Montag, 14. Oktober 2019

J. P. Morgan Schnäppchenjäger in der Nacht

3. Teil: Der Meister der Bankübernahmen

Der Meister der Bankübernahmen

Jetzt ist er am Ziel. "Gemeinsam erschaffen wir ein großartiges Unternehmen", verkündete Dimon. Vor allem die regionale Präsenz von Washington Mutual im Westen der USA sei eine sinnvolle Ergänzung für das Privatkundengeschäft von J. P. Morgan Chase. Von den 5400 Filialen beider Institute soll nur ein kleiner Teil geschlossen werden, in Städten wie New York oder Chicago, wo sie bisher konkurrierten.

J.-P.-Morgan-Chef Dimon: Meister in der Sanierung und Übernahme von Banken
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J.-P.-Morgan-Chef Dimon: Meister in der Sanierung und Übernahme von Banken
Der Bankenriese mit knapp 240.000 Beschäftigten und einer Bilanzsumme von zwei Billionen Dollar, nach Börsenwert die größte Bank Amerikas, folgt dem Beispiel der Bank of America Börsen-Chart zeigen, die sich in der Krise um Countrywide und Merrill Lynch verstärkt hat. Beide liefern sich im US-Privatkundengeschäft jetzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen (mit Vorteil für die Bank of America), während die einstige Übermacht Citigroup Börsen-Chart zeigen sich gesundschrumpfen muss.

Für Jamie Dimon dürfte das auch ein persönlicher Triumph sein. Denn der Sohn eines New Yorker Brokers hat den einstmals weltgrößten Finanzkonzern, dem er nun den Rang abläuft, mit aufgebaut. Er machte als Assistent des legendären American-Express-Chefs Sandy Weill Karriere. Mit Dimons Hilfe übernahm Weill nacheinander die Travelers Group, Salomon Brothers, Smith Barney und schließlich die Citicorp, um die Großbank Citigroup zu formen. Doch 1998 warf er Dimon hinaus.

Der begann nach einer Auszeit im Jahr 2000 von neuem als Vorstandschef der Bank One. Dort machte er sich einen Namen als Kostendrücker und geschickter Fusionsmanager, als er seine Bank im Jahr 2004 an J. P. Morgan verkaufte - und wenig später an die Spitze des Konzerns rückte.

J. P. Morgan ist, etwa vergleichbar der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, mit einigen Schrammen durch die Krise navigiert, war aber bisher nie ernsthaft in Gefahr. Die Bank musste gut zehn Milliarden Dollar vor allem auf Hypothekenpapiere und mit Fremdkapital gehebelte Unternehmenskäufe abschreiben, jedoch nicht mehr als 40 Milliarden wie die Citigroup. Die in den Büchern verbliebenen Papiere gehören zu denen mit dem geringsten Risiko.

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