Zinsen Häuslebauer sollen für KfW-Fehler zahlen

Kurz nachdem die KfW mehr als 300 Millionen Euro an die insolvente US-Bank Lehman Brothers überwiesen hatte, erhöhte sie die Zinsen für ihre Förderkredite ungewöhnlich stark. Zufall? Tatsächlich hat die Bank ihre Konditionen auch vorher schon angezogen. Experten sehen einen Zusammenhang mit den Problemen bei der IKB.

Hamburg - Die "Bild" hat entschieden: Die KfW ist "Deutschlands dümmste Bank". Noch am Tag der Pleite von Lehman Brothers  vor zwei Wochen überwies das staatliche Förderinstitut mehr als 300 Millionen Euro an die amerikanische Investmentbank. Ganz Deutschland lachte über die - O-Ton "Bild" - "Dumm Banker" in der Chefetage.

Vielen Häuslebauern dürfte das Lachen inzwischen jedoch vergehen. Der Grund: Die KfW hat ihre Zinskonditionen unmittelbar nach der Lehman-Panne deutlich erhöht. Der effektive Zins für das Wohneigentumsprogramm 20/3/10 (20 Jahre Laufzeit, drei Jahre Tilgungsfreiheit, zehn Jahre Zinsbindung) etwa betrug nach Angaben des Finanzberaters FMH noch am Freitag, den 12. September dieses Jahres, 5,09 Prozent. Am 23. September, rund eine Woche nach dem Fall Lehman (Montag, 15. September) also, lag der Zins bei 5,41 Prozent.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Hypothekenzins für Darlehen mit zehnjähriger Laufzeit stieg laut FMH im gleichen Zeitraum ebenfalls - aber nur von 5,09 auf 5,25 Prozent (inzwischen ist das Zinsniveau wieder etwas zurückgegangen). Die KfW hat ihre Konditionen also ziemlich genau doppelt so stark angezogen, wie der Gesamtmarkt.

"Der jüngste Anstieg der KfW ist etwas stark ausgefallen", kommentiert FMH-Chef Max Herbst. Zudem hat die KfW den generellen Zinsanstieg im fraglichen Zeitraum laut Herbst ungewöhnlich schnell nachvollzogen. "Früher hat die Bank damit länger gewartet", sagt der Experte.

Damit aber nicht genug: Experten beobachten schon seit längerem eine Verschlechterung der KfW-Konditionen im Vergleich zum Gesamtmarkt. Und nicht nur das Wohneigentumsprogramm ist davon betroffen, auch die KfW-40- und KfW-60-Darlehen, mit denen das Institut energiesparende Bauweise belohnen will, werden den Fachleuten zufolge immer unattraktiver.

"Die Zinskonditionen der KfW sind im vergangenen Jahr deutlich schlechter geworden", sagt etwa Christian Schmid-Burgk, Baufinanzierungsexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Früher war die KfW besser als die meisten Banken und Sparkassen, lediglich einige Direktbanken konnten die Konditionen toppen. Das ist heute in der Regel nicht mehr so."

"Verschlechterung wegen Schwierigkeiten bei der IKB"

"Banken verdienen an KfW-Darlehen besser"

Ein Blick auf die Grafik der Zinsverläufe von KfW und Gesamtmarkt bestätigt diese Einschätzung: Verlief der KfW-Graf früher unter dem des Marktes, so bewegt er sich heute meist darüber. Hinzu kommt, so beobachtet auch Schmid-Burgk, dass die KfW vor allem einen Anstieg der Zinsen am Markt inzwischen immer schneller nachvollzieht - sinkt dagegen das Niveau, so lässt sich die Bank damit meist etwas mehr Zeit.

"Der Hauptgrund dafür, dass überhaupt noch KfW-Darlehen in Finanzierungen eingebaut werden, ist, dass die Banken daran besser verdienen als an anderen Produkten", sagt Schmid-Burgk. "Außerdem senkt das KfW-Darlehen bei einigen Anbietern die Beleihungsgrenze. Das kann die Konditionen für das Bankdarlehen verbessern."

Tatsächlich nutzen nach wie vor viele Häuslebauer die Angebote der KfW für ihre Finanzierung. Nach Angaben der Förderbank wurden im Rahmen des Wohneigentumsprogramms allein im Jahr 2007 rund 5,1 Milliarden Euro an Förderdarlehen vergeben. In diesem Jahr verlieh die Bank in dem Programm bis Ende August bereits rund 3,1 Milliarden Euro - das Geld floss in mehr als 60.000 Projekte.

"Verschlechterung wegen Schwierigkeiten bei der IKB"

Es scheint offensichtlich: Die staatliche Bank brummt dabei ihren Kunden die Rechnung für die Fehler im eigenen Hause auf. Schließlich war die Lehman-Panne in letzter Zeit längst nicht das einzige Problem der Staatsbank. Viel schwerer wiegt der Fall der Mittelstandsbank IKB , die sich im großen Stil mit amerikanischen Ramsch-Hypotheken verspekulierte und inzwischen für wenig Geld an den US-Investor Lone Star entsorgt wurde. Rund acht Milliarden Euro hat die KfW bei dem Debakel versenkt. Experten hatten schon vor längerem prognostiziert, dass dies die Attraktivität der KfW-Angebote beeinträchtigen dürfte.

"Die Zinssätze in den Förderprogrammen der KfW folgen den Entwicklungen am Kapitalmarkt", entgegnet dazu ein Sprecher der Bank gegenüber manager-magazin.de. "Die Konditionen werden jedoch nicht täglich angepasst, sondern nur bei nachhaltigen Veränderungen." Es werde versucht, diese Veränderungen so zeitnah wie möglich zu berücksichtigen, aufgrund der aktuell sehr volatilen Entwicklung könnten kurzfristig gegenläufige Bewegungen aber nicht immer berücksichtigt werden.

Generell sei allerdings unbestritten, dass die KfW im Zuge der Finanzkrise Einbußen zu verzeichnen hat, so der Sprecher weiter. Das operative Geschäft der KfW sei jedoch unverändert gut aufgestellt. "Diese Aussage hat auch nach der Überweisung an Lehman unverändert Gültigkeit." Explizit weist der Sprecher daraufhin, dass die KfW mögliche Unterstellungen zurückweist, die Zinsen aufgrund der Überweisung an Lehman Brothers überproportional angehoben zu haben.

Baufi-Experte Schmid-Burgk ist sich da nicht so sicher. "Dass der starke Zinsanstieg kürzlich mit der Lehman-Panne zusammenhängt, kann man nicht ausschließen", sagt er. "Sicher bin ich mir aber, das die allgemeine Verschlechterung der Konditionen auch auf Grund der Schwierigkeiten bei der IKB erfolgte." Grund genug dazu hätte die KfW jedenfalls. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL wird sie an dem IKB-Problem noch mindestens zehn Jahre zu knabbern haben.

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