Donnerstag, 2. April 2020

Hypo Real Estate Neues Rettungspaket für HRE vereinbart

Nach stundenlangem Ringen haben sich Regierung und Banken am späten Sonntagabend auf ein neues Rettungspaket für die Hypo Real Estate geeinigt. Die Banken haben ihre Kreditilinie für die HRE auf 30 Milliarden Euro verdoppelt. Damit stehen der HRE kurzfristig 50 Milliarden Euro zur Verfügung.

Berlin - Gegen 23 Uhr am Sonntagabend meldeten die Teilnehmer des Krisengipfels in Berlin den Durchbruch. "Wir haben ein gutes Ergebnis", sagte der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio.

Hypo Real: Neues Rettungspaket in letzter Minute
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Hypo Real: Neues Rettungspaket in letzter Minute
Der Finanzsektor werde der HRE-Gruppe neben den von der Deutschen Bundesbank und dem Finanzsektor bereits zur Verfügung gestellten Kreditlinien in Höhe von 35 Milliarden Euro einen weiteren, ebenfalls besicherten Liquiditätskredit in Höhe von 15 Milliarden Euro gewähren, erklärte das Finanzministerium. Damit verdoppeln die Banken ihre Notkredite an die HRE. Die Sicherung soll nach Angaben des Ministeriums über eine Neubewertung des Vermögensbestands geschehen.

Der vom Bund zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro bleibe dagegen unverändert, hieß es weiter. Bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro trage der Finanzsektor 60 Prozent und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Inanspruchnahme der Garantie ergeben könnten.

"Mit dieser gemeinschaftlich gefundenen Lösung wird das Institut stabilisiert und damit der Finanzplatz Deutschland in schwierigen Zeiten gestärkt", erklärte das Ministerium.

Ein erstes Rettungspaket für den Münchner Immobilienfinanzierer im Umfang von 35 Milliarden Euro war am Samstagabend überraschend gescheitert - offenbar weil der Finanzbedarf bei HRE erheblich höher ist als gedacht. Steinbrück rief daraufhin einen Krisengipfel nach Berlin ein, der im Wettlauf mit der Zeit vor Öffnung der Börsen in Asien eine Lösung fand.

Merkel will Sparer mit Staatgarantie beruhigen

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Staatsgarantie für alle Spareineinlagen versucht, Panik bei den Bürgern zu verhindern. Sie stellte erstmals einen Komplettschutz für alle Spareinlagen der Bürger in Aussicht. Dabei geht es nach Angaben des Finanzministeriums um 568 Milliarden Euro in Spar- und Termineinlagen und auf Girokonten, die der Staat garantiert.

Merkel sagte: "Wir werden nicht zulassen, dass die Schieflage eines Finanzinstituts zu einer Schieflage des gesamten Systems wird." Kein Sparer in Deutschland müsse sich um seine Bankeinlagen sorgen. Dafür stehe die Bundesregierung ein.

"Garantie nur für Spar- und Girokonten"

Steinbrück ergänzte, dass die Staatsgarantie für Spareinlagen nicht für Finanzinstitutionen, Zertifikate oder Investmentfonds gelte, sondern nur für Giro- und Sparkonten. Hier brauche niemand die Befürchtung zu haben, "dass das Geld futsch ist". Vor allem solle verhindert werden, dass die Bürger zur Bank liefen und ihr Geld abhöben. Die Zusage der kompletten Einlagensicherung sei als "Signal" zu verstehen.

Gesetzlich geschützt sind in Deutschland bislang 90 Prozent der Einlagen, maximal jedoch 20.000 Euro. Darüber hinaus existieren freiwillige Sicherungsfonds der Banken mit einer sehr hohen Sicherungsgrenze. Abgesichert sind pro Anleger mindestens Einlagen von 1,5 Millionen Euro. Vergangene Woche hatten bereits Griechenland und Irland umfassende Staatsbürgschaften übernommen, Großbritannien hob die Obergrenze für garantierte Bankverbindlichkeiten an.

Steinbrück zeigte sich erbost über das HRE Management und sagte, die Risiken dürften nicht einseitig auf den Steuerzahler verlagert werden. Die Bundesregierung sei sich aber "ihrer gesamtstaatlichen Verantwortung bewusst".

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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