Samstag, 20. Juli 2019

Krisenfonds Retten, was (nicht) zu retten ist

2. Teil: Gefährliche Abwärtsspirale

Gefährliche Abwärtsspirale

Damit bekommt eine gefährliche Abwärtsspirale neuen Schwung: Die Pleite einer Bank wie Lehman Brothers sorgt dafür, dass die Bewertungen der sogenannten Asset Backed Securities noch weiter unter Druck kommen. Da Banken jedoch derzeit dazu verpflichtet sind, ihre Positionen nach dem Mark-to-market-Prinzip zu bewerten, müssen sie jeden weiteren Wertverfall der ABS-Papiere in ihren Bilanzen berücksichtigen, also weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen.

Nicht zu retten: Die US-Investmentbank Lehman Brothers steht vor der Pleite. Die anderen Geldhäuser fürchten deshalb auch um die eigenen Bilanzen.
Das bedeutet: Je tiefer die Preise auf einem bereits ausgetrockneten Markt fallen, desto größer das Risiko für alle Banken, die solche Wertpapiere noch in ihren Bilanzen halten. Es gilt also, die Bewertungen vor einem weiteren Absturz zu bewahren.

Den "Fire sale" verhindern

"Wenn jetzt Lehman kommt und einfach den ganzen Mist verkauft, den die Bank so hat, dann gibt es auf einmal sehr niedrige Bewertungen in den Portfolios anderer Banken", sagt ein Finanzmarktexperte gegenüber manager-magazin.de. "Deshalb ist es im Sinne dieser Banken, einen Auffangfonds zu gründen, in dem man diesen 'Fire sale', also den Notverkauf um jeden Preis, verhindert."

Denn so lautet das Horrorszenario der Überlebenden: Eine Bank wie Lehman Brothers muss Papiere um jeden Preis verkaufen, und irgendein Hedgefonds wittert seine Chance und sammelt die Werte mit einem nochmals gehörigen Abschlag am Markt ein. Damit definiert er ein neues, noch tieferes Preisniveau, das die Bilanzen der anderen Banken sprengen könnte.

"Wenn diese kaputten Assets in einem Fire Sale zu Ramschpreisen verkauft werden, würde das eine Preisanpassung bedeuten, die bei Weitem mehr kosten würde als diese sieben Milliarden Dollar, die die Banken jeweils einzahlen", sagt der Kreditstratege. "Es ist also rational von den Banken, das Geld in die Hand zu nehmen und diesen Fonds zu gründen."

Nicht nur die übel beleumundeten Supbrime-Papiere unterer Kategorien sind betroffen. Auch für Papiere, die als deutlich sicherer gelten, lassen sich kaum Preise realisieren, die eines Tages durchaus wieder gezahlt werden dürften. Mit allen Mitteln versuchen die Banken, hohe Buchwerte für diese Positionen über die Zeit zu retten.

Auch Institute wie die Deutsche Bank versuchen daher das plötzliche Entstehen einer "Bad Bank" in den eigenen Reihen zu verhindern. Noch halten sich die Initiatoren des nun aufgelegten Rettungsfonds bedeckt, wie sie genau vorgehen wollen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass sie die Überbleibsel von Lehman gezielt unter die Lupe nehmen. "Definitiv werden Lehman-Assets gekauft werden", heißt es bei einer Großbank.

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