Sonntag, 20. Oktober 2019

Krisenfonds Retten, was (nicht) zu retten ist

3. Teil: "Japan-Szenario mit Gewalt verhindern"

"Japan-Szenario mit Gewalt verhindern"

Die Banken schicken sich mit dem Notfonds nicht nur an, ihre eigenen Bilanzen zu schonen und den Kollaps des einen oder anderen Instituts zu verhindern. Immer mehr geht es auch darum, die drastischsten Auswirkungen auf die Konjunktur zu verhindern. Doch dieser Kampf ist nach Ansicht mancher Experten schon längst verloren.

"Die Banken wollen mit aller Gewalt eine Kreditklemme nach dem Muster Japans verhindern", sagt HSBC-Analyst Schilbe. Auch davon wäre das Geschäftsmodell der Institute betroffen, die vergleichsweise wenig im US-Immobilienmarkt engagiert sind. Die Deutsche Bank etwa dürfte sich vor allem um ihr Kreditportfolio sorgen, wenn es zu einem drastischen Wirtschaftsabschwung in den USA und anderen Teilen der Welt kommt.

Sauber bleiben: Die Deutsche Bank beteiligt sich am Notfonds - auch um ihre eigenen Kreditportfolios zu schützen
Diese sogenannten Drittrundeneffekte der Kreditkrise zeichnen sich bereits in den USA ab. Die Arbeitslosigkeit steigt, Reallöhne sinken wegen der Inflation; Ersparnisse, die aufzulösen wären, gibt es nicht oder sollen angesichts der Krise geschont werden. "Die Folge könnte auch eine Rezession im privaten Konsum sein", sagt Schilbe. "Schon jetzt steigen die Ausfallraten bei Konsumentenkrediten und, Autokrediten in den USA. Da müssen die Banken versuchen, Einhalt zu gebieten."

Das deutsche Bankensystem gerät indirekt in diesen Strudel. Anders als manche US-Bank verfügen die deutschen Institute zwar über zum Teil hohe Einlagen. Allerdings würden wegen des heraufziehenden Abschwungs weniger Kredite nachgefragt.

Die dritte Phase der Kreditkrise, der volkswirtschaftliche Abschwung würde sich auch für das Bankensystem noch weit heftiger bemerkbar machen als einfache Liquiditätsprobleme, Abschreibungen und Verluste bei den Banken. Ausfallwerte steigen signifikant an.

"Wenn es dazu kommt, gibt es lauter kleine Nadelstiche für alle Banken", sagt der Finanzmarktexperte, der nicht namentlich genannt werden will. "Dann müssen die Banken über einen längeren Zeitraum hier 'ne Milliarde, und da 'ne Milliarde Euro abschreiben. Das wird das Bankensystem 2009 noch schwer belasten."

Der nun aufgelegte Bankenfonds ist aus Sicht manches Beobachters lediglich der Versuch, den allerschlimmsten Fall zu verhindern. "Es geht nur noch darum, den Worst Case, das Zusammenbrechen des Finanzsystems, zu verhindern", sagt der Experte weiter. "Es geht nicht darum, irgendetwas makroökonomisch auszutarieren. Über Inflation wird schon bald kein Mensch mehr reden."

Als nächstes muss sich die US-Notenbank mit diesen Fragen auseinandersetzen. Am Dienstag entscheidet sie über eine Zinsänderung.

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