Bankenfusion HBOS flüchtet zu Lloyds

Das nächste Krisenopfer kommt aus Schottland. Die Hypothekenbank HBOS sucht Unterschlupf bei der englischen Großbank Lloyds TSB. Die Regierung von Gordon Brown räumt Hürden für den 15-Milliarden-Euro-Deal aus dem Weg, um eine Bankpleite zu verhindern. HBOS leidet besonders unter der Immobilienkrise.

London - Die britische Großbank Lloyds TSB  übernimmt die angeschlagene Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS)  für 12,2 Milliarden Pfund (rund 15,47 Milliarden Euro). Die HBOS-Aktionäre erhielten 0,83 Lloyds-Aktien für eine Aktie ihrer Bank, womit der Wert der Aktien bei 232 Pence (2,92 Euro) je Aktie liegt. Die Offerte bewertet HBOS mit umgerechnet 15,3 Milliarden Euro. HBOS wird 44 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, teilte Lloyds in London mit.

Damit bestätigten sich entsprechende Spekulationen von Vortag. Die Lloyds-Aktionäre erhielten so etwa 56 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals. Victor Blank werde Verwaltungsratschef bleiben, während Eric Daniels weiter das operative Geschäft führen soll. "Das ist die einzigartige Möglichkeit, unsere Strategie zu erweitern und Großbritanniens führenden Finanzkonzern zu gründen", sagte Blank. Daniels betonte, es habe sich nicht um eine "Muss- oder Zwangs-Ehe" gehandelt. "Das ist etwas, auf das seit langem geschaut wurde."

Lloyds erwartet ab 2011 einen positiven Ergebnisbeitrag von 20 Prozent je Aktie. Zudem sollen aus dem Zusammenschluss Kostensynergien von über einer Milliarde Pfund pro Jahr entstehen. Medien berichteten, dass durch die Fusion 40.000 Jobs auf dem Spiel stehen. Lloyds bezeichnete dies als "das Maximum".

Eine Verschmelzung von Lloyds und HBOS würde in Großbritannien einen neuen Bankenriesen schaffen. Lloyds und HBOS haben zusammen mehr als 3000 Filialen und 38 Millionen Kunden. Zusammen werden HBOS und Lloyds TSB rund ein Drittel aller britischen Hypotheken sowie ein Viertel der gesamten britischen Spareinlagen halten. Beide Unternehmen beschäftigen zusammen rund 145 000 Mitarbeiter.

"Wir erlassen die Wettbewerbsregeln"

"Wir erlassen die Wettbewerbsregeln"

Es wird erwartet, dass die Wettbewerbsbehörden den Deal nicht blockieren werden, weil er von der Regierung unterstützt wird. Die britische Finanzausfsichtsbehörde teilte unmittelbar nach Bekanntwerden der Transaktion mit, der Schritt sei zur Stärkung des Finanzplatzes Großbritannien "willkommen", obwohl HBOS weiter solvent sei. "Wir haben uns entschieden, die Wettbewerbsregeln im Fall dieser beiden Banken zu erlassen", sagte Finanzminister Alistair Darling.

Unter normalen Umständen wäre eine solche Transaktion nach Einschätzung von Branchenkennern mit Sicherheit auf kartellrechtliche Probleme gestoßen. Laut Berichten des staatlichen Fernsehsenders BBC soll sich auch Premierminister Gordon Brown aus Angst vor einer Bankenpleite eingeschaltet haben. Wirtschaftsminister John Hutton bestätigte, dass sich die Regierung für die Fusion einsetzt, um die "Stabilität des britischen Finanzsystems" zu gewährleisten.

Die HBOS-Aktien, die seit Monaten auf Talfahrt waren, sprangen im frühen Handel um 23 Prozent nach oben. Lloyds-Titel verloren allerdings 7 Prozent. Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten HBOS-Aktien rund 70 Prozent ihres Werts verloren. Schon seit Monaten war über den Finanzzustand der Bank spekuliert und ein Zusammenbruch befürchtet worden. Die HBOS ist als größter Hypothekenanbieter des Landes besonders vom Preisverfall britischer Immobilien betroffen.

Beteuerungen des Instituts und der Bankenaufsicht, HBOS habe keine Refinanzierungsprobleme, reichten in den vergangenen Tagen nicht, um den Kursrutsch zu stoppen.

Die Londoner Lloyds TSB ist nur etwa halb so groß wie HBOS aus Edinburgh. Analysten erwarteten, dass Lloyds für die Transaktion substanzielle Hilfe der britischen Regierung benötigt.

manager-magazin.de mit Material von dpa, afp, dj und ddp

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