Softwarekonzern SAP  hat die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise zu spüren bekommen und einen deutlichen Nachfragerückgang verzeichnet. Die Entwicklung an den Finanzmärkten habe unmittelbar vor Ende des dritten Quartals zu einem "abrupten und unerwarteten Abschwung unseres Geschäfts" geführt, teilte SAP am Montag mit. Die jüngsten Geschäftszahlen lägen daher unter den Erwartungen.

16.39 Uhr: Alle 27 EU-Staaten wollen im eigenen Land Maßnahmen ergreifen, um die Stabilität des jeweiligen Bankensystems zu gewährleisten. Sie folgten damit am Montag der Erklärung der vier großen EU-Staaten vom Samstagabend. Jeder werde das Notwendige tun, sei es durch Zufluss von Liquidität aus den Zentralbanken, durch gezielte Maßnahmen für bestimmte Banken oder durch stärkeren Einlagenschutz, erklärte der französische Ratspräsident Nicolas Sarkozy in Paris.

"Kein Einleger bei den Banken unserer Länder hat Verluste erlitten und wir werden weiterhin Maßnahmen ergreifen, um das System und die Einleger zu schützen", hieß es. Die 27 EU-Staaten bekräftigten die "Notwendigkeit einer engen Koordination und Zusammenarbeit". "Angesichts der Krise war Europas Einigkeit notwendig", sagte Sarkozy. "Das ist jetzt erreicht."

16 Uhr: Fed pumpt und pumpt

16.26 Uhr: Die internationale Bankenkrise hat zum Wochenstart an der Börse im brasilianischen São Paulo Panik ausgelöst. Schon 18 Minuten nach dem Beginn der Geschäfte wurde der Handel am größten Aktienmarkt Lateinamerikas am Montag ausgesetzt, nachdem der Leitindex Bovespa um mehr als 10 Prozent abgesackt war. Nach einer halben Stunde wurde der Handel zunächst wieder aufgenommen.

15.41 Uhr: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat Hilfen der EU zur Bewältigung der Finanzmarktkrise angekündigt. Die Regierungen würden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die finanzielle Stabilität der Märkte zu gewährleisten, sagte Berlusconi am Montag. Außerdem würden die EU-Staaten dafür sorgen, dass die Bürger ihre Spareinlagen nicht verlieren. Italienischen Regierungskreisen zufolge wollen führende europäische Politiker die Märkte mit einer gemeinsamen Erklärung beruhigen.

15.06: Die US-Notenbank Fed gibt weiter Milliarden an frischer Liquidität in das immer mehr austrocknende Finanzsystem. Sie kündigte am Montag eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen an, um die Liquiditätsversorgung der angeschlagenen Geld- und Kreditmärkte sicherzustellen. Wie die Fed in Washington mitteilte, wird sie unter anderem die Höhe ihrer 28 und 84 Tage laufenden Dollarauktionen ab sofort auf jeweils 150 Milliarden Dollar ausweiten. Damit steigt das Gesamtvolumen dieses im Dezember 2007 zur Stabilisierung der Märkte aufgelegten speziellen Refinanzierungsprogramms auf 900 Milliarden Dollar.

Wie die Fed weiter mitteilte, wird sie außerdem Banken ab sofort Zinsen auf bei ihr gehaltene Mindestreserven zahlen. Der Zins werde zehn Basispunkte unterhalb des Leitzinses liegen, derzeit also bei 1,9 Prozent. Bislang bekommen die Banken von der Fed keinen Zins auf das bei ihr gehaltene Geld.

14.29 Uhr: Der Finanzkonzern Bank of America hat nach der Übernahme des großen US-Immobilienfinanzierers Countrywide einem Milliardenvergleich zugunsten amerikanischer Hausbesitzer zugestimmt. Rund 400.000 in Not geratene Kreditnehmer sollen Erleichterungen von insgesamt mehr als 8,4 Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro) erhalten. Die Einigung ist Behörden zufolge der bislang größte Vergleich dieser Art in den USA und soll den Weg für weitere Abkommen mit anderen Banken ebnen.

13.48 Uhr: Die isländische Börse in Reykjavik hat am Montag den Handel mit Aktien aus der Finanzbranche komplett gestoppt. Davon betroffen sind auch die größten Banken des Landes, Kaupthing, Glitnir und Landsbanki. Glitnir konnte in der Vorwoche nur durch Übernahme von 75 Prozent der Anteile durch die Regierung vor dem Zusammenbruch gerettet werden.

Ministerpräsident Geir Haarde kündigte Sofortmaßnahmen zur Sicherung des Finanzsektors an. Die isländischen Banken hatten in den letzten Jahren international extrem stark expandiert und gelten mit ihrem Kreditvolumen als viel zu groß für nationale Rettungsmaßnahmen auf der Nordatlantikinsel mit gut 300.000 Einwohnern. Mit einer Inflationsrate von 15 Prozent und Leitzinsen von 15,5 Prozent war Island schon vor Ausbruch der internationalen Finanzkrise stark angeschlagen.

13.42 Uhr: Die europäische Autoindustrie bittet die EU-Politik angesichts der andauernden Finanzkrise um Hilfe. Die Hersteller ersuchten die Europäische Union, eine Reihe von Unterstützungsmaßnahmen zu prüfen, hieß es in einer Erklärung des Hersteller-Verbandes ACEA am Montag in Brüssel. Es gehe um ein niedrig verzinstes Kreditpaket über 40 Milliarden Euro zur Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge, sowie Anreize für Kunden, Autos, die älter als acht Jahre seien, auszutauschen. Solche Anreize könnten nach Einschätzung der Industrie 36 Monate gelten.

12 Uhr: Der Papst meldet sich zu Wort

12.49 Uhr: Im Übernahmekampf um die viertgrößte US-Bank Wachovia  steht US-Medien zufolge als Kompromiss eine Zerschlagung des Instituts zur Diskussion. Die beiden Kaufinteressenten Citigroup  und Wells Fargo verhandelten über eine Aufteilung der Bank, berichtete das "Wall Street Journal" am Montag. Die US-Notenbank dringe auf eine rasche Einigung.

Wachovia war im Zuge der Kreditkrise wegen Milliardenverlusten massiv unter Druck geraten. Die Citigroup hatte vor einer Woche unterstützt von den Behörden den Kauf weiter Teile der Bank für 2,2 Milliarden Dollar angekündigt. Am Freitag gab dann überraschend Wells Fargo gemeinsam mit Wachovia die Komplettübernahme per Aktientausch im weit höheren Wert von rund 15 Milliarden Dollar bekannt.

12.01 Uhr: Die jüngste Finanzkrise wird nach Ansicht des Chefs des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn in zahlreichen Ländern das Wachstum bremsen. "Die Krise hat starke indirekte Folgen, das Wachstum wird sich in vielen Ländern verlangsamen", sagte Strauss-Kahn am Rande eines EU-Forums zu den europäischen Beziehungen zu Lateinamerika am Montag in Paris. Als Beispiele nannte er China und Brasilien. Das Preisniveau werde sich weltweit stabilisieren, aber weiterhin höher sein als vor der Krise, fügte er hinzu.

11.49 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das weitere Rettungspaket für den angeschlagenen Baufinanzierer Hypo Real Estate (HRE) als alternativlos verteidigt. Es sei gelungen, eine wichtige Bank zu stabilisieren, und dies sei ohne Alternative gewesen, sagte Merkel am Montag bei der Bundesdelegiertenversammlung der Senioren-Union in Wiesbaden. Ansonsten hätte es eine Reaktion gegeben, die nicht zu verantworten gewesen wäre. Sie habe am Sonntag zudem "sehr bewusst" ein Signal an die Sparer gesetzt und diesen gesagt, dass ihre Einlagen sicher seien. Es werde jetzt Vertrauen gebraucht.

11.27 Uhr: Jetzt hat auch Papst Benedikt XVI. Stellung zur internationalen Finanzkrise genommen und darauf verwiesen, dass es Werte gebe, die wesentlich wichtiger als Geld seien: "Wir sehen jetzt durch den Zusammenbruch der großen Banken, dass Geld einfach verschwindet, dass es nichts bedeutet, und dass alle Dinge, die uns so wichtig erscheinen, in Wirklichkeit zweitrangig sind", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag bei der Bischofssynode in Rom.

"Wer das Haus seines eigenen Lebens nur auf sichtbare und materielle Dinge - wie Erfolg, Karriere und Geld - aufbaut, der baut auf Sand", erklärte Benedikt weiter. Nur das Wort Gottes sei die einzig dauerhafte Realität, fügte er hinzu.

09 Uhr: Dax stürzt ab

10.55 Uhr: Ungeachtet der Turbulenzen an den Finanzmärkten sieht die Commerzbank  die Übernahme der Dresdner Bank nicht in Gefahr. "Die Dresdner-Übernahme läuft nach Plan", sagte ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

10.25 Uhr: Dax  sinkt unter 5500 Punkte - erstmals seit Juli 2006.

10:05 Uhr: Die deutschen Banken werden nach Angaben von Finanzminister Peer Steinbrück das jetzt aufgestockte Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) vor allem durch Beleihung von Wertpapieren finanzieren, die bislang nicht von den Notenbanken akzeptiert wurden. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich bereiterklärt, über diesen Weg die Liquidität auszuweiten, sagte Steinbrück am Montag vor Journalisten in Berlin.

09:55 Uhr: Der Chef der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate, Georg Funke, wird Finanzkreisen zufolge in den nächsten Tagen zurücktreten. Der wegen der Schieflage des Dax-Konzerns in die Kritik geratene Manager werde, nachdem die Details zum Rettungspaket endgültig ausgehandelt seien, aller Voraussicht nach das Unternehmen verlassen, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

09:34 Uhr: Der Großaktionär des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), die Investorengruppe um J. C. Flowers, hält trotz der dramatischen Entwicklung um das Unternehmen an seiner Beteiligung fest. Die Investorengruppe werde ihren Anteil von 24,9 Prozent weiterhin nicht verkaufen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Montag aus Finanzkreisen. Flowers war im Frühjahr für mehr als eine Milliarde Euro bei dem Dax-Konzern eingestiegen. Durch den Kursrutsch vergangene Woche ist der Wert des Aktienpakets drastisch gesunken.

09:14 Uhr: Angesichts der sich weiter verschärfenden Finanzkrise ist der Dax  mit einem Kursrutsch von 4,3 Prozent auf 5547 Zähler in die neue Woche gestartet.

Unter Druck gerieten in den ersten Handelsminuten insbesondere die Aktien der Hypo Real Estate , die um 52 Prozent einbrachen. Bund und Finanzwirtschaft hatten erneut ein Rettungspaket aufgelegt. "Niemand weiß, wie groß das Loch bei der Hypo Real Estate ist, und niemand will in dieses Loch hinein investieren", sagte ein Börsianer.

Im Sog der Kursverluste bei der HRE gerieten auch andere Finanzwerte unter Druck. Commerzbank-Titel  rutschten im frühen Handel 17 Prozent, Postbank  10 und Deutsche Bank  7 Prozent ab. Die im MDax  notierten Aktien der Aareal Bank  gaben 22 Prozent nach.

08.45 Uhr: Nach dem Rettungspaket für den Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate hat sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) für einen Risikoschirm für die gesamte Finanzbranche ausgesprochen. "Wir müssen jetzt versuchen, über eine singuläre Lösung bei Hypo Real Estate in Deutschland insgesamt einen Schirm zu spannen, damit wir nicht von einem Fall zu dem anderen Fall geraten", sagte Steinbrück am Montag im Deutschlandfunk. Es dürfe aber auch kein neuer Fall herbeigeredet werden, betonte der Minister. Zugleich forderte Steinbrück eine Ablösung der HRE-Führung. Er halte es für undenkbar, dass das Management nun weiter mache. Auch Banken seien dagegen.

08.33 Uhr: Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Entlassung der Manager des angeschlagenen Immobilienfinanzierers HRE verlangt. Es werde "höchste Eisenbahn, dass das Management der Hypo Real Estate in die Wüste geschickt wird" - und zwar möglichst ohne "Goldenen Handschlag", sagte Kauder am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

08.16 Uhr: Die HRE-Aktie  wird vorbörslich bei Lang und Schwarz mit minus 46,07 Prozent bei 4,05 Euro gehandelt. Der Dax  wird zum Marktstart auf Jahrestief erwartet.

Montag, 3 Uhr: Der ums Überleben kämpfende Baufinanzierer Hypo Real Estate (HRE) hat die Einigung auf einen weiteren Liquiditätskredit in Höhe von 15 Milliarden Euro begrüßt. "Wir sind für die Unterstützung sehr dankbar", hieß es in einer am Montagmorgen veröffentlichten Erklärung des Vorstandschefs Georg Funke.

Politiker von Union und Grünen fordern den HRE-Vorstandsvorsitzenden Funke unterdessen zum schnellen Rücktritt auf. Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, sagte der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) laut Vorabbericht: "Wer 35 Milliarden Euro sagt und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr. Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen."

23 Uhr: "Wir haben ein Ergebnis"

23.10 Uhr: Das Finanzministerium bestätigt: Das neue Rettungspaket für die HRE ist beschlossene Sache. "Mit dieser gemeinschaftlich gefundenen Lösung wird das Institut stabilisiert und damit der Finanzplatz Deutschland in schwierigen Zeiten gestärkt", erklärt das Ministerium.

Die Lösung im Einzelnen: Der Finanzsektor wird wie bereits vermutet seine Notkredite verdoppeln und der HRE-Gruppe einen weiteren, ebenfalls besicherten Liquiditätskredit in Höhe von 15 Milliarden Euro gewähren. Gemeinsam mit den von der Deutschen Bundesbank und dem Finanzsektor zur Verfügung gestellten Kreditlinien ergibt sich damit ein Kreditrahmen von 50 Milliarden Euro.

Der vom Bund zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro bleibe unverändert. Bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro trage der Finanzsektor 60 Prozent und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Inanspruchnahme der Garantie ergeben könnten.

23 Uhr: Bei den Gesprächen zur Rettung des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate hat es nach Angaben der Finanzmarktaufsicht Bafin ein Ergebnis gegeben. Bafin-Chef Jochen Sanio sagte am Sonntagabend in Berlin: "Wir haben ein Ergebnis." Gefragt nach den Inhalten, sprach Sanio lediglich von einem "guten Ergebnis".

22.30 Uhr: "Wir haben noch keine Lösung, doch es zeichnet sich eine ab", erklärt Finanzminister Peer Steinbrück. Es müsse eine Lösung gefunden werden, "und zwar im Interesse Deutschlands". Angestrebt werde eine Einigung noch vor der Eröffnung der asiatischen Börsen am Montag.

Zu möglichen Konsequenzen aus der Krise um die HRE sagte Steinbrück: "Ich habe keinen Grund, dieses Bankenmanagement .... zu schonen." Zur Entscheidung der Bundesregierung, eine Staatsgarantie für alle privaten Einlagen abzugeben, sagte Steinbrück: "Wir wollen ein Signal der Sicherheit für die Sparer aussenden." Die Spareinlagen seien nicht in Gefahr. Die Garantie bis zu einer Gesamthöhe von 568 Milliarden Euro erstrecke sich aber nur auf "die Einlagen von Sparerinnen und Sparern auf Girokonten und auf Sparkonten".

Auf die Führungsspitze der HRE ist der Finanzminister nicht gut zu sprechen: "Die Bundesregierung fühlt sich definitiv falsch informiert von diesem Management. Und damit drücke ich mich sehr höflich aus."

22 Uhr: Steinbrück dämpft Erwartungen an eine rasche Lösung. "Es wird noch verhandelt", sagte der SPD-Politiker im ZDF. "Wir spüren den Druck." Er könne noch keine Lösung präsentieren. Doch zeigte er sich zuversichtlich. Man erwarte, dass vor allem die Europäische Zentralbank und die Bundesbank ein "Sicherheitsfenster" öffnen werden, das die Liquidität der Hypo Real Estate weiterhin sicherstelle. Im Falle eines Scheiterns drohe ein unabsehbarer Schaden für den gesamten deutschen Finanzmarkt.

21.30 Uhr: Die Banken wollen den Umfang ihrer Notfallkredite an den Immobilienfinanzierer offenbar auf nunmehr 30 Milliarden Euro verdoppeln. Sie pochen aber unter anderem darauf, dass im Gegenzug HRE-Vorstandschef Georg Funke sowie HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz abberufen werden. Außerdem soll der Bund die Garantie für die Aufstockung übernehmen.

Einschließlich der schon vereinbarten frischen Kredite vom Notenbanksystem in Höhe von 20 Milliarden Euro würde sich das Rettungspaket für die HRE-Gruppe somit auf insgesamt 50 Milliarden Euro belaufen. Dies würde den Refinanzierungsbedarf der HRE bis Jahresende sichern.

20.30 Uhr: Ein möglicher Durchbruch zeichnet sich ab: Die Finanzbranche ist Kreisen zufolge bereit, ihre Notfallkredite für die angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) auf 30 Milliarden Euro zu verdoppeln. Im Gegenzug müsse der Bund aber die komplette Garantie für die Aufstockung übernehmen, hieß es am Sonntagabend aus Bankenkreisen. Als vorrangige Sicherheiten sollten aber weiterhin Wertpapiere der Hypo Real Estate dienen.

20.15 Uhr: Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck sagt, er gehe davon aus, dass der beschlossene Bürgschaftsrahmen des Bundes nicht erweitert werden müsse. Er sei sich sicher, weil Bundesbank und Privatbanken "wohl da mitziehen werden". Struck kündigte außerdem eine Presseerklärung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Bundesbankpräsident Axel Weber und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann an.

20 Uhr: Der Bund wird seine Bürgschaftszusagen für die in Schieflage geratene Hypo Real Estate nach Angaben von Unionsfraktionchef Volker Kauder nicht erhöhen. Damit würde es bei der Zusage des Bundes bleiben, mit 26,5 Milliarden Euro zu bürgen. "Darüber hinaus ist vom Bund nichts zu erwarten", sagte Kauder am Sonntag nach der Koalitionsrunde im Kanzleramt. Ohne näheren Hinweis sagte der Unionsfraktionschef ferner, die Privatbanken hätten ihren Beitrag zur Rettung des Immobilienfinanzierers zugesagt. Der ursprüngliche Bürgschaftsbetrag der Privaten Banken betrug 8,5 Milliarden Euro.

19 Uhr: "Wir kommen voran"

"Wir kommen voran"

19.45 Uhr: Der Krisengipfel zur Rettung der Hypo Real Estate macht Verhandlungskreisen zufolge Fortschritte. Es herrsche Zuversicht, dass bis zur Eröffnung der asiatischen Börsen am Montag eine Einigung gefunden werde, hieß es am Sonntagabend. "Wir kommen voran", sagt eine mit den Verhandlungen vertraute Person.

Die Entscheidung der Bundesregierung, eine staatliche Garantie für alle Spareinlagen zu geben, wurde in den Kreisen als sinnvoll begrüßt. Als zweiter Schritt müsse jetzt aber eine staatliche Garantie für weitere Bankverbindlichkeiten folgen. Bei den laufenden Gesprächen in Berlin habe die HRE-Rettung aber Priorität.

19.30 Uhr: Die Bundesregierung präzisiert ihre Staatsgarantie für das Geld der deutschen Sparer. "Der Staat garantiert private Einlagen in Deutschland", sagte Finanzministeriums- Sprecher Torsten Albig am Sonntagabend in Berlin. In Regierungskreisen hieß es ergänzend, diese Garantie gelte unbegrenzt. Nach Angaben des Ministeriums beläuft sich die Summe der Privateinlagen derzeit auf mehr als 500 Milliarden Euro.

Damit reagiert die Bundesregierung sowohl auf die Verunsicherung der Sparer in Deutschland als auch auf das Vorpreschen der irischen Regierung, die mit einer umfassenden Staatsgarantien für irische Geldhäuser einen Geldsog auf die grüne Insel in Gang gesetzt hatte. Für die HRE-Tochter Depfa, die aus Steuergründen vor Jahren von Wiesbaden nach Dublin umgezogen war und die Auslöser für die Krise bei der HRE ist, erklärt sich irische Regierung indessen nicht zuständig.

19 Uhr: Städte und Gemeinden in Deutschland wollen in der kommenden Woche klären, inwieweit die Krise der Hypo Real Estate Auswirkungen auf ihre finanzielle Lage hat. Sprecher des deutschen Städte- und Gemeindebundes und des Deutschen Städtetages sagten, die Folgen der Krise seien derzeit noch nicht zu überblicken. Vor allem soll geklärt werden, in welchem Umfang Kommunen entweder Geld bei der Hypo Real Estate angelegt hätten oder kommunale Bauprojekte von der Bank finanziert worden seien.

18 Uhr: Während in Berlin der Krisengipfel tagt, steigt die Nervosität der Anleger. Die Aktie der Hypo Real Estate fällt im außerbörslichen Handel bei Lang & Schwartz um mehr als 50 Prozent und notiert knapp unter 3 Euro. Viele Investoren stellen in Frage, ob bis Montagmorgen ein zweites Rettungspaket abgesegnet und die HRE damit vor dem Kollaps bewahrt werden kann. Anlegern steht am Montag ein äußerst rauer Handelstag bevor.

17 Uhr: Staatsgarantien für Spareinlagen

17.45 Uhr: Der Finanzkonzern Hypo Real Estate dementiert Medienberichte über einen deutlich erhöhten Finanzbedarf. "Auf Basis der heutigen Datenlage ist ein Liquiditätsbedarf in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro abwegig", sagt ein Sprecher der Bank am Sonntagabend.

17 Uhr: Die Bundesregierung stellt erstmals eine Staatsgarantie für Spareinlagen in Aussicht. "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag in Berlin. "Auch dafür steht die Bundesregierung ein." Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) betonte: "Sparerinnen und Sparer in Deutschland müssen nicht befürchten, auch nur einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren."

Wie es in Regierungskreisen hieß, würde damit über die bisherigen Sicherungssysteme hinaus eine Staatsgarantie für private Spareinlagen in ganz Deutschland greifen, und zwar bis zu einer Gesamtsumme von 568 Milliarden Euro. Bislang waren Einlagen bis zu 20.000 Euro je Sparer geschützt.

16 Uhr: Finanzminister Steinbrück betont, dass die Risiken der HRE nicht allein Steuerzahlern aufgebürdet werden können. Man arbeite "mit Hochdruck" an einer Lösung für die angeschlagene Hypo Real Estate. Allerdings lehne es die Bundesregierung ab, "von diesem Bankeninstitut in eine Art Mitverantwortung dafür gezogen zu werden, dass Risiken einseitig auf die Steuerzahler darüber verlagert werden." Er sei "entsetzt" über das Management der HRE, nachdem "ein weiteres Liquiditätsloch in ungeahnter Milliardenhöhe" aufgetaucht sei, sagte Steinbrück.

15.30 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt in einer Erklärung in Berlin eine rasche Lösung für die HRE an. "Die Bundesregierung sagt am heutigen Tag, dass wir nicht zulassen werden, dass die Schieflage eines Finanzinstitutes zur Schieflage des gesamten Systems führt wird", sagte Merkel. Der Schaden für Deutschland und viele Finanzdienstleister in Europa wäre im Falle einer Pleite der HRE "unabsehbar groß", ergänzt Steinbrück. Wie verlautete, sollen an einem zweiten Rettungsplan für die HRE nicht nur die Privatbanken, sondern auch die Versicherer einbezogen werden.

14 Uhr: Zahlreiche Großbanken betonen angesichts der Zuspitzung der Krise, dass ihre Liquiditätsversorgung ausreichend sei. "Der Bedarf an Liquidität ist bei der Deutschen Bank jeden Tag mehrfach überdeckt", sagt zum Beispiel Hugo Bänziger, der Risikovorstand der Bank. Der Anteil des langfristig zugesagten Kapitals sei vorsichtshalber deutlich erhöht worden.

12 Uhr: Mit Spannung wird das für den Nachmittag angekündigte Statement von Kanzlerin Merkel erwartet. Gelingt es nicht, vor Börseneröffnung am Montag ein neues Rettungspaket für die HRE zu präsentieren, droht ein neues Beben an den Börsen.

10.30 Uhr: Während Krisenmanager der Regierung in Berlin tagen, beraten in Frankfurt am Main Spitzenvertreter der deutschen Banken über eine mögliche Rettung der HRE. Die Bankenvertreter sollen am späten Nachmittag zum Krisentreffen in Berlin hinzustoßen.

Sonntag, 10 Uhr: Der Immobilienfinanzierer HRE steht nach dem Scheitern des 35 Milliarden Euro schweren Rettungspakets am Abgrund. In Berlin kommen am Sonntagmorgen Vertreter von Bundesregierung, Finanzaufsicht und Bundesbank zusammen, um über ein zweites mögliches Rettungspaket zu beraten.

Die Adhoc der HRE und die Folgen

Samstag, 23 Uhr: Die vier größten europäischen Länder wollen in enger Abstimmung das von der Finanzkrise bedrohte Bankensystem stützen. Den von Banken geforderten europaweiten Auffang-Fonds für faule Kredite nach amerikanischem Vorbild soll es jedoch nicht geben. "Uns ist bewusst, welche Verantwortung auf unseren Schultern ruht - wir müssen das Vertrauen wiederherstellen", sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem von ihm kurzfristig einberufenen Sondertreffen am Samstag in Paris. Dies bedeutet auch, dass Deutschland die Krise der HRE zunächst alleine meistern muss.

Samstag, 20.30 Uhr: Das Finanzloch beim Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist womöglich deutlich größer als bisher bekannt: Statt der bereits abgesicherten 35 Milliarden Euro könnte sich der Finanzbedarf allein bis Jahresende auf bis zu rund 50 Milliarden Euro belaufen. Bis Ende 2009 ist demnach sogar von einem Finanzbedarf von bis zu 100 Milliarden Euro die Rede.

Samstag, 20 Uhr: Die privaten Banken sind laut Presseberichten aus der geplanten 35-Milliarden-Euro-Bürgschaft ausgestiegen. Die Deutsche Bank habe bei einer Prüfung festgestellt habe, dass der kurzfristige Kredit von 15 Milliarden Euro und die langfristige Refinanzierung von 35 Milliarden Euro bis in die zweite Jahreshälfte 2009 nicht ausreichen, meldet die "Welt am Sonntag" vorab.

Samstag, 19.44 Uhr: Die Hypo Real Estate teilt in einer Adhoc-Meldung mit, dass das geplante, 35 Milliarden Euro schwere Rettungspaket gescheitert sei. Die Meldung lautet im Wortlaut: "Das letzte Woche der Hypo Real Estate Group zugesagte und angekündigte Rettungspaket in einer Gesamthöhe von bis zu Euro 35 Milliarden für einen Zeitraum bis in 2009 ist derzeit nicht länger gültig. Die vorgesehenen Maßnahmen sahen zunächst eine Liquiditätslinie einer Gemeinschaft mehrerer beteiligter Finanzinstitute vor. Diese Zusage wird nicht aufrechterhalten. Die Gruppe prüft die daraus drohenden Konsequenzen für die Einheiten des Konzerns. Es wird nach alternativen Maßnahmen gesucht.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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