Insolvenz Alitalia vor dem Kollaps

Das Kerosin reicht nur bis Sonntag, mehr bekommt die klamme Alitalia nicht geliefert. Der Druck auf die Gewerkschaften wächst, die sich gegen eine Übernahme der Fluggesellschaft und Massenentlassungen sperren. Die Krisengespräche bei Ministerpräsident Berlusconi verliefen bisher fruchtlos.

Rom - Die schwer angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia  muss nach Worten ihres Insolvenzverwalters möglicherweise bereits am Montag die Flüge einstellen. Die Treibstoffreserven gingen zur Neige und die finanziell klamme Airline bekomme kein neues Kerosin mehr, warnte Augusto Fantozzi die Gewerkschaften. Die Nachrichtenagentur ANSA zitierte ihn am Samstag mit den Worten: "Für morgen haben wir unsere Flüge noch gesichert, aber nicht für Montag."

Zugleich drohte der Insolvenzverwalter für die nächsten Tage mit dem Beginn von Entlassungen. Fantozzi macht Druck auf die Gewerkschaften, damit sie doch noch einem harten Sanierungsplan zustimmen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi schaltete sich in die Rettungsbemühungen ein. Die Zeitung "La Repubblica" berichtete am Sonntag von nächtlichen Beratungen in seinem Amtssitz.

Am Freitag waren die Verhandlungen über die Rettung der Alitalia vorerst gescheitert. Das italienische Unternehmerbündnis CAI um die Großbank Intesa San Paolo, das sich zur Übernahme der krisengeschüttelten Airline bereiterklärt hatte, brach die Gespräche mit den Gewerkschaften ab. Im Rahmen des Rettungsplans sollten zwischen 3000 und 7000 der insgesamt fast 20.000 Stellen bei Alitalia gestrichen werden. Das lehnen die Gewerkschaften der Piloten und der Flugbegleiter jedoch ab.

Fantozzi drohte, als Erstes müssten die Besatzungen der bereits aus dem Verkehr gezogenen 34 Flugzeuge entlassen werden. Er hatte die Gewerkschaftsvertreter am Samstag zu einem Krisengespräch geladen. Schätzungen zufolge fliegt die Alitalia pro Tag einen Verlust von zwei Millionen Euro ein. Berlusconi kritisierte am Samstag die Haltung der Gewerkschaften als "selbstmörderisch" und politisch motiviert. Er sagte nicht konkret, was er unternehmen wolle.

Das Kabinett hatte Ende August mit einer Gesetzesänderung den Weg für die Rettung der Airline freigemacht. Um die Pleite abzuwenden und die Gründung einer neuen Gesellschaft zu ermöglichen, hatte die Regierung Alitalia unter Sonderverwaltung gestellt. Eine Gruppe von 16 Investoren hatte angekündigt, rund eine Milliarde Euro in das neue Unternehmen pumpen zu wollen. Vor einigen Monaten war eine Übernahme der Alitalia durch den Konkurrenten Air France-KLM an politischen Widerständen gescheitert.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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