Samstag, 23. November 2019

Postbank Ackermanns Avancen

Für die Citibank bot die Deutsche Bank mit vier Milliarden Euro zu wenig, bei der Dresdner Bank scheute sie nicht zuletzt die hohen Integrationskosten. Nun greift der hiesige Branchenprimus nach der Postbank. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schließt eine Kapitalerhöhung für mögliche Akquisitionen nicht aus.

Frankfurt am Main - "Wir begrüßen sehr den Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank." Gut eine Woche nach Bekanntgabe der Zehn-Milliarden-Übernahme bekam der Deal am heutigen Mittwoch auch von Josef Ackermann seinen Segen. Vielleicht handelte es sich aber auch um einen vergifteten Glückwunsch. Hatte der Chef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen doch nur wenige Minuten vorher auf der vom "Handelsblatt" veranstalteten Tagung "Banken im Umbruch" gesagt, dass Banken es sich nicht erlauben könnten, sich in Marktphasen wie diesen mit internen Problemen zu beschäftigen.

 Griff nach der Postbank? Deutsche-Bank-Chef Ackermann hält sich Termine frei
Euroforum / C. Meyer
Griff nach der Postbank? Deutsche-Bank-Chef Ackermann hält sich Termine frei
Nicht zuletzt aus diesem Grund habe sein Haus "kein Interesse an der Dresdner Bank gehabt", so Ackermann weiter. Schließlich seien die Überlappungen vor allem im Investmentbanking zwischen Deutscher und Dresdner noch größer als zwischen Dresdner und Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Die Folgen einer Übernahme der Dresdner Bank durch den hiesigen Bankenprimus wären laut Ackermann also "dramatisch" gewesen. "Geschäftliches Momentum" und "Motivation der Mitarbeiter" hätten unter solchen Belastungen zu stark gelitten.

Diese Befürchtungen hat Ackermann bezüglich der Postbank Börsen-Chart zeigen ganz klar nicht. Wie schon im Zuge von Bilanzvorlage und Hauptversammlung wiederholte der Schweizer, dass beide Banken strategisch gut zueinander passten und es letztendlich eine Frage des Preises sei. "Marktgerüchte" über einen unmittelbar bevorstehenden Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank wollte Ackermann erneut nicht kommentieren.

Postbank-Aktie dreht deutlich ins Plus

Dennoch werteten Anleger Ackermanns Aussagen als Indiz, dass die Deutsche Bank bald die Postbank übernehmen könnte. Die Aktien der Postbank Börsen-Chart zeigen legten am Mittwochmittag deutlich zu, während die Anteilscheine der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen nachgaben.

Am Freitag trifft sich der Aufsichtsrat des Haupteigners Deutsche Post, um über das weitere Schicksal der Postbank zu beraten. Nicht zuletzt, dass Postbank-Lenker Wolfgang Klein seine Teilnahme an der Frankfurter Tagung kurzfristig absagte, spricht dafür, dass es für das Bonner Geldhaus nun ernst wird. Ackermanns Terminkalender scheint zumindest für alle Eventualitäten gerüstet. "Ich kann hier sein", sagte der Deutsche-Bank-Primus lachend.

Eine deutliche Absage erteilte Ackermann hingegen in Richtung Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen. "Wir haben weder an Teilen von Lehman Brothers, noch an der Bank als Ganzes Interesse", ließ er keinen Platz für Spekulationen. Allerdings sei er sicher, dass es eine Lösung für die angeschlagene US-Investmentbank geben werde. "Ein Kollaps einer Bank von dieser Größe würde eine weitere Welle von Verwerfungen mit sich bringen", sagte Ackermann. Aber erstens hoffe er, dass es nicht dazu kommen werde, und zweitens arbeiteten Fed, US-Finanzministerium und Finanzbranche sehr gut zusammen.

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