Preisabsprache Paraffin-Kartell verdampft

Die Europäische Kommission hat gegen Öl- und Chemieunternehmen Kartellstrafen über 676 Millionen Euro verhängt. Das ist das vierthöchste europäische Bußgeld wegen eines Wettbewerbsverstoßes überhaupt. Betroffen ist auch RWE Dea.

Brüssel - Die Europäische Kommission hat Unternehmen wegen der Beteiligung an einem Wachskartell mit einer Geldbuße in Höhe von 676 Millionen Euro bestraft. Zu den betroffenen Firmen gehöre auch der Essener Energiekonzern RWE , der eine Strafe von etwa 37,5 Millionen Euro zahlen muss, sagten die Brüsseler Wettbewerbshüter.

Ein Sprecher von RWE sagte, die Ermittlungen hätten sich gegen die 2002 an Shell  verkaufte Tochter RWE Dea Mineralöl gerichtet, die Paraffin-Wachse produziert habe. RWE sei aber weiterhin für den Fall verantwortlich. Auf Hansen & Rosenthal entfallen insgesamt 36 Millionen Euro an Strafen, darunter 22 Millionen Euro auf H&R Wasag.

Weitere Zahlbefehle erhielten ENI , Exxon Mobil , Hansen & Rosenthal, MOL , Repsol , Sasol, Total Fina Elf  und Tudapetrol. Die neuen Unternehmen haben sich von 1992 bis 2005 an einem Paraffinwachs-Kartell im Europäischen Wirtschaftsraum beteiligt und damit gegen das Kartellverbot verstoßen hatten. Ein weiteres Kartellmitglied - Shell - sei einer Geldbuße entgangen, weil das Unternehmen als Kronzeuge die Existenz des Kartells gegenüber der Kommission aufgedeckt hatte, teilte die Behörde weiter mit.

Das Kartell sei ein besonders schwerer Verstoß gegen die Vorschriften des EG-Vertrags, sagt Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Es gibt wahrscheinlich keinen Haushalt und kein Unternehmen in Europa, das keine Produkte gekauft hat, die von dieser 'Paraffin-Mafia' betroffen sind", sagte Kroes. "Solche rechtswidrigen Kartellpraktiken kann und wird die Kommission nicht tolerieren." Die Wachse fallen als Nebenprodukt bei der Veredelung von Rohöl an und werden als Kerzenwachs, aber auch zur Verpackung von Käse verwendet. Die Europäische Union bezifferte den Markt auf rund 500 Millionen Euro im Jahr.

Die höchste Kartellstrafen hat die Europäische Kommission bisher an den aufgeflogenen Zusammenschluss einer Gruppe von Aufzug- und Rolltreppenhersteller ausgesprochen. Die Strafe über 992 Millionen Euro musste zu einem Teil ThyssenKrupp  tragen.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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