Wiedeking "Arbeitsmäßiges Verhältnis" zu Piëch

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will sich die Möglichkeit eines Beherrschungsvertrages über Volkswagen offenhalten. Hinter den Kulissen soll es ob dieser Machtgelüste brodeln. Doch Wiedeking kann sich nicht vorstellen, dass ihn VW-Patriarch Ferdinand Piëch deshalb abschießt.

Paris - Der Sportwagenbauer Porsche  hält sich weiter die Möglichkeit offen, Volkswagen  an die kurze Leine zu nehmen. Ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag sei derzeit zwar "nicht realistisch", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking am Donnerstag auf dem Pariser Automobilsalon. "Wir wollen uns den Weg dafür aber nicht verbauen."

Wiedeking kündigte an, das Porsche "noch in diesem Jahr" seinen VW-Anteil auf über 50 Prozent ausbauen wird. Zurzeit hält Porsche gut 35 Prozent an Europas größtem Autokonzern. Branchenkreise erwarten, dass die Stuttgarter bereits im November die Mehrheit übernehmen werden.

Aber auch dann kann Porsche wegen des VW-Gesetzes in Wolfsburg nicht frei schalten und walten. Das Land Niedersachsen kann mit seinem Stimmrechtsanteil von 20,1 Prozent einen Beherrschungsvertrag verhindern. Für den Fall, dass auch die Novelle des VW-Gesetzes vom Europäischen Gerichtshof kassiert wird, schließt Niedersachsen nicht aus, den Landesanteil auf 25 Prozent aufzustocken. Dadurch will das Bundesland seinen Einfluss bei dem größten Arbeitgeber in der Region wahren.

Zu Spekulationen über seine mögliche Ablösung sagte Wiedeking über sich selbst: "Sie sehen hier einen sehr relaxten Westfalen." Porsche-Finanzchef Holger Härter und er selbst "machen unseren Job ordentlich", so Wiedeking. Sein Verhältnis zu VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch beschrieb der Porsche-Chef als "arbeitsmäßig".

Seit einigen Wochen gibt es Spekulationen, Piëch wolle Wiedeking ablösen, weil der ihm im Zuge der VW-Übernahme zu mächtig geworden sei. Wiedeking sagte: "Ich schätze Herrn Piëch sehr, daran besteht kein Zweifel." Der Porsche-Chef machte abermals deutlich, dass er an der Mitbestimmungsvereinbarung für die Porsche-Europaholding festhält. Eventuelle Neuverhandlungen seien Angelegenheit der beiden Belegschaften und der IG Metall. "Ich bin da völlig außen vor."

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh entgegnete umgehend: "Herr Wiedeking ist bei der Mitbestimmung nicht außen vor. Er ist Auslöser des Konfliktes." Der Porsche-Vorstand habe mit den Arbeitnehmervertretern von Porsche Vereinbarungen zu Lasten der VW-Beschäftigten getroffen. "Diese Benachteiligung der Belegschaften des VW-Konzerns kann nur mit Zustimmung des Vorstands aufgehoben werden." Die Mitbestimmungsvereinbarung für die neue Porsche Holding, unter der das Automobilgeschäft von Porsche und die Beteiligung an Volkswagen geführt wird, sorgt seit Monaten für einen Grabenkrieg zwischen den Betriebsräten beider Unternehmen.

Jan Christoph Schwartz, reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.