Samstag, 16. November 2019

J. P. Morgan Schnäppchenjäger in der Nacht

Mit Washington Mutual ist erneut eine US-Großbank über die Klippe gesprungen. Aufgefangen hat sie der Bankenriese J. P. Morgan Chase. Er liefert sich mit der Bank of America ein Rennen der Krisenprofiteure.

Hamburg - Als Alan Fishman am Donnerstag in New York das Flugzeug bestieg, war er frischgebackener Chef der sechstgrößten US-Bank. Als er in Seattle landete, gab es sein Institut Washington Mutual Börsen-Chart zeigen schon nicht mehr. So berichtet es jedenfalls die "New York Times".

Washington-Mutual-Filiale in New York: Über Nacht den Besitzer gewechselt
Sicher ist, dass das Management der Großsparkasse am Donnerstagabend nichts mehr zu melden hatte. Alle Versuche, mithilfe von Goldman Sachs einen Interessenten für einen Notverkauf zu finden, waren gescheitert - niemand wollte ein verbindliches Gebot für Washington Mutual abgeben, die tief im Hypothekensumpf steckt und seit Wochen am Rand der Insolvenz manövriert.

Die Sparkassenaufsicht OTS erklärte das Institut für geschlossen, übergab es an die Einlagensicherung FDIC - und die verkaufte es umgehend zum Schnäppchenpreis von 1,9 Milliarden Dollar an die Großbank J. P. Morgan Chase Börsen-Chart zeigen. So könnten die Kunden am Freitagmorgen wieder "Business as Usual" erwarten, verkündete FDIC-Chefin Sheila Bair.

Die FDIC musste zum dreizehnten Mal in diesem Jahr eine Bankpleite melden - und mit weitem Abstand die größte in ihrer Geschichte: Washington Mutual hatte Vermögenswerte von 307 Milliarden Dollar, aber mit einem berichteten Abschreibungsbedarf von gut 31 Milliarden. Die Spareinlagen waren schon in den vergangenen Wochen wegen der Pleitegerüchte drastisch geschrumpft.

Dieser Verlust wäre für die FDIC schwer zu schultern gewesen. Sie gibt ihren Kassenstand mit 45 Milliarden Dollar an, auch wenn FDIC-Sprecher Andrew Gray betont, dass niemals ein Sparer auch nur einen Penny verlieren werde: "Im Hintergrund steht das Kapital der gesamten Bankbranche bereit, und das sind 1,3 Billionen Dollar." Man werde die Banken ohnehin bald stärker anzapfen, weil weitere Pleiten erwartet werden. Doch es muss ja nicht gleich eine derartige Last auf einmal sein.

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