US-Rettungspaket Entscheidung am Capitol

Die Finanzwelt blickt gebannt in die USA. Klappt es Freitagnacht mit der Milliardenspritze für den US-Finanzmarkt? Noch ist unklar, ob das Rettungspaket auch eine Mehrheit im Repräsentantenhaus erhält. Dessen demokratische Chefin, Nancy Pelosi, fürchtet, dass eine übereilte Abstimmung zum Debakel führen könnte.

Washington - Das Ringen um den US-Rettungsplan für den Finanzsektor geht weiter. Eine Mehrheit für das 700-Milliarden-Dollar-Paket im Repräsentantenhaus ist unsicher.

Nancy Pelosi meinte, der Gesetzentwurf für das Paket zur Sanierung notleidender Banken dürfe "nur zur Abstimmung gestellt werden, wenn wir die notwendigen Stimmen haben". Am Montag war eine erste Abstimmung im Repräsentantenhaus gescheitert und hatte weltweite Unruhe auf den Finanzmärkten ausgelöst. Anders als die demokratische Sprecherin des Hauses zeigen sich führende US-Politiker zuversichtlich. "Ich bin optimistisch, dass er von beiden Parteien unterstützt wird", sagte der Fraktionschef der demokratischen Mehrheit, Steny Hoyer.

Mittwochabend stimmte zwar der Senat mit großer Mehrheit einem leicht veränderten Rettungspaket zu. In US-Medien heißt es aber, dass eine Mehrheit in der zweiten Parlamentskammer wesentlich schwieriger zu erreichen sei. Nach wie vor gebe es vor allem unter republikanischen Abgeordneten Vorbehalte. US-Präsident George W. Bush machte sich erneut für das Rettungspaket stark.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte, es gebe eine "große Wahrscheinlichkeit", dass die USA mit einer "einschneidenden Verlangsamung" des Wirtschaftswachstums und einer der gravierendsten Finanzkrisen der Geschichte konfrontiert sein werden. Der Dow-Jones-Index verlor daraufhin am Donnerstag 3,22 Prozent und fiel auf 10.482,85 Punkte.

Staatliche Rettungsaktionen für die US-Wirtschaft

Der Senat hatte das Programm am Mittwochabend mit 74 zu 25 Stimmen verabschiedet. "Wir haben den Amerikanern eine klare Botschaft gesendet, dass wir die Wirtschaft nicht scheitern lassen werden", sagte der demokratische Fraktionsvorsitzende, Senator Harry Reid. Das Gesetz ziele nicht darauf, der Börse an der Wall Street zu helfen, "sondern ganz Amerika".

Das ursprünglich von Finanzminister Henry Paulson und Zentralbankchef Ben Bernanke vorgelegte Rettungspaket sieht vor, dass der Staat in Not geratenen Banken faule Kredite im Gesamtwert von bis zu 700 Milliarden Dollar abkauft. Damit soll erreicht werden, dass die Banken wieder Kredite an Unternehmer vergeben und dadurch der Wirtschaftskreislauf nicht unterbrochen wird. In einer ersten Tranche sollen 250 Milliarden Dollar an die Banken vergeben werden.

Börsen zeigen sich schwach

Börsen zeigen sich schwach

Entgegen erster Vorschläge sieht das Programm eine parlamentarische Aufsicht vor. Zudem sollten Manager von Banken, denen geholfen wird, keine großzügigen Abfindungen erhalten. Auch ist vorgesehen, dass der Staat nach der Rettung einer Bank später an den Gewinnen beteiligt werden kann.

Für den Senat war das Regierungsprogramm leicht verändert worden. Unter anderem sieht der neue Entwurf neben Hilfen für Banken auch einen verbesserten Schutz für Einlagen privater Anleger bis zu 250.000 Dollar vor. Zusätzlich wurden Steuererleichterungen in Höhe von insgesamt 100 Milliarden Dollar für Unternehmen und den Mittelstand aufgenommen.

Die Börsen zeigen sich schwach im Vorfeld der US-Entscheidung. Belastet durch den Kursrutsch an der Wall Street, wo der Dow Jones auf ein Drei-Jahres-Tief gefallen ist, und Sorgen um das Wirtschaftswachstum haben die Aktien an der Börse in Tokio am Freitag schwach geschlossen. Der 225 führende Werte umfassende Nikkei-225-Index verlor 1,94 Prozent oder 216,62 Punkte auf 10.938,14 Punkte und ging damit auf dem tiefsten Stand seit drei Jahren aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix sank um 2,69 Prozent Punkte. Praktisch alle Börsen in Asien tendierten schwächer.

Die größeren lateinamerikanischen Börsen gerieten ebenfalls in den Abwärtssog der Wall-Street und haben schwere Verluste erlitten. Im brasilianischen São Paulo stürzte der Aktien-Index Bovespa um 7,34 Prozent ab. Der IPC in Mexiko-Stadt brach um 4,34 Prozent ein. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires verlor der Merval 84,76 Zähler oder 5,28 Prozent und schloss bei 1520,92 Punkten.

Der deutsche Aktienmarkt ist uneinheitlich in den Feiertagshandel gestartet. "Das Volumen ist gering, aber die Nachrichtenlage ist alles andere als dünn", sagte ein Händler.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und ap

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