536 Millionen Euro Schaden Zwei KfW-Vorstände müssen gehen

Der KfW ist durch Geschäfte mit der gestürzten Investmentbank Lehman Brothers ein Schaden von 536 Millionen Euro entstanden. Wegen der Überweisungspanne, die das Gros der Summe verursacht hat, setzte der KfW-Verwaltungsrat heute zwei Vorständen den Stuhl vor die Tür. Den Verkauf der IKB Bank nickte das Gremium ebenfalls ab.

Berlin - Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) teilte am Donnerstag nach einer Sitzung des KfW-Verwaltungsrats in Berlin mit, die Vorstände Detlef Leinberger und Peter Fleischer seien vom Dienst suspendiert worden. Dies gelte auch für einen Bereichsleiter der KfW. Zudem habe der Verwaltungsrat dem Verkauf der Düsseldorf Krisenbank IKB  an den US-Finanzinvestor Lone Star zugestimmt, so Glos. Der bereits im August vereinbarte Deal ist damit perfekt, Lone Star übernimmt 90,8 Prozent der IKB-Aktien von der KfW.

Schon vor Ende der Verwaltungsratssitzung war durchgesickert, dass der Schaden durch die Falschüberweisung an Lehman Brothers  höher ist als die bisher kolportierten 300 Millionen Euro. Die KfW bestätigte schließlich am Donnerstagabend Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) und des ZDF, wonach sich der Gesamtschaden aus Geschäften mit Lehman auf 536 Millionen Euro beläuft.

Der Schaden durch die Überweisungspanne bei einem Währungsgeschäft beträgt nicht 300 Millionen Euro, sondern sogar rund 350 Millionen Euro. Der höhere Betrag ergibt sich laut KfW durch Umrechnungskurse von Euro zum US-Dollar. Bei Schuldverschreibungen mit Lehman geht es um weitere Verluste von 186 Millionen Euro.

Schon am Nachmittag hatte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Konsequenzen im Management der Staatsbank gefordert. Die Überweisung von 300 Millionen Euro noch am Tag der Lehman-Pleite sei ein ungeheuerlicher Vorgang, so Steinbrück. "Ich jedenfalls habe so etwas in meinem Leben noch nicht erlebt", sagte Steinbrück am Rande der Sitzung des KfW-Verwaltungsrats.

Hintergrund: Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die KfW ausgerechnet am Tag des Insolvenzantrages von Lehman irrtümlich die besagte Millionensumme aus einem Termingeschäft an die zusammengebrochene US-Investmentbank überwiesen hat. Mittwoch hieß es allerdings noch, es handele sich um 300 Millionen Euro.

Offenbar hatte die KfW nach der Überweisung noch hektisch versucht, die Transaktion zu stoppen - was aber nicht gelang. Die Staatsbank hofft nun, zumindest die Hälfte des Geldes aus der Vermögensmasse von Lehman Brothers zurückzuerhalten. Eine Konkursquote von 40 bis 50 Prozent sei denkbar, hieß es in Finanzkreisen.

Ein KfW-Urgestein muss gehen

Ein KfW-Urgestein muss gehen

Mit Peter Fleischer und Detlef Leinberger verlassen wegen der Lehman-Panne zwei von zuvor noch sieben Vorständen die KfW-Bankengruppe. Während der 53 Jahre alte Fleischer bei der WestLB groß geworden ist und über die Deutsche Ausgleichsbank erst 2003 zur KfW kam, ist Detlef Leinberger so etwas wie Urgestein bei der Bankengruppe.

Abgesehen von einer Abordnung ins Bundesfinanzministerium hat der 59-Jährige Diplom-Kaufmann nach Bankangaben sein gesamtes Berufsleben bei der KfW verbracht, deren Vorstand er seit 1999 angehörte. Er ist in Bad Homburg geboren und hat in Frankfurt studiert. Bei der KfW war für das Risikomanagement, Controlling und Rechnungswesen zuständig.

Fleischer hatte das Mittelstands- und Förderbankengeschäft unter sich und war für das Kreditsekretariat verantwortlich. Mit der früheren Vorstandssprecherin und SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier verlässt ein weiterer Vorstand die KfW planmäßig zum Ende des Monats September. Sie war über die Milliardenaffäre bei der IKB gestürzt. Es bleiben der Vorsitzende Ulrich Schröder, Norbert Kloppenburg und Wolfgang Kroh, die ergänzt werden durch Günther Bräunig, der von der IKB zurückkehrt.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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