Bürgschaft geplatzt Krisengipfel letzte Chance für Hypo Real

Wettlauf gegen die Zeit: Bis Montagmorgen muss ein neues Rettungspaket für die HRE stehen, sonst droht der Börse eine Schockwelle. Die Regierung beschwor alle Beteiligten, die HRE vor dem Kollaps zu retten. Die privaten Banken waren zuvor aus der Bürgschaft ausgestiegen, da die Rettung teurer werden dürfte als bisher angenommen.

Berlin/Frankfurt am Main - "Jetzt ist die Zeit, da alle Verantwortung zeigen müssen", sagte der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück, Torsten Albig. Es gehe darum, alle Möglichkeiten für eine Lösung zu nutzen.

Jeder müsse seiner Verantwortung gerecht werden, und zwar entsprechend seiner Verantwortungsnähe, sagte Albig. Er wies dabei darauf hin, dass sich die aktuellen Probleme aus dem Kreise der Bankenbranche aufgebaut hätten.

Albig verband seinen Appell auch mit unverhohlener Kritik an dem in Not gekommenen Finanzinstitut HRE und den privaten Banken. Weder das Unternehmen selbst noch die privaten Banken hätten die Regierung im Vorhinein über die neuen Probleme informiert, die zum Scheitern des ersten Rettungsplanes geführt hätten. "Das ist schon sehr überraschend", bemängelte Steinbrücks Sprecher.

Unterdessen nahmen nach seinen Worten Fachleute von Regierung, Bundesbank und BaFin ihre Beratungen auf. Derzeit gehe es darum, die Fakten zu sammeln, zu prüfen und daraus Konsequenzen abzuleiten. Daran anschließen würden sich Beratungen mit den anderen Beteiligten, wie etwa den Banken.

Bislang sind die für die Einigung wichtigen Frankfurter Privatbanker offenbar nicht vor Ort. Die Vertreter der Finanzwirtschaft sollen den Angaben zufolge im Laufe des Tages zu den Beratungen hinzustoßen.

Ziel sei es, bis Öffnung der Börsen am Montagmorgen in Asien eine Lösung zu finden, sagte Albig. Auch das Kanzleramt sei eingeschaltet. "Zu gegebener Zeit werden der Minister und die Kanzlerin entscheiden, ob und wie sie sich einbringen", sagte der Sprecher. Zunächst seien aber erst einmal die Fachleute gefragt.

Am Samstagabend hatte die HRE mitgeteilt, das am Wochenende zuvor mühsam ausgehandelte Rettungspaket sei hinfällig.

Das dem Institut zugesagte Paket im Volumen von bis zu 35 Milliarden Euro bis 2009 sei nicht länger gültig. Die zugesagten Kreditlinien der privaten Banken zur Deckung einer Liquiditätslücke seien aufgekündigt worden.

Bis zu 100 Milliarden Euro Kapitalbedarf

HRE braucht mehr Kapital - bis zu 100 Milliarden Euro

Die Bundesregierung hatte zusammen mit den privaten Banken die genannten Kreditlinie durch eine Bürgschaft abgesichert, von der sie mit rund 26,5 Milliarden Euro den Hauptanteil zusagte. Offenbar reichen diese Maßnahmen nun aber nicht mehr aus.

Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" brauche das Institut kurzfristig deutlich mehr Geld als bisher bekannt. Das habe die Deutsche Bank  bei einer Prüfung festgestellt. Kreisen zufolge könne der Kapitalbedarf bei 70 bis 100 Milliarden Euro liegen.

"Wir kämpfen darum, das Unternehmen zu erhalten", sagte HRE-Sprecher Hans Obermeier. Wenn ein neues Rettungspaket geschnürt werden soll, dann muss das vermutlich im Laufe des Sonntags geschehen. "Wenn es bis zur Öffnung der Aktienmärkte am Montagmorgen keine Lösung gibt, hält das Unternehmen keine zwei Tage mehr durch", sagte ein Banker.

"Rettung ohne Beteiligung der Banken nicht möglich"

"Wir können nur hoffen, dass sich alle Beteiligten der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit der Lage bewusst sind", ergänzte Obermeier. Eine Rettung ohne Beteiligung der Banken sei nicht möglich.

Zu Berichten, wonach die Liquiditätslücke der Bank bis Ende 2009 zwischen 70 bis 100 Milliarden Euro liege, wollte sich ein HRE-Sprecher nicht äußern. Warum das Konsortium seine ursprüngliche Hilfszusage zurückgezogen habe, "wissen wir nicht", sagte der Sprecher des Institus.

Ministerium war vorab nicht informiert

Finanzministerium war vorab nicht informiert

Im Umfeld von Minister Peer Steinbrück (SPD) hieß es, das Bundesfinanzministerium sei weder von der Hypo Real Estate noch vom Bankenkonsortium vorab über die veränderte Situation informiert worden. Die Regierung habe erst durch die Ad-hoc-Mitteilung der HRE erfahren, dass das Rettungspaket geplatzt ist.

Die Bundesbank und die Bafin hatten in dieser Woche die nun geplatzte Rettungsaktion als unbedingt notwendig bezeichnet, um "schwerste Störungen der Geldmärkte" zu verhindern. Steinbrück hingegen könnte wenig Neigung haben, der HRE eine noch größere Summe zur Verfügung zu stellen oder die Bank gar zu verstaatlichen.

"Es ist schon schwer verkraftbar, dass die deutschen Steuerzahler nun für Kapriolen von Banken in Dublin Docks einstehen sollen, die sich dort vor der deutschen Steuer gedrückt haben," sagte Steinbrück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung " mit Blick auf die in Dublin ansässige HRE-Tochter Depfa.

Bundesbürger laut Umfrage für Kleinanleger-Hilfen

Nach einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" fordern 71 Prozent der Deutschen, dass der Staat nicht nur Banken, sondern auch Kleinanlegern helfen soll, die ihr Vermögen infolge der Bankenkrise verlieren. Drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass Manager auch mit ihrem Privatvermögen haften sollten, wenn ihre Institute in Schieflage geraten.

23 Prozent sprachen sich dagegen aus. Die Rettung der Banken durch Steuergelder ist hingegen umstritten. 49 Prozent sagten, der Staat solle die Banken nicht vor der Pleite retten. 45 Prozent hielten dies für richtig.

Auch die neue Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, verlangte eine Entschädigung der Kleinanleger. Wenn die große Koalition 26 Milliarden Euro als Bürgschaft für die Hypo Real Estate bewillige, müsse sie auch Mittel für Kleinanleger freigeben, die ihre Notreserven verloren haben. "Da muss es Härtefallregelungen geben, sonst stimmt die soziale Balance nicht und bei den Menschen entsteht Verbitterung", sagte Mascher der Zeitung.

manager-magazin.de mit dpa/reuters/AFP/AP

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