Dienstag, 20. August 2019

Washington Mutual Größte US-Sparkasse kollabiert

Noch eine große Bankenpleite in den USA: Die einst führende amerikanische Sparkasse Washington Mutual ist unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen. In einem Notverkauf wird sie zu weiten Teilen vom Finanzkonzern J.P. Morgan Chase übernommen.

New York/Washington - Washington Mutual Börsen-Chart zeigen (WaMu) ist von den US-Aufsichtsbehörden OTS geschlossen worden. J.P. Morgan Chase, die drittgrößte amerikanische Großbank, zahlt 1,9 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) für die von der Sparkasse übernommenen Geschäfte, Einlagen und Filialen. Der Kundenbetrieb werde am Freitag jedoch wie gewohnt weitergehen, hieß es.

Washington Mutual: Das nächste Opfer der Finanzkrise
REUTERS
Washington Mutual: Das nächste Opfer der Finanzkrise

Es ist der größte Zusammenbruch einer Bank in der US-Geschichte. Wie vielen US-Banken sind auch WaMu Verluste aus dem Hypothekengeschäft zum Verhängnis geworden. Die Sparkasse mit Sitz in Seattle (US-Bundesstaat Washington) hatte wegen der Kreditkrise Milliardenverluste erlitten. Sie verlor seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent ihres Börsenwerts.

Milliardenhohe Einlagen flossen ab

Der Notrettung waren der Aufsichtsbehörde zufolge Einlagenabflüsse in Höhe von 16,7 Milliarden Dollar seit dem 15. September vorausgegangen. Washington Mutual habe nicht über ausreichend Liquidität verfügt, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Sparkasse habe sich daher in einem unsicheren und unsoliden Zustand bezüglich ihrer Geschäftstransaktionen befunden, erklärte die OTS.

Washington Mutual verfügt den Regulierungsbehörden zufolge über Vermögenswerte von rund 307 Milliarden Dollar und Einlagen in Höhe von 188 Milliarden Dollar. FDIC-Chefin Sheila Bair sagte, der Einlagensicherungsfonds habe schnell einen Käufer für Washington Mutual finden müssen, um durch Medienberichte verängstigte Kunden zu beruhigen. Das Grundkapital und die Gesamtschulden der WaMu sind von der Transaktion ausgeschlossen. Aktionäre und Gläubiger der Gruppe dürften also leer ausgehen.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon erfüllt sich mit dem Zukauf das langgehegte Ziel, seine Bank im Westen der USA zu einer starken Kraft im breiten Privatkundengeschäft zu machen. Vor vier Monaten hatte JPMorgan bereits die ebenfalls durch die Finanzkrise zu Fall gebrachte US-Investmentbank Bear Stearns Börsen-Chart zeigen zu einem Schnäppchenpreis geschluckt.

JPMorgan will nun nach eigenen Angaben die Integration der Unternehmen und die Umbenennung bis Ende 2010 abschließen. Durch die Übernahme entstehe die größte US-Sparkasse mit Kundeneinlagen von mehr als 900 Milliarden Dollar, erklärte die FDIC. Außerdem entstehe dadurch ein Filialnetz, das 42 Prozent der US-Bevölkerung erreiche. Die Bank wird damit ihre Präsenz an der US-Westküste verstärken und die Zahl ihrer Filialen auf 5400 erhöhen können.

Im Zuge der Übernahme sollten weniger als 10 Prozent der Zweigstellen geschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Kosten für die Fusion will die Bank nach eigenen Angaben in einer Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Dollar steuerlich geltendmachen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa, afp

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