Belgien Dexia bekommt Staatshilfe

Die Finanzkrise fordert weitere Opfer in der Bankenbranche. Jetzt gerät der belgische Geldkonzern Dexia an den Rand des Zusammenbruchs. Die Regierung in Brüssel greift ein.

Brüssel - Der Dexia-Bank droht offenbar die Pleite. Die belgische Regierung und die drei Regionen des Landes haben sich auf eine gemeinsame Kapitalaufstockung für den in Turbulenzen geratenen Finanzkonzern verständigt.

Bei einem Treffen der Zentralregierung sowie der Regierungen der drei Regionen Wallonie, Flandern und Brüssel sei am Nachmittag eine Grundsatzeinigung erzielt worden, gemeinsam das Eigenkapital der Dexia-Bank aufzustocken, erklärte der belgische Ministerpräsident Yves Leterme am Montagabend in Brüssel. Nähere Angaben zu der Finanzhilfe wurden nicht gemacht.

Bei einem weiteren Treffen sollten Detailfragen zu dem Hilfspaket geklärt werden. Die belgische Wirtschaftszeitung "L'Echo" berichtete auf ihrer Website, die Finanzhilfen könnten einen Umfang von sieben Milliarden Euro erreichen. Auch die französische Regierung hatte sich bereit erklärt, die in Turbulenzen geratene Dexia-Bank notfalls zu unterstützen.

Damit geraten immer mehr europäische Banken in den Strudel der Finanzkrise. Belgien, die Niederlande und Luxemburg hatten erst am Sonntag das in Bedrängnis geratene Finanzhaus Fortis  teilweise verstaatlichen müssen. In Deutschland haben mehrere deutsche Banken und der Bund den Finanzkonzern Hypo Real Estate  am Montag mit einem milliardenschweren Rettungspaket vor dem Zusammenbruch bewahrt. Nach einem dramatischen Wertverlust wird die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley verstaatlicht und zerschlagen.

Auch in den USA fordert die Finanzmarktkrise ein weiteres Opfer. Wie der US-Einlagensicherungsfonds FDIC am Montag mitteilte, wird die Citigroup  die Bankgeschäfte und einen Teil der Verbindlichkeiten der US-Bank Wachovia übernehmen. Die in New York ansässige Bank werde bis zu 42 Milliarden Dollar der bei Wachovia  anfallenden Verluste aus dem Gesamtbestand von 312 Milliarden Dollar an Krediten übernehmen.

Am Abend folgte der nächste Tiefschlag: Der US-Kongress lehnte den Rettungsplan der Regierung für den Finanzsektor ab. 228 Abgeordnete im Repräsentantenhaus stimmten am Montag in Washington gegen das insgesamt 700 Milliarden Dollar schwere Paket, 205 dafür. Die Pläne von US-Präsident George W. Bush waren zuvor vor allem bei besonders konservativen Republikanern auf erhebliche Zweifel gestoßen.

An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index in Reaktion auf das Votum mit einem Rekordverlust von 777,68 Punkten oder 6,98 Prozent. Es war - gemessen in Punkten - der stärkste Einbruch in der Geschichte der New Yorker Börse, der sogar noch den Rückgang nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 übertraf.

manager-magazin.de mit Material von afp, dpa, ddp und ap

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