Tag der Einheit "Für die Krise gut gerüstet"

Selbst bei den offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit steht die Finanzkrise auf der Tagesordnung. Bundespräsident Köhler sprach seinen Landsleuten in diesem Zusammenhang Mut zu - und forderte mehr Offenheit bei den Fehlern, die im Zuge der deutschen Einheit gemacht wurden.

Hamburg - Bundespräsident Horst Köhler sieht Deutschland zur Bewältigung der Finanzmarktkrise gut gerüstet. "Die deutsche Wirtschaft hat Kraft bewiesen, hat sich erholt und kann im internationalen Wettbewerb wieder gut mithalten", sagte das Staatsoberhaupt am Freitag in Hamburg beim Festakt zum 18. Jahrestag der Wiedervereinigung. Diese messbar positive Entwicklung helfe auch bei der Bewältigung der Finanzkrise, sagte Köhler laut Redemanuskript.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat für Samstag zu einem Spitzentreffen der vier europäischen G-8-Länder in Paris eingeladen. Sarkozy hat ein Hilfspaket nach dem Vorbild der USA für die europäische Finanzbranche ins Gespräch gebracht, was bei Kanzlerin Angela Merkel allerdings auf Ablehnung stieß.

Köhler und Merkel waren sich einig, dass die Hilfen für die neuen Bundesländer fortgesetzt werden müssen. "Wir sind ein gutes Stück vorangekommen, aber die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern ist immer noch höher als in den alten und wir brauchen weiter den Solidarpakt II bis 2019", sagte die Kanzlerin in Hamburg. Für den Pakt sollen insgesamt 156 Milliarden Euro in Ostdeutschland eingesetzt werden. Ziel ist eine Angleichung der Lebensverhältnisse.

Außerdem rief Bundespräsident Köhler die Deutschen dazu auf, mit den Mängeln der Wiedervereinigung offen umzugehen. "Praktisch war es unmöglich, im Vereinigungsprozess immer genau zu wissen, was die richtige Entscheidung ist", sagte das Staatsoberhaupt. "Und deshalb wollen wir nicht länger so tun, als sei alles immer nur richtig gewesen." Beim Aufbau im Osten habe manches länger gedauert als gedacht. "Es gab und gibt Härten und Enttäuschungen."

Köhler: Deutsche "Führungsverantwortung" in der EU

Köhler verwies ausdrücklich auf die Anstrengung der Menschen in Orten, die sich nach dem Wegfall großer Arbeitgeber wieder gut entwickelten. Solche Städte gebe es in Ost und West. Sie stünden "auch dafür, dass die Menschen die Herausforderungen tatkräftig anpacken".

Köhler rief die in Deutschland lebenden Menschen zu mehr Toleranz auf. Eine Kulturnation lebe auch vom respektvollen Umgang miteinander, von der Freundschaft zwischen Jung und Alt sowie von Höflichkeit und Achtung voreinander. "Ich glaube, an der Stelle müssen wir aufpassen", fügte Köhler hinzu. "Da ist schon einiges eingerissen, an das wir uns besser nicht gewöhnen."

Köhler mahnte zudem, Deutschland solle seiner Führungsverantwortung in Europa nicht ausweichen. "Diese Führungsverantwortung verlangt von uns, dass wir sagen, was wir in der Europäischen Union als deutsche Nation selber wollen". Deutschland solle sein "eigenes Haus in Ordnung halten" und müsse zugleich zum Ausgleich mit seinen Partnern bereit sein.

manager-magazin.de mit Material von reuters und afp

9. November 1989: Bilder vom Beginn der deutschen Einheit

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