Pariser Salon Neuheitensause in schweren Zeiten

Von der Lamborghini-Limousine bis zum Toyota-Mini: Auf dem Pariser Autosalon, der heute seine Pforten öffnet, präsentieren die Hersteller Spektakuläres wie Grünes. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie auf die Folgen der Finanzmarktkrise keine Antwort haben.

Paris - Als wären hohe Ölpreise, der schwache Dollar, explodierende Materialkosten und drohende Kohlendioxid-Grenzwerte nicht schon schlimm genug, muss sich die Autobranche nun auch noch mit den Folgen der internationalen Finanzkrise herumschlagen. Die zum Teil chaotische Lage an den Finanzmärkten und der Kollaps mehrerer Banken haben die Verbraucher massiv verunsichert.

Krise? Welche Krise? Rückleuchte des viertürigen Lamborghini Estoque

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Viele haben Angst vor einer Wirtschaftskrise und um ihren Arbeitsplatz. Der Autowunsch wird da in vielen Fällen erst einmal zurückgestellt. Wie viel die Branche aber tatsächlich abbekommt, steht derzeit noch in den Sternen. Kaum einer der Autobosse wagte zum Auftakt des Pariser Autosalons einen konkreten Ausblick auf das kommende Jahr.

Die jüngsten Zahlen jedenfalls verheißen nichts Gutes. Im September seien die Order für Neuwagen im Inland um sieben Prozent und aus dem Ausland um zehn Prozent zurückgegangen, meldete der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag.

Auch international sieht es alles andere als rosig aus. Auf dem nach wie vor wichtigsten Markt USA brachen die Verkäufe im September deutlich ein. Der BMW-Konzern  musste einen Absatzrückgang um rund 26 Prozent verkraften. Bei Daimler  ging der Absatz bei der Kernmarke Mercedes- Benz um 16,4 Prozent zurück. Noch härter traf es Porsche , Ford  und auch Toyota . "Wir haben schon früh gesagt, dass 2009 ein schwieriges Jahr wird", sagt BMW-Chef Norbert Reithofer auf der Automesse.

Den Chinesen ist CO2 noch egal

Den Chinesen ist CO2 noch egal

Mittlerweile habe die schlechte Stimmung in den USA auf große Teile des europäischen Marktes übergegriffen. "Die Menschen, die sich bisher von ihrem Jahresbonus einen Porsche oder Mercedes gekauft haben, werden das momentan vielleicht erstmal nicht tun", sagt auch Daimler-Chef Dieter Zetsche. Ab Mitte 2009 ist nach Einschätzung von BMW-Chef Reithofer eine leichte Erholung des Marktes aber zumindest drin. Das sieht man auch beim Weltmarktführer Toyota so.

Richten sollen es vor allem die aufstrebenden Staaten wie China oder Indien in Fernost sowie Russland. Kohlendioxidwerte und Spritpreise sind hier allenfalls am Rande interessant, dicke Geländewagen und Limousinen weiter gefragt. Auf den etablierten Märkten müssen die Hersteller den Kunden ihre Autos dagegen mit neuen, spritsparenden Modellen schmackhaft machen. Kleiner und grüner heißt die Devise.

Toyota setzt hier beispielsweise auf den abgasarmen Kleinstwagen iQ und die neue Generation Hybridfahrzeuge, Volkswagen  auf sparsame "Blue Motion"-Versionen der Verkaufsschlager Golf und Passat. Daimler  wiederum rüstet den Kleinwagen smart mit Batterie und Elektromotoren aus, ebenso macht es die Konkurrenz aus München mit ihrem Kleinwagen Mini. Sogar Porsche-Chef Wendelin Wiedeking beteuert in Paris: "Unser Job ist es, das Maximale in Sachen Verbrauchsminderung zu tun."

Wie die Entwicklung langfristig aussieht, darüber gehen die Einschätzungen weit auseinander. Praktisch alle Hersteller präsentieren sich als "grün", als Marktführer in Sachen Öko, und sei es in einem Randsegment. Umstritten ist aber, welche Technik sich am Ende durchsetzt. So setzt Renault  klar auf das Elektroauto, während Toyota vorerst den Hybridantrieb favorisiert. Daimler wiederum hofft langfristig auf die Brennstoffzelle. Alle aber würden die Aussage des VW-Chefs Martin Winterkorn auch für sich in Anspruch nehmen: "Kein anderer Autobauer bietet seinen Kunden so viel Öko wie wir."

Michael Friedrich und Hans-Hermann Nikolei, dpa

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