Kommentar Die deutsche Lösung

Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Coba ist richtig und wichtig. Sie bringt die notwendige Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft in Fahrt. Endlich entsteht hinter der Deutschen Bank ein zweiter nationaler Champion. Das ist gut für Deutschland und gut für den Mittelstand. Die Chinesen sind und waren keine Alternative.
Von Andreas Nölting

Es ist vollbracht. Endlich. Die monatelange, zermürbende und zuweilen absurd anmutende Hängepartie um die Zukunft der Dresdner Bank und den Finanzplatz Deutschland ist ausgestanden. Es formiert sich eine neue "Superbank".

Mit der Übernahme der angeschlagenen Allianz-Tochter katapultiert sich die Commerzbank  um Vorstandschef Martin Blessing zur unangefochtenen Nummer Zwei der heimischen Finanzbranche - gemessen an der Bilanzsumme zwar immer noch knapp halb so groß wie der Primus Deutsche Bank , aber mit mehr als 60.000 Beschäftigten, zwölf Millionen Privatkunden, etwa 1800 Filialen und einem starken Fokus auf das Mittelstandsgeschäft dennoch ein wahrer Koloss.

Diesen Schritt hatten viele Finanzexperten herbeigesehnt. Er könnte den Beginn der dringend notwendigen Bankenkonsolidierung in Deutschland markieren. Während sich die Finanzinstitute anderer europäischer Länder längst zu globalen, wettbewerbsfähigen Einheiten zusammengeschlossen haben, dümpeln hierzulande hunderte schlecht geführte und im internationalen Geschäft zu kleine Privat-, Genossenschafts- und Staatsinstitute vor sich hin, deren tumbe Topmanager wie bei der WestLB, der KfW oder der IKB kontinuierlich unglaubliche Fehlspekulationen und Milliardenverluste fabrizieren, für die der Steuerzahler dann aufkommen muss.

Die herbeigesehnete Alternative zur Deutschen Bank

Zwar gilt die Dresdner Bank als "Giftpille", in deren Portfolio - (etwa bei ihrer Investmentbank Dresdner Kleinwort) womöglich noch gewaltige verborgene Risiken schlummern. Allianz-Konzernchef Michael Diekmann wird froh sein, dass er die ungeliebte Tochter endlich aus den Büchern streichen kann und nimmt dafür sogar Milliardenabschreibungen hin: Im Jahr 2001 von seinem Vorgänger Henning Schulte-Noelle als Vollendung seines inzwischen fallierten Konzeptes vom "Allfinanzkonzern" für 24 Milliarden Euro gekauft, bringt die Dresdner nun gerade einmal neun Milliarden Euro ein.

Doch zusammen mit der Commerzbank könnte die Dresdner - wohlwollend argumentiert - die auch in Berlin herbeigesehnte Alternative zur Deutschen Bank bieten: Eine starke Mittelstandsbank, die der Exportnation Deutschland und seinen Unternehmen mit Krediten bei der Expansion und der Globalisierung hilft und sich nicht wie Josef Ackermanns Deutsche Bank primär als globale aus London geführte Investmentbank ohne Herz für die heimische Wirtschaft geriert. Die neue Commerzbank, so ist zu hoffen, wird die Aufgaben der von der Politik heruntergewirtschafteten Kreditanstalt für Wiederaufbau übernehmen - quasi eine KfW ohne Staatsanteil.

Die Investmentbanker müssen bluten

Die Investmentbanker müssen bluten

Zunächst allerdings stehen dem neuen Duo und deren Beschäftigten harte Einschnitte bevor: Zwei Verwaltungsapparate müssen zu einem zusammengelegt werden - rund 9000 Arbeitsplätze stehen zur Disposition. Neben den Überschneidungen im Backoffice dürften vor allem die Angestellten der gemeinsam rund 1800 Filialen bangen. Es bedarf keiner Fantasie, um vorherzusehen was passiert, wenn in einer Straße jeweils eine Filiale der Dresdner Bank und der Commerzbank angesiedelt ist.

Besonders bluten müssen die rund 3000 Investmentbanker der Dresdner Kleinwort. Die Londoner Großverdiener haben in der Finanzkrise tiefrote Zahlen in die Bilanzen der Dresdner Bank gerissen, ihr Mutterhaus erst in diese missliche Lage gebracht. Die Commerzbank hingegen hat nach dem gescheiterten Größenwahn ihres einstigen Investmentbankers Mehmet Dalmann längst die Lust an der Königsdisziplin verloren. So hält sich die Sympathie in Grenzen.

Wäre es aus Sicht der Beschäftigten - und vielleicht sogar der Aktionäre - dann also tatsächlich besser gewesen, die Dresdner Bank an den zweiten Bieter, die China Development Bank (CDB) zu verkaufen? Immerhin haben die Chinesen angeblich ein um mehrere hundert Millionen höheres Angebot abgegeben, wollten "bar" zahlen, alle Arbeitsplätze und Filialen garantieren sowie der Allianz beim Vertrieb ihrer Versicherungen in China politisch helfen.

Ein klares Nein. Zum einen wäre ein weiteres Herzstück der deutschen Bankenlandschaft in ausländische Hände geraten, nach der Hypovereinsbank (an die italienische Unicredit ), ein Teil der Hypo Real Estate (an den US-Investor Flowers) oder der IKB  (an den amerikanischen Finanzinvestor Lonestar).

Zum anderen haben die Chinesen nie auch nur andeutungsweise veröffentlicht, was genau sie denn mit der Dresdner Bank vorhaben, warum sie kaufen wollen. Eine solche Geheimnistuerei darf nicht belohnt werden. Und wie skrupellos Asiaten mit Zusagen umgehen, hat der Fall Siemens/BenQ unlängst bewiesen - auch wenn hier mit Taiwan Nationalchinesen verantwortlich waren.

Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachzuvollziehen, das Gewerkschaften und Betriebsräte für den Einstieg der Chinesen in Frankfurt plädiert und demonstriert haben. Diese Sicht ist einfach nur naiv, wirft aber auch ein schlechtes Licht auf den internen Zustand der Dresdner Bank. Wie marode muss das Haus wohl sein, wenn sich deren Arbeitnehmer kritiklos in die Arme der Chinesen flüchten wollten, fragt sich der Beobachter.

Martin Blessing, der neue starke Mann der Bankenlandschaft, wird noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

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