Deutschland Zu viele Institute, zu wenig Kunden

Seit Jahren schrumpft sich in Deutschland eine Branche gesund: Banken und Sparkassen sind auf dem Weg zu mehr Effizienz und weniger Kosten. Ein Weg ist dabei die Fusion von Geldinstituten zu größeren Einheiten. Im internationalen Vergleich aber sei das deutsche Bankenwesen noch zu kleinteilig, kritisieren Experten.

Frankfurt am Main - Der Verkauf der Allianz-Tochter Dresdner Bank ist nur eine von vielen Wegmarken im Konsolidierungsprozess der deutschen Bankenlandschaft - wenngleich die seit Jahren bedeutsamste.

Ein Großteil der Fusionen vollzog sich auf kommunaler und regionaler Ebene. Die Erträge der Geldhäuser entwickeln sich nach Angaben des Rates der Wirtschaftsweisen im europäischen Vergleich dennoch weiter ungünstig. International gesehen sind die deutschen Banken Zwerge. Ihnen droht die Übernahme durch ausländische Institute.

Knapp drei Jahre ist es her, dass die italienischen Bankengruppe Unicredit  die Hypovereinsbank schluckte - das sechstgrößte deutsche Institut, gemessen an der Bilanzsumme. Erst Anfang Juli kaufte die in Deutschland bis dahin weitgehend unbekannte französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel die Deutschland-Tochter der Citibank. Auch treibt die Post derzeit die Entscheidung über den Verkauf der Postbank  immer weiter voran. Aus Finanzkreisen heißt es, dass als Interessenten noch das spanische Finanzhaus Banco Santander und die niederländische ING  im Rennen sind - neben dem hiesigen Branchenprimus Deutsche Bank .

Im Schnitt rund 40.000 Kunden je Institut

Mit durchschnittlich rund 40.000 Kunden je Kreditinstitut ist das deutsche Bankenwesen laut dem jüngste Bericht der Wirtschaftsweisen im internationalen Vergleich nach wie vor noch zu kleinteilig: Es gibt zu viele Institute und zu wenig Kunden. Im europäischen Schnitt kommen rund 54.000 Kunden auf einen Sparkasse oder Bank, in Spanien sind es beispielsweise sogar 125.000. Trotz vieler kleinerer Fusionen - vor allem bei Sparkassen - sind die Kosten für einzelne Geldhäuser etwa für Personal, Mieten für Filialen oder die EDV noch immer zu noch. "Deshalb sind aus einer weiteren Konsolidierung Effizienzgewinne zu erwarten", heißt es im Bericht der Wirtschaftsweisen.

Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) schrumpfte die Zahl der Banken und Sparkassen in Deutschland um rund zwei Fünftel von knapp 3400 auf etwa 2000 Ende 2006. In Frankreich verringerte sich die Zahl der Institute im gleichen Zeitraum um etwa ein Drittel von rund 1250 auf 820.

Öffentlich-rechtliche Institute mit 46 Prozent Anteil

Insgesamt ruht der deutsche Bankenmarkt auf drei Säulen: Gemessen an der Bilanzsumme sind die öffentlich-rechtlichen Institute wie Sparkassen und Landesbanken mit einem Gesamtanteil von rund 46 Prozent der wichtigste Stützpfeiler der Branche. Die privaten Geschäftsbanken wie Commerzbank und Dresdner Bank haben einen Anteil von rund 39 Prozent, die übrigen 15 Prozent entfallen auf die Genossenschaftsbanken. Dem Bericht der Wirtschaftsweisen zufolge ist vor allem im Bereich der öffentlichen Institute und bei den Privatbanken in den kommenden Jahren mit weiteren Zusammenschlüssen zu rechnen - was aus Sicht der Experten heilsam für die Branche wäre.

manager-magazin.de mit Material von afp

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