Jobabbau Karmann schließt Kerngeschäft

Aus und vorbei: Die Traditionsfirma Karmann bereitet ihre Belegschaft auf den Abbau weiterer 1700 Stellen vor. Das bisherige Kerngeschäft der Auftragsfertigung von Autos wird aufgegeben. Die Suche nach neuen Großkunden blieb bisher erfolglos. Das Unternehmen will sich auf Cabriodächer konzentrieren.

Osnabrück - Der Autozulieferer Karmann schließt seine Kernsparte Automobil-Auftragsfertigung und streicht bis zu 1700 weitere Stellen. Das Unternehmen werde sich auf Cabriodächer und Entwicklungsdienstleistungen für die Autoindustrie konzentrieren, teilte Geschäftsführer Peter Harbig am Donnerstag in Osnabrück mit.

Der Umsatz schrumpfe dadurch um eine Milliarde auf rund 500 Millionen Euro. Die Anlagen für die Auftragsfertigung sollen allerdings noch bis nächsten Sommer bestehen bleiben, um sie schnell wieder anwerfen zu können, wenn doch noch ein Auftrag hereinkommen sollte. Auch sei Karmann weiter offen für Partner oder neue Eigentümer in diesem Bereich.

Dennoch müsse sich das Unternehmen darauf vorbereiten, dass Anfang August 2009 der letzte Wagen ausgeliefert werde. Aus arbeitsrechtlichen Gründen müsse das Unternehmen jedoch schon jetzt Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen.

Bis 2012 sollen sich die Auslieferungen faltbarer Blechdächer und klassischer Verdecke aus Textil aufgrund unterzeichneter Verträge verdoppeln. Zudem sieht Karmann Chancen bei der Entwicklung und dem Bau von Elektrofahrzeugen. Hier wollen die Osnabrücker ihre Kompetenz beim Bau von Kleinserien ausspielen.

Für die unter dem Namen Metal Unit zusammengefassten Bereiche Werkzeugbau, Produktionssysteme, Presswerk, Module und Ersatzteile sucht Karmann weiter nach einem Käufer. Sollte der Bereich mit rund 700 Mitarbeitern nicht als ganzes verkauft werden können, will Karmann die Abteilungen Produktionssysteme, Ersatzteile und Module mit 250 Mitarbeitern fortführen.

Der in den 50er Jahren durch den legendären Ghia ("Hausfrauen-Porsche") bekanntgewordene Autobauer hatte sich seit längerem erfolglos um Anschlussaufträge bemüht. Zuletzt hatte die Firma einen herben Rückschlag erlitten, da Volkswagen  sein geplantes Golf Cabriolet nicht in Osnabrück fertigen wird.

Die Mitarbeiterzahl reduziert sich durch die Schrumpfkur erneut drastisch. "Es werden aber weitere 1275 bis 1725 Stellen gestrichen", sagte ein Firmensprecher. Dadurch könnte sich die Belegschaft am Stammsitz auf bis zu 1650 reduzieren.

Schon die vorherige Stellenstreichungsrunde kostete zahlreiche Beschäftigte den Job: Zählte das Unternehmen im vergangenen Jahr noch knapp 7000 Beschäftigte weltweit, davon 4200 am Stammsitz Osnabrück, sind es global ab Oktober nur noch 4500.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dow jones

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.