Sonntag, 25. August 2019

J. P. Morgan Schnäppchenjäger in der Nacht

2. Teil: 19 Millionen Dollar für Drei-Wochen-Job

19 Millionen Dollar für Drei-Wochen-Job

Um Alan Fishman muss sich niemand Sorgen machen. Der knapp dreiwöchige Job an der Spitze von Washington Mutual brachte ihm eine Einstiegsprämie von 7,5 Millionen Dollar und wahrscheinlich Anspruch auf eine Abfindung von 11,6 Millionen. Doch die Aktionäre haben das Nachsehen. Auch der Finanzinvestor TPG, den der frühere Washington-Mutual-Chef David Bonderman führt, muss seine Sieben-Milliarden-Dollar-Kapitalspritze von April als schlechtes Investment verbuchen.

Gescheitert ist die Strategie von Fishmans Vorgänger Kerry Killinger, aus einer Regionalsparkasse mit Heimat im nordwestlichen US-Staat Washington das "Wal-Mart der Banken" zu formen. Washington Mutual, eine der Überlebenden der verheerenden Sparkassenkrise vor zwanzig Jahren, ist unter Killingers radikalem Wachstumskurs immerhin zur sechstgrößten Bank der USA aufgestiegen.

Dabei machte sie sich aber immer stärker vom aufgeblasenen Immobilienmarkt abhängig und übernahm die Praktiken der privaten Hypothekenbanken, die inzwischen fast komplett verschwunden sind: massenhaft Kredite an Hauskäufer mit zweifelhafter Bonität, zu variablen Raten mit niedrigem Lockzins, oder mit Beleihungsgrenzen über dem eigentlichen Wert der Immobilie. Das ging gut, solange die Hauspreise stiegen. Jetzt flog das eingegangene Risiko Washington Mutual um die Ohren.

Und schon wieder schlägt J. P. Morgan Chase zu, wenn eine Bank am Boden liegt. Wie bereits im März, als der Konzern mit Hilfe der Notenbank das Investmenthaus Bear Stearns zum Schnäppchenpreis von 1,3 Milliarden Dollar ergatterte, hat J.-P.-Morgan-Chef Jamie Dimon Gespür für den richtigen Moment erwiesen. Schon damals hatte Dimon Teams nach Seattle geschickt, um Washington Mutual zu durchleuchten und ein Gebot zu prüfen.

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